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Notizen/Englisch/American Dream and American Identities
DE · Abitur

American Dream and American Identities

Der American Dream ist kein Sachverhalt, sondern eine ERZÄHLUNG, mit der sich eine Gesellschaft selbst erklärt — und genau deshalb ein so ergiebiger Prüfungsgegenstand. Das Themenfeld verlangt, diese Erzählung zu rekonstruieren, an Daten und literarischen Texten zu prüfen und die Stimmen einzubeziehen, die sie nie eingeschlossen hat.

7 Abschnitte·~25 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Stand 06/2026

T·0555 / 8
Prüfungsprofil
IKK · Interkulturelle kommunikative Kompetenz — nationale Selbstbilder erschließenTMK · Text- und Medienkompetenz — literarische Texte und Sachtexte deutenFKK · Funktionale kommunikative Kompetenz — argumentieren und bewertenSB · Sprachbewusstheit — Sprache der Selbstbeschreibung analysieren
Operatoren:analyseexaminediscussassessevaluatecompare

grundlegendes Niveau

gA: den American Dream historisch herleiten, an literarischen Beispielen prüfen und Chancen wie Grenzen sozialer Mobilität beschreiben.

erhöhtes Niveau

eA: zusätzlich die Erzählung kritisch befragen — wer war je eingeschlossen? —, Daten zur Mobilität einbeziehen und zeitgenössische Gegenstimmen analytisch einordnen.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

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Inhalt · 7 Abschnitte▾
  1. American Dream and American Identities
    • 01The American Dream — Mythos, Geschichte, Definition○
    • 02F. Scott Fitzgerald — The Great Gatsby (1925)◐
    • 03Race and identity — from slavery to Black Lives Matter●
    • 04Migration, melting pot and the contested promise◐
    • 05Gender and identities — from suffrage to non-binary◐
    • 06Economic mobility and class — is the dream still alive?●
    • 07Contemporary voices — Coates, Ward, Whitehead, Yang●

7 Abschnitte · 35 Merksätze · 0 Formeln · 35 Fehlerwarnungen

§ 01
§ 01

The American Dream — Mythos, Geschichte, Definition#

~3 Min Lesezeit●○○BasisLPenglisch-american-dream-and-identitiesLPintercultural-competence

American Dream — Ideal, Spannungsfelder, kritische Stimmen

American Dream — Ideal, Spannungsfelder, kritische StimmenTabelle mit 2 Spalten und 3 Zeilen, Daten: Spannungsfeld · Ausprägungen; Race · Jim Crow, Civil Rights, Black Lives Matter; Class · working poor, income gap, Rust Belt; Gender · suffrage → #MeToo, reproductive rightsSpannungsfeldAusprägungenRaceJim Crow, Civil Rights,Black Lives MatterClassworking poor, income gap,Rust BeltGendersuffrage → #MeToo,reproductive rights
Abb. 1Kernidee (equal opportunity, upward mobility), Spannungsfelder (race, class, gender) und literarisch-kulturelle Kritik (Fitzgerald, Steinbeck, Coates).

Kernpunkte

Den Begriff prägte James Truslow Adams 1931 in The Epic of America — mitten in der Weltwirtschaftskrise, also nicht als Beschreibung der Verhältnisse, sondern als Gegenbild zu ihnen. Adams sprach ausdrücklich von einem Leben, das „besser, reicher und erfüllter" sein solle, und betonte, es gehe nicht bloß um Autos und hohe Löhne. Diese Herkunft ist prüfungsrelevant, weil sie zeigt, dass der Traum von Anfang an moralisch und nicht nur materiell gemeint war.
Seine Wurzeln reichen weiter zurück: in die Unabhängigkeitserklärung mit „life, liberty and the pursuit of happiness", in das puritanische Bild der „city upon a hill" und in die Frontier-These, wonach die offene Grenze im Westen Selbstständigkeit und Gleichheit hervorgebracht habe. Wer diese drei Stränge nennt, hat die Erzählung fundiert hergeleitet.
Inhaltlich besteht der Traum aus vier Versprechen, die sich getrennt prüfen lassen: FREIHEIT, GLEICHHEIT der Chancen, sozialer AUFSTIEG durch eigene Leistung und individuelles GLÜCK. Die Trennung lohnt, weil die Versprechen unterschiedlich gut eingelöst werden — und weil sie miteinander in Konflikt geraten können.
Zentral ist das Prinzip der MERITOKRATIE: Wer sich anstrengt, kommt voran. Das Bild vom „self-made man" und die Formel „from rags to riches" — popularisiert durch Horatio Algers Romane im 19. Jahrhundert — sind seine literarischen Verdichtungen. Die Kehrseite dieses Prinzips wird selten mitgedacht: Wenn Erfolg verdient ist, erscheint auch Misserfolg als selbstverschuldet.
Genau dort liegt der schärfste Einwand. Die Erzählung individualisiert strukturelle Ungleichheit — sie erklärt Armut zum persönlichen Versagen und macht Herkunft, Bildungszugang und Diskriminierung unsichtbar. Diese Kritik zu formulieren, ohne den Traum bloß abzutun, ist die anspruchsvolle Leistung im Anforderungsbereich III.
Für die Textarbeit ist wichtig, dass der Traum in Reden regelmäßig ANGERUFEN wird, um Politik zu begründen — von beiden Seiten des politischen Spektrums. Wer eine amerikanische Rede analysiert, sollte fragen, welche der vier Versprechen sie betont, wen sie einschließt und welche Vergangenheit sie beschwört.

Vokabeln

→ Kartei
  • the pursuit of happinessdas Streben nach Glückaus der Unabhängigkeitserklärung
  • meritocracy/ˌmerɪˈtɒkrəsi/die Leistungsgesellschaft
  • the self-made mander Aufsteiger aus eigener Kraft
  • upward mobilityder soziale Aufstieg
  • the frontier/ˈfrʌntɪə/die Grenze zum Westen
  • rags to richesvom Tellerwäscher zum Millionär
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Abiturfokus

  • Leiten Sie den Traum historisch her (Unabhängigkeitserklärung, Puritanismus, Frontier), statt ihn als zeitlos zu behandeln.
  • Trennen Sie die vier Versprechen und prüfen Sie sie EINZELN — sie werden unterschiedlich gut eingelöst.
  • Benennen Sie die Kehrseite der Meritokratie: Erfolg als Verdienst macht Misserfolg zum Selbstverschulden.
  • Formulieren Sie die Kritik als Analyse, nicht als Abtun — der Traum ist wirkmächtig, ob eingelöst oder nicht.
  • Fragen Sie bei Reden, welche Versprechen betont werden und wen sie ein- oder ausschließen.

Typische Fehler

  • Den American Dream als rein materielles Wohlstandsversprechen dargestellt.
  • Adams' Prägung 1931 mit der Gründungszeit verwechselt.
  • Den Traum als Beschreibung der Wirklichkeit statt als Erzählung behandelt.
  • Die Kritik so geführt, dass die Wirkmächtigkeit der Erzählung verschwindet.
  • Meritokratie nur positiv dargestellt, ohne ihre Kehrseite.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Analysieren Sie eine amerikanische Rede daraufhin, wie sie den American Dream aufruft: Welche Versprechen betont sie, welche Vergangenheit beschwört sie, und wer erscheint in dieser Erzählung als „wir"?

§ 01

Aktive Wiederholung

Outline the historical roots of the American Dream and examine the four promises it contains. Assess which of them is most contested today and support your answer with a concrete example.

Passende Aufgaben üben30 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.2 (Kultusministerkonferenz) · Library of Congress — The Declaration of Independence (Library of Congress)

§ 02
§ 02

F. Scott Fitzgerald — The Great Gatsby (1925)#

~5 Min Lesezeit●●○StandardLPtext-media-competenceLPenglisch-american-dream-and-identities

The Great Gatsby — the analytical toolkit

The Great Gatsby — the analytical toolkitTabelle mit 3 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Element · In the novel · What it argues; Narrator Nick Carraway · Claims to reserve judgement, then judges · An unreliable frame — his admiration shapes what we see; The green light · At the end of Daisy’s dock · Desire that depends on distance to survive; Valley of Ashes · Between West Egg and New York · The cost of the wealth on either side; Eyes of Dr T. J. Eckleburg · A faded billboard · A god replaced by advertising; East Egg vs. West Egg · Old money vs. new money · The dream promises mobility the class system denies; The ending · "boats against the current" · The dream is located in the past, not the futureElementIn the novelWhat it arguesNarrator Nick CarrawayClaims to reserve judgement,then judgesAn unreliable frame — hisadmiration shapes what weseeThe green lightAt the end of Daisy’s dockDesire that depends ondistance to surviveValley of AshesBetween West Egg and NewYorkThe cost of the wealth oneither sideEyes of Dr T. J. EckleburgA faded billboardA god replaced byadvertisingEast Egg vs. West EggOld money vs. new moneyThe dream promises mobilitythe class system deniesThe ending"boats against the current"The dream is located in thepast, not the future
Abb. 2Gatsby wird fast nie als Handlung geprüft, sondern als KRITIK des amerikanischen Traums. Die dritte Spalte ist der Ort dieser Kritik.

Kernpunkte

The Great Gatsby ist der kanonische Text zum Thema, weil er den Traum nicht bestreitet, sondern seine Logik von innen vorführt. Gatsby hat alles erreicht, was das Versprechen verlangt — Aufstieg aus dem Nichts, Reichtum, Selbsterschaffung — und scheitert dennoch. Die Frage des Romans ist nicht, ob der Traum funktioniert, sondern woran er sich richtet.
Die ERZÄHLSITUATION trägt die Deutung. Nick Carraway ist Ich-Erzähler und zugleich Figur, beteiligt und beobachtend, und er behauptet gleich zu Beginn, zu den ehrlichsten Menschen zu gehören, die er kenne — eine Selbstauskunft, die zur Vorsicht mahnt. Wer den Roman analysiert, muss die Zuverlässigkeit dieses Erzählers zum Gegenstand machen, statt seine Urteile zu übernehmen.
Die Symbole sind eng geführt und lassen sich präzise deuten. Das GRÜNE LICHT an Daisys Steg steht für das immer entfernte Ziel; die AUGEN DES DOCTOR T. J. ECKLEBURG blicken als ausgeblichene Reklametafel über eine Landschaft, in der Gott durch Werbung ersetzt ist; das VALLEY OF ASHES ist der Abraum, den der Wohlstand der anderen erzeugt.
Die Geografie des Romans ist soziale Ordnung: EAST EGG steht für altes, ererbtes Geld, WEST EGG für neues, erarbeitetes. Dass Gatsby trotz seines Vermögens niemals dazugehört, ist die schärfste Widerlegung des Aufstiegsversprechens im ganzen Buch — Geld allein öffnet die Tür nicht, wenn Herkunft die Zugehörigkeit regelt.
Der berühmte Schlusssatz — Boote gegen den Strom, unaufhörlich in die Vergangenheit zurückgetragen — dreht die Zeitrichtung des Traums um. Gatsby will nicht die Zukunft, sondern eine wiederhergestellte Vergangenheit; sein Traum ist rückwärtsgewandt. Diese Beobachtung ist die tragfähigste Grundlage für jede Interpretation des Romanschlusses.
Historisch ist der Roman in den ROARING TWENTIES verankert: Prohibition und organisiertes Verbrechen als Quelle von Gatsbys Vermögen, neuer Konsum, gelockerte Konventionen — und die Vorahnung des Crashs von 1929. Der Kontext erklärt, warum der Roman den Reichtum als moralisch ungedeckt darstellt.

Vokabeln

→ Kartei
  • the unreliable narratorder unzuverlässige Erzähler
  • the symboldas Symbolimmer in seiner Funktion zu deuten
  • old money / new moneyererbter / erarbeiteter Reichtum
  • to aspire to/əˈspaɪə/streben nach
  • disillusionment/ˌdɪsɪˈluːʒnmənt/die Desillusionierung
  • the foildie Kontrastfigur
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Musterlösung

Worked example — interpreting the green light in The Great Gatsby

Interpret the symbol of the green light at the end of Daisy's dock in The Great Gatsby and analyse what it reveals about the novel's critique of the American Dream. (Operator: interpret + analyse)

  1. Step 1 — Locate the symbol in the text

    The green light first appears at the close of Chapter 1: Nick sees Gatsby reaching towards "a single green light, minute and far away, that might have been the end of a dock." It recurs in Chapter 5 (Gatsby points it out to Daisy) and in the final page. Tracking its three appearances establishes a developmental arc, not a static emblem.

  2. Step 2 — Read the surface meaning

    On the literal level the light is a navigation lamp across the bay; on the figurative level it stands for Daisy and, through her, for Gatsby's whole orienting desire. The colour green carries connotations of hope, money (the dollar) and "go" — Gatsby is permanently in motion towards a goal that recedes.

  3. Step 3 — Connect to the Dream's structure

    Gatsby's reach for the light mirrors the structure of the American Dream: a future-oriented striving in which the object of desire is always one bay away. When Daisy is finally beside him in Chapter 5, "the colossal significance of that light had now vanished forever" — the moment of attainment is the moment of loss.

  4. Step 4 — Read Nick's closing generalisation

    In the final paragraph Nick widens the symbol from Gatsby to the nation: "Gatsby believed in the green light, the orgastic future that year by year recedes before us." The first-person plural ("us", "we") converts a private obsession into a collective American condition.

  5. Step 5 — Synthesise the critique

    Read across the three appearances, the green light dramatises the central paradox Fitzgerald diagnoses: the Dream is sustaining as long as it is unattained and self-destroying the instant it is reached. The symbol therefore is not a promise but a critique — desire structured so that fulfilment is impossible by design.

Ergebnis: The green light functions as the novel's master symbol of the American Dream: a hope that energises Gatsby precisely because it stays "minute and far away", and that, once seemingly grasped, exposes the Dream as an endlessly receding "orgastic future" rather than an achievable end.

Abiturfokus

  • Machen Sie Nicks ZUVERLÄSSIGKEIT zum Gegenstand, statt seine Urteile zu übernehmen.
  • Deuten Sie Symbole am Textbeleg und in ihrer Funktion, nicht als Vokabelliste.
  • Nutzen Sie die Geografie (East/West Egg) als Aussage über soziale Undurchlässigkeit.
  • Argumentieren Sie am Schluss über die RÜCKWÄRTSGEWANDTHEIT von Gatsbys Traum.
  • Beziehen Sie den historischen Kontext ein, um die moralische Ungedecktheit des Reichtums zu erklären.

Typische Fehler

  • Nicks Aussagen als objektive Wahrheit behandelt.
  • Symbole aufgezählt, ohne ihre Funktion im Text zu zeigen.
  • Den Roman als Feier des Aufstiegs gelesen statt als seine Prüfung.
  • Gatsbys Scheitern rein persönlich statt auch strukturell erklärt.
  • Die Handlung nacherzählt statt die Erzählmittel zu untersuchen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Untersuchen Sie Nick Carraway als Erzähler: Welche Textstellen sprechen für, welche gegen seine Zuverlässigkeit? Beurteilen Sie, wie sich die Deutung des Romans ändert, wenn man ihm nicht folgt.

§ 02

Aktive Wiederholung

Analyse the function of the green light and the valley of ashes in The Great Gatsby. Examine how each relates to the novel's treatment of the American Dream, quoting from the text.

Passende Aufgaben üben30 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.3 (Kultusministerkonferenz)

§ 03
§ 03

Race and identity — from slavery to Black Lives Matter#

~5 Min Lesezeit●●●VertiefungLPenglisch-american-dream-and-identitiesLPintercultural-competence

Intersektionalität amerikanischer Identitäten

Intersektionalität amerikanischer IdentitätenVenn-Diagramm mit 3 Mengen, Race, Class, GenderRaceClassGenderIntersectionality
Abb. 3Race, class und gender überschneiden sich; Identität entsteht im Schnittbereich (Crenshaw 1989) statt in isolierten Kategorien.

Kernpunkte

Die Geschichte, an der sich das Gleichheitsversprechen am schärfsten misst, verläuft in klaren Etappen, und diese sollten sitzen: Sklaverei bis 1865, Rekonstruktion und ihr Abbruch, die Jim-Crow-Gesetze der Rassentrennung, die Bürgerrechtsbewegung der 1950er und 60er Jahre, die Gesetze von 1964 und 1965 — und die Feststellung, dass rechtliche Gleichstellung faktische Ungleichheit nicht beendete.
Die Bürgerrechtsbewegung kannte verschiedene Strategien, und ihre Gegenüberstellung ist prüfungsergiebig: Martin Luther Kings gewaltfreier Widerstand mit dem Ziel der Integration gegen Malcolm X' Betonung von Selbstbehauptung und Selbstorganisation. Beide auf eine Formel zu bringen — friedlich gegen radikal — verfehlt beide; die Unterschiede liegen in Zielvorstellung und Adressat.
„I Have a Dream" (1963) ist der meistanalysierte Redetext des Themenfelds und lohnt die genaue Betrachtung. King beruft sich nicht gegen die amerikanische Erzählung, sondern AUF sie: Er nennt die Unabhängigkeitserklärung einen Schuldschein, den Amerika seinen schwarzen Bürgern nicht eingelöst habe. Die rhetorische Kraft liegt darin, das Land an seinem eigenen Versprechen zu messen.
BLACK LIVES MATTER, entstanden 2013 und nach dem Tod George Floyds 2020 global sichtbar, unterscheidet sich in der Organisationsform: dezentral, ohne einzelne Führungsfigur, stark über soziale Medien vermittelt. Diese Struktur ist selbst analytisch interessant — sie ermöglicht schnelle Mobilisierung und erschwert zugleich verbindliche Verhandlung.
Für die Erörterung ist die Unterscheidung zwischen INDIVIDUELLER und STRUKTURELLER Benachteiligung entscheidend. Gemeint ist mit der zweiten nicht die Absicht Einzelner, sondern die Wirkung von Regeln und Institutionen — in Wohnungsmarkt, Bildungsfinanzierung, Strafjustiz und Vermögensbildung. Wer nur über Einstellungen spricht, verfehlt den Gegenstand.
Sprachlich ist Sorgfalt geboten und Teil der Kompetenz. Aktuelle Bezeichnungen (Black, African American, people of colour) sind zu verwenden, historische Begriffe nur zitierend und gekennzeichnet. Wer in einer Klausur veraltete Ausdrücke unmarkiert benutzt, zeigt fehlende Sprachbewusstheit — unabhängig von der Absicht.

Vokabeln

→ Kartei
  • segregation/ˌseɡrɪˈɡeɪʃn/die Rassentrennung
  • the civil rights movementdie Bürgerrechtsbewegung
  • systemic racismstruktureller RassismusWirkung von Institutionen, nicht Absicht Einzelner
  • disenfranchisement/ˌdɪsɪnˈfræntʃɪzmənt/der Entzug des Wahlrechts
  • to desegregatedie Trennung aufheben
  • the promissory noteder SchuldscheinKings Bild für das uneingelöste Versprechen
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Musterlösung

Worked example — comparing Coates and Baldwin on race and the Dream

Compare Ta-Nehisi Coates' "Between the World and Me" (2015) with James Baldwin's "The Fire Next Time" (1963) in their treatment of race and the American Dream. (Operator: compare)

  1. Step 1 — Establish the shared form

    Both texts use the epistolary form of a letter to a young male relative — Baldwin writes "My Dungeon Shook" to his nephew; Coates addresses his son Samori. Recognising the deliberate intertextual echo is the precondition for a precise comparison: Coates writes in Baldwin's tradition and invites the juxtaposition.

  2. Step 2 — Compare the diagnosis of the Dream

    Baldwin frames the Dream as a moral failure that can still be redeemed through love and confrontation ("we, the black and the white, deeply need each other here"). Coates frames "the Dream" — suburbia, "perfect houses with nice lawns" — as built materially on the destruction of "the black body"; redemption is largely withheld.

  3. Step 3 — Compare the register of hope

    Baldwin retains a prophetic, religiously inflected hope: change is demanded as a duty. Coates is more sober and materialist; he refuses transcendence and grounds his argument in the body, in physical vulnerability, and in historical accumulation. The tonal contrast marks five decades of disappointed expectation.

  4. Step 4 — Compare the role of the addressee

    Baldwin instructs his nephew towards courage and a refusal of self-hatred; Coates prepares his son for danger and counsels clear sight over false comfort. Both turn private counsel into public argument, but the protective stance shifts from moral exhortation to lucid warning.

  5. Step 5 — Synthesise the historical movement

    Set side by side, the two letters chart what has and has not changed: the structural exclusion of Black Americans from the Dream persists (continuity), but the available rhetoric of hope has narrowed from Baldwin's redemptive vision to Coates' insistence on unillusioned survival (shift).

Ergebnis: Both writers expose the American Dream as racially exclusionary and both use the letter form, but Baldwin (1963) preserves a redemptive, prophetic hope while Coates (2015) replaces it with a materialist focus on the vulnerable Black body — a fifty-year shift from moral exhortation to clear-eyed warning.

Abiturfokus

  • Kennen Sie die Etappen und betonen Sie die Differenz zwischen rechtlicher und faktischer Gleichstellung.
  • Stellen Sie King und Malcolm X über Zielvorstellung und Adressat gegenüber, nicht über „friedlich/radikal".
  • Analysieren Sie „I Have a Dream" über die Berufung AUF die amerikanische Erzählung.
  • Unterscheiden Sie individuelle und strukturelle Benachteiligung ausdrücklich.
  • Verwenden Sie aktuelle Bezeichnungen; historische Begriffe nur zitierend und markiert.

Typische Fehler

  • Die Bürgerrechtsgesetze als Abschluss der Ungleichheit dargestellt.
  • King und Malcolm X auf „friedlich gegen gewaltsam" verkürzt.
  • Strukturelle Benachteiligung mit individueller Absicht gleichgesetzt.
  • Veraltete Bezeichnungen unmarkiert verwendet.
  • BLM als bloße Fortsetzung der Bürgerrechtsbewegung dargestellt, ohne die andere Organisationsform.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Vergleichen Sie die Organisationsform der Bürgerrechtsbewegung mit der von Black Lives Matter und beurteilen Sie, welche Vor- und Nachteile eine dezentrale, medienvermittelte Bewegung gegenüber einer geführten Organisation hat.

§ 03

Aktive Wiederholung

Analyse an extract from "I Have a Dream": examine how King uses the founding documents of the United States and identify the rhetorical devices through which he builds his claim.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.2 und 2.3 (Kultusministerkonferenz) · National Archives — The Civil Rights Act of 1964 (US National Archives)

§ 04
§ 04

Migration, melting pot and the contested promise#

~2 Min Lesezeit●●○StandardLPenglisch-american-dream-and-identitiesLPintercultural-competence

Melting pot, salad bowl, mosaic

Melting pot, salad bowl, mosaicTabelle mit 3 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Metaphor · What it claims · The criticism it attracts; Melting pot · Origins merge into one new American identity · The "melt" is measured against a white Protestant norm; Salad bowl · Groups keep their character within one whole · Risks parallel societies with little contact; Mosaic · Distinct pieces form one picture (Canadian usage) · Assumes the pieces are fixed; Assimilation · Adopting the majority culture · Places the whole burden on the newcomer; Hyphenated identity · Italian-American, Asian-American · Marks belonging to two — or full belonging to neither; 🔴 In an exam answer · Name the metaphor a source uses · The choice of metaphor already contains the argumentMetaphorWhat it claimsThe criticism itattractsMelting potOrigins merge into one newAmerican identityThe "melt" is measuredagainst a white ProtestantnormSalad bowlGroups keep their characterwithin one wholeRisks parallel societieswith little contactMosaicDistinct pieces form onepicture (Canadian usage)Assumes the pieces are fixedAssimilationAdopting the majorityculturePlaces the whole burden onthe newcomerHyphenated identityItalian-American, Asian-AmericanMarks belonging to two — orfull belonging to neither🔴 In an exam answerName the metaphor a sourceusesThe choice of metaphoralready contains theargument
Abb. 4Drei Metaphern, drei Gesellschaftsentwürfe. Eine Erörterung, die sie synonym verwendet, verliert das eigentliche Argument.

Kernpunkte

Die USA erzählen sich als „nation of immigrants", und die Freiheitsstatue mit Emma Lazarus' Gedicht — „give me your tired, your poor" — ist das Bild dieser Erzählung. Zwischen 1892 und 1954 passierten über zwölf Millionen Menschen Ellis Island. Die Erzählung ist damit nicht falsch, aber unvollständig.
Unvollständig ist sie, weil Zugang immer selektiv war. Der Chinese Exclusion Act von 1882 schloss eine Gruppe ausdrücklich aus, die Quotenregelungen der 1920er Jahre bevorzugten nord- und westeuropäische Herkunft, und die Verschleppung versklavter Menschen war das Gegenteil freiwilliger Einwanderung. Wer diese drei Punkte nennt, hat die Erzählung belastbar geprüft.
Der Begriff MELTING POT stammt aus einem Theaterstück von 1908 und beschreibt ein Einschmelzen in eine gemeinsame Form. Die Gegenbilder SALAD BOWL und MOSAIC betonen dagegen, dass Bestandteile unterscheidbar bleiben. Alle drei sind Metaphern; die Aufgabe besteht darin, sie an konkreten Verhältnissen zu prüfen, statt eine als richtig zu erklären.
Für die Gegenwart sind zwei Größenordnungen nützlich: Hispanics bilden die größte Minderheit, und die Debatte um die Südgrenze — Grenzschutz, DACA und der Status der „Dreamers", also der als Kinder eingereisten Menschen ohne regulären Status — bestimmt die politische Auseinandersetzung. Zahlen darüber hinaus sollten nur genannt werden, wenn sie belegt sind.
Sprachlich lohnt die Genauigkeit: „undocumented" und „illegal" bezeichnen denselben Sachverhalt mit verschiedener Wertung, und die Wortwahl positioniert den Sprecher. Diese Beobachtung ist ein Musterfall für Sprachbewusstheit und lässt sich in fast jedem Zeitungstext des Feldes belegen.
Für die Erörterung ist die zentrale Spannung zu benennen: Einwanderung ist Teil der amerikanischen Selbsterzählung UND Gegenstand ihres schärfsten innenpolitischen Konflikts. Wer diese Gleichzeitigkeit herausarbeitet, statt eine Seite zu wählen, erfüllt den Operator „discuss" im eigentlichen Sinn.

Vokabeln

→ Kartei
  • the melting potder SchmelztiegelMetapher, keine Beschreibung
  • the salad bowldas Bild bleibender Unterscheidbarkeit
  • undocumentedohne regulären Aufenthaltsstatusweniger wertend als „illegal"
  • the quota/ˈkwoʊtə/die Kontingentregelung
  • naturalisationdie Einbürgerung
  • the Dreamersals Kinder Eingereiste ohne regulären Status
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Abiturfokus

  • Prüfen Sie die Selbsterzählung an den Ausschlüssen (Exclusion Act, Quoten, Sklaverei).
  • Behandeln Sie melting pot, salad bowl und mosaic als METAPHERN, die zu prüfen sind.
  • Analysieren Sie die Wortwahl „undocumented" gegenüber „illegal" als Positionierung.
  • Arbeiten Sie die Gleichzeitigkeit von Selbstbild und Konflikt heraus.
  • Nennen Sie Zahlen nur, wenn Sie sie belegen können.

Typische Fehler

  • Die Einwanderungserzählung ungeprüft übernommen.
  • Sklaverei als Form der Einwanderung dargestellt.
  • Melting pot als Tatsachenbeschreibung behandelt.
  • Wertende Begriffe unreflektiert übernommen.
  • Unbelegte Zahlen zur Einwanderung angeführt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Analysieren Sie zwei Zeitungstexte zur Einwanderungsdebatte auf ihre Wortwahl und untersuchen Sie, wie die Bezeichnung der betroffenen Menschen jeweils die Argumentation vorbereitet.

§ 04

Aktive Wiederholung

„America has always been a nation of immigrants." Discuss this claim, taking into account both the founding narrative and the history of exclusion.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.2 (Kultusministerkonferenz) · US National Park Service — Ellis Island history (US National Park Service)

§ 05
§ 05

Gender and identities — from suffrage to non-binary#

~2 Min Lesezeit●●○StandardLPenglisch-american-dream-and-identitiesLPintercultural-competence

Gender and identity — analytical vocabulary

Gender and identity — analytical vocabularyTabelle mit 3 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Term · What it names · How it is used on a text; Gender roles · Socially expected behaviour · Which expectations does a character meet or break?; Stereotype · A fixed generalised image · Does the text reproduce it or expose it?; Male gaze · A perspective that makes women objects of looking · Who describes whom, and in what detail?; Intersectionality · Overlapping categories (gender, race, class) · Which categories act together in this character’s situation?; Agency · The capacity to act for oneself · Does the character decide, or is the character decided about?; Representation · Who appears, how, and how often · Absence is evidence tooTermWhat it namesHow it is used on atextGender rolesSocially expected behaviourWhich expectations does acharacter meet or break?StereotypeA fixed generalised imageDoes the text reproduce itor expose it?Male gazeA perspective that makeswomen objects of lookingWho describes whom, and inwhat detail?IntersectionalityOverlapping categories(gender, race, class)Which categories acttogether in this character’ssituation?AgencyThe capacity to act foroneselfDoes the character decide,or is the character decidedabout?RepresentationWho appears, how, and howoftenAbsence is evidence too
Abb. 5Die Aufgabe verlangt Analyse, nicht Bekenntnis. Diese Begriffe erlauben es, über einen Text zu sprechen, ohne ihn zu beurteilen, bevor er verstanden ist.

Kernpunkte

Auch das Gleichheitsversprechen in Bezug auf Geschlecht hat eine datierbare Geschichte: das Frauenwahlrecht 1920 mit dem 19. Verfassungszusatz, die zweite Welle der Frauenbewegung in den 1960er und 70er Jahren, die Öffnung der Ehe 2015 durch Obergefell v. Hodges und die #MeToo-Bewegung ab 2017. Diese Marken geben jeder Erörterung Halt.
Nützlich ist die Unterscheidung zwischen SEX als biologischer Kategorie und GENDER als sozial geformter Rolle. Sie erklärt, warum Erwartungen an Männer und Frauen historisch und kulturell variieren — und sie ist die Voraussetzung dafür, über Rollenbilder überhaupt sprechen zu können, ohne sie für natürlich zu halten.
INTERSEKTIONALITÄT, von Kimberlé Crenshaw geprägt, beschreibt, dass Benachteiligungen sich überlagern und dabei etwas Eigenes ergeben: Die Erfahrung einer schwarzen Frau ist nicht die Summe aus Rassismus und Sexismus, sondern eine eigene Lage. Dieser Begriff hebt jede Erörterung, wenn er am Beispiel und nicht als Schlagwort verwendet wird.
Für die Gegenwart sind zwei Felder prüfungsrelevant: die fortbestehende Lohnlücke und die Unterrepräsentation in Führungspositionen einerseits, die Debatte um nicht-binäre Identitäten und Pronomen andererseits. Beim ersten ist wichtig, dass die Lücke zu einem erheblichen Teil auf Berufswahl, Teilzeit und Sorgearbeit zurückgeht — ein Befund, der die Debatte präzisiert, ohne sie zu erledigen.
Sprachlich ist das Feld selbst ein Gegenstand der Sprachbewusstheit: der Übergang von „chairman" zu „chair", die Verwendung von „they" als Singular, die Angabe von Pronomen. Diese Veränderungen zeigen, dass Sprachwandel bewusst betrieben werden kann — anders als bei den meisten Wandelprozessen.
Für die Erörterung gilt eine Anforderung besonders: Positionen sind sachlich darzustellen, auch die nicht geteilten. Ein Text, der eine Seite karikiert, verfehlt die interkulturelle Kompetenz, die ausdrücklich den Perspektivwechsel verlangt — und verliert Punkte unabhängig von der eigenen Haltung.

Vokabeln

→ Kartei
  • suffrage/ˈsʌfrɪdʒ/das Wahlrecht
  • intersectionality/ˌɪntəsekʃəˈnæləti/die Überlagerung von Benachteiligungen
  • the gender pay gapdie geschlechtsbezogene Lohnlücke
  • non-binarynicht-binär
  • the glass ceilingdie gläserne Decke
  • to advocate/ˈædvəkeɪt/sich einsetzen für
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Abiturfokus

  • Nutzen Sie die historischen Marken als Gerüst statt allgemein zu erörtern.
  • Unterscheiden Sie sex und gender ausdrücklich.
  • Verwenden Sie Intersektionalität am BEISPIEL, nicht als Schlagwort.
  • Präzisieren Sie die Lohnlücke über ihre Ursachen, ohne sie damit zu erledigen.
  • Stellen Sie auch nicht geteilte Positionen sachlich dar — Karikatur kostet Punkte.

Typische Fehler

  • Sex und gender gleichgesetzt.
  • Intersektionalität als bloße Addition von Benachteiligungen dargestellt.
  • Die Lohnlücke ohne Angabe der Bezugsgröße zitiert.
  • Gegenpositionen karikiert statt dargestellt.
  • Sprachliche Veränderungen als bloße Höflichkeitsfrage behandelt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Untersuchen Sie am Konzept der Intersektionalität, warum Antidiskriminierungsregeln, die jeweils nur ein Merkmal berücksichtigen, bestimmte Lagen nicht erfassen. Belegen Sie Ihre Erklärung an einem konkreten Fall.

§ 05

Aktive Wiederholung

Examine the argument that legal equality has not produced actual equality between genders in the United States. Refer to at least two concrete areas and assess the strongest counter-argument.

Passende Aufgaben üben30 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.2 (Kultusministerkonferenz)

§ 06
§ 06

Economic mobility and class — is the dream still alive?#

~3 Min Lesezeit●●●VertiefungLPenglisch-american-dream-and-identities

Aufstiegsmobilität — Mythos vs. empirische Realität

Income mobility: myth vs. data Top 20% 4th 3rd 2nd Bottom 20% Myth: free climb bottom → top for anyone Data: ~7.5% reach the top quintile
Abb. 6Der Mythos verspricht freien Aufstieg vom unteren ins obere Einkommensquintil; empirisch gelingt dies nur etwa 7,5 % der Kinder aus dem untersten Quintil (Chetty / Opportunity Insights).

Kernpunkte

Hier wird das Aufstiegsversprechen an Daten geprüft, und der Befund ist ernüchternd: Die soziale Mobilität in den USA ist geringer, als das Selbstbild nahelegt, und geringer als in mehreren europäischen Ländern. Herkunft sagt den Bildungs- und Einkommensweg stärker voraus, als die Erzählung vom self-made man erwarten ließe.
Zu unterscheiden sind zwei Formen: ABSOLUTE Mobilität fragt, ob es einem Menschen besser geht als seinen Eltern; RELATIVE Mobilität fragt, ob sich die Rangordnung zwischen den Generationen ändert. Beide können auseinanderfallen — in einer wachsenden Wirtschaft steigen alle, ohne dass sich die Abstände verringern. Wer sie unterscheidet, argumentiert deutlich präziser.
Die Ursachen sind gut benennbar und lassen sich als Kette darstellen: Die Finanzierung öffentlicher Schulen über lokale Grundsteuern koppelt Bildungsqualität an die Wohngegend; Studiengebühren und Studienschulden begrenzen den Zugang zu Hochschulbildung; Gesundheitskosten können Haushalte in kurzer Zeit ruinieren; und Vermögen wird über Generationen weitergegeben, Einkommen nicht.
Der Begriff WORKING POOR bezeichnet Menschen, die trotz Vollzeitbeschäftigung unterhalb der Armutsgrenze bleiben — der schärfste Einwand gegen die Formel, Arbeit führe aus der Armut. Ebenso relevant ist die Beobachtung eines Auseinanderdriftens: Der Abstand zwischen den höchsten und den mittleren Einkommen ist über Jahrzehnte gewachsen.
Die Gegenseite gehört in eine vollständige Antwort: hohe Innovationsfähigkeit, Gründungsdynamik, große Binnenmärkte und eine im internationalen Vergleich hohe Bereitschaft, für Arbeit den Wohnort zu wechseln. Die USA sind nicht unbeweglich — die Frage ist, für wen die Beweglichkeit gilt.
Für die Bewertung ist die tragfähigste Formulierung, dass der Traum als NORM weiterwirkt, auch wo er als Beschreibung nicht mehr trägt: Er prägt, wie Erfolg gedeutet und wie Armut erklärt wird. Diese Unterscheidung zwischen Wirksamkeit und Wahrheit einer Erzählung ist die reifste Antwort, die dieses Themenfeld zulässt.

Vokabeln

→ Kartei
  • social mobilitydie soziale Mobilität
  • the working poortrotz Arbeit in Armut Lebende
  • income inequalitydie Einkommensungleichheit
  • student debtdie Studienschulden
  • the safety netdas soziale Netz
  • to inherit/ɪnˈherɪt/erben
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Abiturfokus

  • Unterscheiden Sie absolute und relative Mobilität — sie beantworten verschiedene Fragen.
  • Stellen Sie die Ursachen als KETTE dar (Schulfinanzierung → Bildungszugang → Einkommen → Vermögen).
  • Nutzen Sie „working poor" als Einwand gegen die Formel, Arbeit führe aus der Armut.
  • Führen Sie die Gegenseite aus; Innovationskraft und Mobilitätsbereitschaft sind real.
  • Formulieren Sie zum Schluss die Unterscheidung zwischen Wirksamkeit und Wahrheit der Erzählung.

Typische Fehler

  • Absolute und relative Mobilität vermischt.
  • Unbelegte Statistiken zitiert.
  • Nur Kritik geübt und die Stärken der US-Wirtschaft ausgelassen.
  • Aus geringer Mobilität geschlossen, Aufstieg sei unmöglich.
  • Den Traum für widerlegt erklärt, ohne seine fortdauernde Wirkung zu berücksichtigen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Untersuchen Sie, wie die Finanzierung öffentlicher Schulen über lokale Steuern Bildungschancen an den Wohnort koppelt, und beurteilen Sie, welche Reformvorschläge an dieser Stelle ansetzen könnten und welche Einwände gegen sie sprechen.

§ 06

Aktive Wiederholung

„The American Dream is a myth that keeps people from demanding change." Assess this claim, distinguishing absolute from relative mobility and referring to at least two structural factors.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.2 (Kultusministerkonferenz)

§ 07
§ 07

Contemporary voices — Coates, Ward, Whitehead, Yang#

~5 Min Lesezeit●●●VertiefungLPtext-media-competenceLPenglisch-american-dream-and-identities

Contemporary American voices — recurring themes

Contemporary American voices — recurring themesTabelle mit 3 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Theme · Typical treatment · Question for analysis; Race and belonging · First-person accounts of everyday racism · What does the narrative perspective make visible?; Immigrant experience · Generational conflict, language loss · Which generation does the text let speak?; Inequality · Precarious work, health care, debt · Is the cause presented as personal or structural?; The American Dream · Tested, deferred, or refused · Is the dream criticised — or only its distribution?; Place · Rust Belt, borderlands, suburb, city · How does the setting carry the argument?; Form · Fragmentation, essay-fiction hybrids, poetry · What does the chosen form do that plain narrative could not?ThemeTypical treatmentQuestion for analysisRace and belongingFirst-person accounts ofeveryday racismWhat does the narrativeperspective make visible?Immigrant experienceGenerational conflict,language lossWhich generation does thetext let speak?InequalityPrecarious work, healthcare, debtIs the cause presented aspersonal or structural?The American DreamTested, deferred, or refusedIs the dream criticised — oronly its distribution?PlaceRust Belt, borderlands,suburb, cityHow does the setting carrythe argument?FormFragmentation, essay-fictionhybrids, poetryWhat does the chosen form dothat plain narrative couldnot?
Abb. 7Für aktuelle Texte brauchen Sie keine Kanonkenntnis, sondern die Themenachsen, auf denen sie sich bewegen.

Kernpunkte

Die zeitgenössische amerikanische Literatur führt die Auseinandersetzung mit dem nationalen Selbstbild fort, und sie tut es in Formen, die selbst Teil der Aussage sind. Wer diese Texte analysiert, sollte deshalb bei der Form beginnen — sie trägt die Position, bevor ein einziger Inhalt referiert ist.
Ta-Nehisi Coates schreibt in Between the World and Me (2015) einen Brief an seinen Sohn. Die Anrede in der zweiten Person zwingt den Leser in eine Position, die nicht die des adressierten Sohnes ist — er liest mit, ohne gemeint zu sein. Coates knüpft damit an James Baldwins The Fire Next Time an, das ebenfalls als Brief an einen Neffen verfasst ist; der Vergleich beider Texte ist eine Standardaufgabe.
Colson Whitehead macht in The Underground Railroad (2016) das metaphorische Fluchtnetzwerk zu einer buchstäblichen Eisenbahn. Diese Entscheidung ist kein Effekt: Sie hebt die Erzählung aus dem historischen Realismus heraus und erlaubt es, in jedem Bundesstaat ein anderes Modell des Rassismus durchzuspielen — ein Verfahren, das die Analyse ausdrücklich benennen sollte.
Jesmyn Ward erzählt in Sing, Unburied, Sing (2017) den ländlichen Süden mit Geisterfiguren und mehreren Erzählstimmen, darunter der eines Toten. Die Vergangenheit ist damit nicht Erinnerung, sondern anwesend — eine Form, die die Fortdauer historischer Gewalt strukturell abbildet statt sie zu behaupten.
Bei aktuellen Texten ist besondere Vorsicht bei Zuschreibungen geboten. Autorinnen und Autoren äußern sich zu politischen Fragen; ihre Texte sind dennoch nicht mit ihren Positionen gleichzusetzen, und Figuren sind keine Sprachrohre. Diese Unterscheidung wird bei zeitgenössischer Literatur häufiger verletzt als bei kanonischer.
Für die Klausur ist der produktivste Zugang die Verbindung von Form und Thema in EINER Beobachtung: Wer sagt, dass Coates' Briefform den Leser zum Mithörer macht und dass diese Position zur Aussage über amerikanische Öffentlichkeit gehört, hat mehr geleistet als jede Inhaltsangabe.

Vokabeln

→ Kartei
  • the epistolary form/ɪˈpɪstələri/die Briefform
  • the second-person addressdie Anrede in der zweiten Person
  • magical realismder magische Realismus
  • the legacy/ˈleɡəsi/das Erbe, die Nachwirkung
  • to bear witnessZeugnis ablegen
  • the collective memorydas kollektive Gedächtnis
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Musterlösung

Worked example — comparing Coates and Baldwin on race and the Dream

Compare Ta-Nehisi Coates' "Between the World and Me" (2015) with James Baldwin's "The Fire Next Time" (1963) in their treatment of race and the American Dream. (Operator: compare)

  1. Step 1 — Establish the shared form

    Both texts use the epistolary form of a letter to a young male relative — Baldwin writes "My Dungeon Shook" to his nephew; Coates addresses his son Samori. Recognising the deliberate intertextual echo is the precondition for a precise comparison: Coates writes in Baldwin's tradition and invites the juxtaposition.

  2. Step 2 — Compare the diagnosis of the Dream

    Baldwin frames the Dream as a moral failure that can still be redeemed through love and confrontation ("we, the black and the white, deeply need each other here"). Coates frames "the Dream" — suburbia, "perfect houses with nice lawns" — as built materially on the destruction of "the black body"; redemption is largely withheld.

  3. Step 3 — Compare the register of hope

    Baldwin retains a prophetic, religiously inflected hope: change is demanded as a duty. Coates is more sober and materialist; he refuses transcendence and grounds his argument in the body, in physical vulnerability, and in historical accumulation. The tonal contrast marks five decades of disappointed expectation.

  4. Step 4 — Compare the role of the addressee

    Baldwin instructs his nephew towards courage and a refusal of self-hatred; Coates prepares his son for danger and counsels clear sight over false comfort. Both turn private counsel into public argument, but the protective stance shifts from moral exhortation to lucid warning.

  5. Step 5 — Synthesise the historical movement

    Set side by side, the two letters chart what has and has not changed: the structural exclusion of Black Americans from the Dream persists (continuity), but the available rhetoric of hope has narrowed from Baldwin's redemptive vision to Coates' insistence on unillusioned survival (shift).

Ergebnis: Both writers expose the American Dream as racially exclusionary and both use the letter form, but Baldwin (1963) preserves a redemptive, prophetic hope while Coates (2015) replaces it with a materialist focus on the vulnerable Black body — a fifty-year shift from moral exhortation to clear-eyed warning.

Abiturfokus

  • Beginnen Sie die Analyse bei der FORM — Briefform, Erzählstimmen, Metaphernkonstruktion tragen die Aussage.
  • Vergleichen Sie Coates mit Baldwin über die gemeinsame Briefform und ihre unterschiedliche Wirkung.
  • Benennen Sie bei Whitehead das Verfahren, die Metapher zu verwirklichen, und seine Funktion.
  • Unterscheiden Sie Autorposition, Erzählstimme und Figur konsequent.
  • Verbinden Sie Form und Thema in einer einzigen Beobachtung statt beides getrennt zu referieren.

Typische Fehler

  • Die Figur als Sprachrohr des Autors behandelt.
  • Whiteheads wörtliche Eisenbahn als historischen Fehler gelesen.
  • Die Briefform als Beiwerk übergangen.
  • Inhalt referiert, ohne die Erzählform zu untersuchen.
  • Aktuelle politische Äußerungen der Autoren als Textdeutung verwendet.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Vergleichen Sie Baldwins The Fire Next Time und Coates' Between the World and Me als Briefe. Untersuchen Sie, wie beide den Leser positionieren und worin sich ihre Hoffnungshaltung unterscheidet.

§ 07

Aktive Wiederholung

Analyse the given extract from a contemporary American text: examine the narrative form (address, voice, perspective) and explain what this form contributes to the text's argument about American society.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.3 (Kultusministerkonferenz)

Stand 06/2026 · Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker

Inhalt

Abschnitt -- / 07

    • 01The American Dream — Mythos, Geschichte, Definition○
    • 02F. Scott Fitzgerald — The Great Gatsby (1925)◐
    • 03Race and identity — from slavery to Black Lives Matter●
    • 04Migration, melting pot and the contested promise◐
    • 05Gender and identities — from suffrage to non-binary◐
    • 06Economic mobility and class — is the dream still alive?●
    • 07Contemporary voices — Coates, Ward, Whitehead, Yang●

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Aus den Notizen ins Training

American Dream and American Identities

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Belege & Quellen

Quellen

Kultusministerkonferenz

  • Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.2

Library of Congress

  • Library of Congress — The Declaration of Independence

US National Archives

  • National Archives — The Civil Rights Act of 1964

US National Park Service

  • US National Park Service — Ellis Island history

Siehe auch

  • Globalisation, Migration und PostcolonialismMigration und Zugehörigkeit — dieselbe Frage vor einem anderen historischen Hintergrund.
  • Text- und Medienkompetenz — Methoden der TextanalyseDie Analysewerkzeuge für Gatsby, für Reden und für die zeitgenössischen Essays.
  • Mediation und Schreibaufgaben (Sprachmittlung & Writing Tasks)Die Schreibformate, in denen zu diesem Themenfeld Stellung genommen wird.

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