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Notizen/Englisch/Shakespeare and Elizabethan Drama
DE · Abitur

Shakespeare and Elizabethan Drama

Shakespeare steht in den Vorgaben fast aller Länder, und der Grund ist nicht bloß Traditionspflege: An seinen Texten lässt sich zeigen, wie Sprache Figuren erzeugt, wie eine Bühne ohne Kulisse Räume schafft und wie ein vierhundert Jahre alter Text von jeder Gegenwart neu beansprucht wird. Das Themenfeld verbindet Textanalyse, Theatergeschichte und Rezeptionsfragen.

7 Abschnitte·~23 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Stand 06/2026

T·0666 / 8
Prüfungsprofil
TMK · Text- und Medienkompetenz — dramatische Texte und ihre Inszenierungen deutenSB · Sprachbewusstheit — historische Sprachstufen und Versformen erkennenIKK · Interkulturelle kommunikative Kompetenz — historische Alterität aushaltenFKK · Funktionale kommunikative Kompetenz — analysieren und Stellung nehmen
Operatoren:analyseexamineinterpretcomparecommentassess

grundlegendes Niveau

gA: den elisabethanischen Theaterkontext erklären, Figurenrede und Bühnenanweisungen deuten, zentrale Konflikte eines Dramas herausarbeiten und Adaptionen vergleichen.

erhöhtes Niveau

eA: zusätzlich Vers und Prosa als Bedeutungsträger analysieren, Soliloquien in ihrer dramaturgischen Funktion erfassen und postkoloniale Lesarten begründet anwenden.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

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Inhalt · 7 Abschnitte▾
  1. Shakespeare and Elizabethan Drama
    • 01Elizabethan and Jacobean stage — historischer und institutioneller Kontext◐
    • 02Language and verse — Blank verse, prose, rhyme●
    • 03Hamlet — Rache, Zögern, Sprache und Theatralität●
    • 04Macbeth — Macht, Schuld und Sprache der Störung◐
    • 05The Tempest — Kolonialismus, Magie, Vergebung●
    • 06Shakespeare's sonnets — fair youth, dark lady, time and art●
    • 07Adaptations — Shakespeare on stage, screen and in contemporary contexts●

7 Abschnitte · 35 Merksätze · 0 Formeln · 35 Fehlerwarnungen

§ 01
§ 01

Elizabethan and Jacobean stage — historischer und institutioneller Kontext#

~3 Min Lesezeit●●○StandardLPenglisch-shakespeareLPintercultural-competence

Shakespeares Globe Theatre — vereinfachter Grundriss

Upper Gallery (3d, seats) Middle Gallery (2d) Lower Gallery (1d) Yard groundlings (1 penny) Thrust Stage trap door, two pillars Tiring House (backstage) Heavens The Globe (Bankside, 1599 / 1614 / 1997) Kapazität ca. 3000; überdacht nur Galerien und Bühne — daylight performances.
Abb. 1Drei umlaufende Galleries, offener yard für die groundlings, vorspringende thrust stage mit tiring house und Heavens — Originalbühne ab 1599 am Bankside, London.

Kernpunkte

Das elisabethanische Theater war ein kommerzieller Betrieb, kein Hofvergnügen — und diese Tatsache prägt die Stücke bis in ihre Bauweise. Die Truppen mussten ein zahlendes Publikum füllen, das von den groundlings im Stehparterre bis zu wohlhabenden Zuschauern auf den Galerien reichte. Dass dieselbe Szene derben Witz und philosophische Rede enthalten kann, folgt aus dieser Mischung.
Das GLOBE THEATRE war ein weitgehend offener Rundbau mit einer in den Zuschauerraum ragenden Bühne. Gespielt wurde bei Tageslicht, ohne Kulissen und ohne Beleuchtungswechsel. Daraus folgt der wichtigste Analysegriff dieses Abschnitts: Ort, Tageszeit und Wetter mussten SPRACHLICH erzeugt werden. Wenn eine Figur die Dunkelheit beschreibt, ist das keine Poesie, sondern Bühnentechnik.
Die Nähe zwischen Bühne und Publikum machte direkte Ansprache möglich — der Grund, warum Soliloquium und Beiseitesprechen funktionieren. Sie sind keine unrealistischen Konventionen, sondern nutzen eine Raumsituation, in der die Schauspieler mitten im Publikum standen.
Alle Rollen wurden von MÄNNERN gespielt, Frauenrollen von Jungen. Diese Besetzungspraxis ist analytisch ergiebig, weil sie in den Stücken selbst thematisiert wird: Verkleidungen, in denen eine als Junge verkleidete Frau von einem Jungen gespielt wird, erzeugen eine Mehrschichtigkeit, mit der die Komödien bewusst spielen.
Die Truppen unterstanden adligen Schutzherren — Shakespeares Gruppe wurde 1603 unter Jakob I. zu den KING'S MEN. Zugleich wirkte Zensur: Stücke mussten genehmigt werden, und offene Kritik am Herrscher war gefährlich. Dass politische Fragen in fremde Zeiten und Länder verlegt werden, ist deshalb kein Zufall, sondern Vorsicht.
Das Weltbild der Zeit kannte die Vorstellung einer geordneten Stufenfolge alles Seienden, in der jede Störung an einer Stelle Unordnung im Ganzen erzeugt. Deshalb begleiten Königsmorde in den Stücken Stürme, unnatürliches Verhalten von Tieren und Finsternis am Tag — die Natur reagiert auf die politische Tat.

Vokabeln

→ Kartei
  • the groundlingsdie Stehplatzzuschauer im Parterre
  • the thrust stagedie ins Publikum ragende Bühne
  • the patron/ˈpeɪtrən/der Schutzherr einer Truppe
  • the soliloquy/səˈlɪləkwi/der Monolog vor Publikum
  • the asidedas Beiseitesprechen
  • censorship/ˈsensəʃɪp/die Zensur

Shakespeare — Gattungen und Werke

Shakespeare — Gattungen und WerkeTabelle mit 2 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Gattung · Werke; Tragedy · Hamlet, Macbeth, King Lear; Comedy · Twelfth Night, Much Ado About Nothing, A Midsummer Night's Dream; History · Henry V, Richard III; Romance · The Tempest, The Winter's TaleGattungWerkeTragedyHamlet, Macbeth, King LearComedyTwelfth Night, Much AdoAbout Nothing, A MidsummerNight's DreamHistoryHenry V, Richard IIIRomanceThe Tempest, The Winter'sTale
Abb. 2Tragödie, Komödie, Historie und Romance mit prototypischen Werken; relevant für die LK-Lektüre.
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Abiturfokus

  • Erklären Sie sprachliche Ortsangaben als BÜHNENTECHNIK der kulissenlosen Bühne, nicht als bloße Poesie.
  • Begründen Sie Soliloquium und Beiseitesprechen aus der Raumnähe zwischen Bühne und Publikum.
  • Beziehen Sie die reine Männerbesetzung auf die Verkleidungsmotive der Komödien.
  • Erklären Sie die Verlegung politischer Stoffe in fremde Zeiten mit der Zensur.
  • Nutzen Sie die Ordnungsvorstellung, um Naturzeichen nach Königsmorden zu deuten.

Typische Fehler

  • Das Globe als geschlossenes Theater mit Beleuchtung und Kulissen vorgestellt.
  • Sprachliche Beschreibungen von Nacht und Ort als reine Stimmungsmalerei gedeutet.
  • Soliloquien als unrealistische Konvention abgetan.
  • Die Stücke als unmittelbare politische Stellungnahmen gelesen.
  • Naturzeichen als bloße Symbolik behandelt, ohne die Ordnungsvorstellung.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Untersuchen Sie, wie sich die Bedingungen der kulissenlosen Bühne auf das Tempo der Handlung auswirken, und vergleichen Sie mit einer modernen Inszenierung, die über Bühnenbild und Licht verfügt. Beurteilen Sie, was dabei gewonnen und was verloren geht.

§ 01

Aktive Wiederholung

Examine how the given scene creates its setting through language alone. Identify the lines that establish time, place and atmosphere, and explain what this reveals about performance conditions at the Globe.

Passende Aufgaben üben29 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.3 (Kultusministerkonferenz) · Shakespeare's Globe — About the Globe Theatre (Shakespeare's Globe)

§ 02
§ 02

Language and verse — Blank verse, prose, rhyme#

~3 Min Lesezeit●●●VertiefungLPlanguage-awarenessLPtext-media-competence

Iambic Pentameter — metrisches Schema

Iambic Pentameter — metrisches SchemaTabelle mit 3 Spalten und 5 Zeilen, Daten: Versfuß · unbetont (u) · betont (/); 1 · Shall · I; 2 · com · pare; 3 · thee · to; 4 · a · sum; 5 · mer's · day?Versfußunbetont (u)betont (/)1ShallI2compare3theeto4asum5mer'sday?
Abb. 3Fünf jambische Versfüße (unbetont / betont) ergeben den Pentameter; Grundgerüst von Shakespeares Sonetten und Blankversdrama.

Kernpunkte

Shakespeare schreibt überwiegend in BLANK VERSE: reimlosen fünfhebigen Jamben, also Zeilen aus fünf Betonungspaaren nach dem Muster unbetont-betont. Der Grund für diese Wahl ist praktisch — das Muster liegt dem natürlichen englischen Sprechrhythmus nahe genug, um nicht künstlich zu wirken, und gibt der Rede dennoch Form.
Der Wechsel zwischen VERS und PROSA ist bedeutungstragend und der ergiebigste Einzelbefund für jede Klausur. Grob gilt: Vers für hochgestellte Figuren und gehobene Situationen, Prosa für niedriger gestellte Figuren, komische Szenen, Briefe — und für Wahnsinn. Wenn eine Figur ihre gewohnte Form verlässt, ist das ein Signal, das benannt werden muss.
Hamlets Wechsel in die Prosa gegenüber Rosencrantz und Guildenstern oder Lears Prosa auf der Heide sind die Standardbeispiele. Beide zeigen, dass die Form nicht bloß Etikett ist, sondern den Zustand der Figur trägt — der Formbruch ist die Aussage.
Innerhalb des Verses arbeiten Abweichungen als Betonungsmittel. Eine unvollständige Zeile lässt eine Pause entstehen; ein ENJAMBEMENT, das den Satz über das Zeilenende trägt, erzeugt Drängen; eine zusätzliche Silbe am Zeilenende — wie in „To be, or not to be, that is the question" — nimmt der Zeile den festen Abschluss und lässt sie schweben. Diese Abweichungen zu bemerken, ist die eigentliche Verskompetenz.
Reimende Verspaare am Szenenende (COUPLETS) markieren Abschlüsse — vor Kulissenwechsel und Vorhang mussten sie dem Publikum das Ende signalisieren. Wer ein Couplet findet, hat meist eine Szenengrenze oder eine besonders pointierte Sentenz vor sich.
Zum frühneuenglischen Sprachstand gehören die Formen „thou/thee/thy" gegenüber „you". Sie sind nicht bloß altertümlich, sondern SOZIAL bedeutsam: „thou" ist vertraulich oder herablassend, „you" höflich oder distanziert. Ein Wechsel zwischen beiden innerhalb einer Szene zeigt eine Veränderung des Verhältnisses an — ein Detail, das in der Analyse regelmäßig Punkte bringt.

Vokabeln

→ Kartei
  • blank verseder reimlose fünfhebige Jambus
  • iambic pentameter/aɪˈæmbɪk penˈtæmɪtə/der fünfhebige Jambus
  • the enjambment/ɪnˈdʒæmmənt/das Übergreifen des Satzes über das Zeilenende
  • the rhyming coupletdas reimende Verspaar
  • thou / thee / thyvertrauliche Anredeformensozial markiert, nicht nur altertümlich
  • the metre/ˈmiːtə/das Versmaß
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Abiturfokus

  • Prüfen Sie bei jeder Passage zuerst, ob Vers oder Prosa vorliegt, und deuten Sie den Befund.
  • Behandeln Sie den Formwechsel einer Figur als SIGNAL, nicht als Zufall.
  • Benennen Sie Abweichungen im Vers (unvollständige Zeile, Enjambement, Zusatzsilbe) und ihre Wirkung.
  • Deuten Sie Couplets als Abschlussmarkierung von Szenen oder Sentenzen.
  • Werten Sie den Wechsel zwischen „thou" und „you" als Hinweis auf das Verhältnis der Figuren.

Typische Fehler

  • Blank verse mit gereimtem Vers verwechselt — blank heißt reimLOS.
  • Prosa als Nachlässigkeit gedeutet statt als bedeutungstragende Wahl.
  • „Thou" nur als altertümliche Variante von „you" behandelt.
  • Metrik beschrieben, ohne die Wirkung der Abweichung zu deuten.
  • Couplets übersehen und dadurch Szenengrenzen verkannt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Untersuchen Sie eine Szene, in der eine Figur zwischen Vers und Prosa wechselt, und beurteilen Sie, ob der Wechsel Standesverhältnisse, seelischen Zustand oder Adressatenbezug anzeigt. Belegen Sie an mindestens drei Stellen.

§ 02

Aktive Wiederholung

Analyse the given passage: determine whether it is written in verse or prose, identify at least two metrical irregularities and explain what each contributes to the characterisation of the speaker.

Passende Aufgaben üben29 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.4 (Kultusministerkonferenz) · Royal Shakespeare Company — Shakespeare Learning Zone: language (Royal Shakespeare Company)

§ 03
§ 03

Hamlet — Rache, Zögern, Sprache und Theatralität#

~3 Min Lesezeit●●●VertiefungLPtext-media-competenceLPenglisch-shakespeare

Hamlet — structure and the central questions

Hamlet — structure and the central questionsTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Act · What happens · The question it raises; I · The ghost demands revenge · Is the ghost trustworthy — spirit or devil?; II · Hamlet feigns madness; the players arrive · Where does the acted madness end?; III · "To be, or not to be"; the play within the play; Claudius at prayer · Why does Hamlet not act when he can?; IV · Polonius dead; Ophelia mad; Hamlet sent to England · What does revenge cost those around it?; V · Graveyard; the duel; the court destroyed · Is the ending justice, accident, or waste?; Soliloquies · Seven in all, four in Acts I–III · They are the only place the audience hears the truth; Verse and prose · Verse at court, prose in madness and with the players · A change of medium marks a change of stateActWhat happensThe question it raisesIThe ghost demands revengeIs the ghost trustworthy —spirit or devil?IIHamlet feigns madness; theplayers arriveWhere does the acted madnessend?III"To be, or not to be"; theplay within the play;Claudius at prayerWhy does Hamlet not act whenhe can?IVPolonius dead; Ophelia mad;Hamlet sent to EnglandWhat does revenge cost thosearound it?VGraveyard; the duel; thecourt destroyedIs the ending justice,accident, or waste?SoliloquiesSeven in all, four in ActsI–IIIThey are the only place theaudience hears the truthVerse and proseVerse at court, prose inmadness and with the playersA change of medium marks achange of state
Abb. 4Hamlet wird in der Klausur an Einzelszenen geprüft. Diese Übersicht verortet die Szene und benennt die Frage, die an ihr hängt.

Kernpunkte

Hamlet gehört zur Gattung der REVENGE TRAGEDY, deren Muster das Publikum kannte: ein Mord, ein Geist, der ihn offenbart, ein Rächer, Verstellung, Wahnsinn und ein tödlicher Schluss. Shakespeare erfüllt dieses Muster und dehnt zugleich den einen Punkt, an dem es normalerweise schnell geht — die Ausführung. Das Stück lebt vom Aufschub.
Die Frage nach dem Grund des Zögerns hat die Deutungsgeschichte bestimmt, und mehrere Antworten sind vertretbar: religiöse Bedenken (der Geist könnte ein Dämon sein, und ein im Gebet Getöteter käme in den Himmel), ein Übermaß an Reflexion, politische Ausweglosigkeit oder Trauer und Melancholie. Für die Klausur ist entscheidend, EINE Deutung zu belegen und ihre Grenzen zu benennen, nicht die richtige zu finden.
Die SOLILOQUIEN sind das Herzstück und tun etwas Ungewöhnliches: Sie machen den Zuschauer zum Mitwisser eines Denkprozesses. In „To be, or not to be" wird nicht die private Verzweiflung einer Figur ausgesprochen, sondern eine allgemein formulierte Überlegung über Handeln und Erdulden — die berühmteste Passage des Stücks nennt Hamlets eigenen Fall gar nicht.
Das Stück ist durchgehend THEATRALISCH selbstbewusst: die Wanderschauspieler, Hamlets Anweisungen an sie, das eingelegte Stück The Mousetrap, mit dem er Claudius' Reaktion prüft. Das Theater wird zum Erkenntnismittel — eine Fiktion soll die Wahrheit erzwingen. Diese Selbstbezüglichkeit ist ein eigener Analysegegenstand.
Die Bildsprache kreist um Krankheit, Fäulnis und Verbergung: „something is rotten in the state of Denmark", der „unweeded garden", das Gift im Ohr. Das Motiv des Gifts, das durch das Ohr eindringt, verbindet Mord und Verleumdung — beide vergiften über das Hören. Wer diese Verbindung zieht, deutet die Bildebene funktional.
Ophelias Figur verlangt Vorsicht. Sie wird zwischen Vater, Bruder und Geliebtem aufgerieben und hat kaum eigenen Handlungsspielraum; ihr Wahnsinn spricht in Liedern und Blumen aus, was direkt nicht sagbar ist. Sie als bloße Nebenfigur zu behandeln, verfehlt eine der dichtesten Passagen des Stücks.

Vokabeln

→ Kartei
  • the revenge tragedydie Rachetragödie
  • to procrastinate/proʊˈkræstɪneɪt/aufschieben, zaudern
  • the play within the playdas Spiel im Spiel
  • feigned madness/feɪnd/vorgetäuschter Wahnsinn
  • the imagery/ˈɪmɪdʒəri/die Bildsprache
  • to avenge/əˈvendʒ/rächen
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Abiturfokus

  • Erklären Sie das Stück über die DEHNUNG des Rachemusters, nicht über die Handlung allein.
  • Belegen Sie EINE Deutung des Zögerns am Text und benennen Sie deren Grenze.
  • Zeigen Sie bei „To be, or not to be", dass die Rede allgemein und nicht privat formuliert ist.
  • Behandeln Sie das Spiel im Spiel als Erkenntnismittel, nicht als Einschub.
  • Verbinden Sie die Gift- und Krankheitsbilder funktional mit Mord und Verleumdung.

Typische Fehler

  • Hamlets Zögern auf eine einzige Ursache festgelegt.
  • „To be, or not to be" als unmittelbaren Suizidmonolog Hamlets gelesen.
  • Das Spiel im Spiel als bloße Unterhaltung behandelt.
  • Ophelia als Nebenfigur übergangen.
  • Die Handlung nacherzählt statt Sprache und Struktur zu untersuchen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Untersuchen Sie die Funktion der Theatermetaphorik im gesamten Stück — Wanderschauspieler, Mousetrap, Verstellung — und beurteilen Sie, was Hamlet damit über das Verhältnis von Schein und Erkenntnis behauptet.

§ 03

Aktive Wiederholung

Analyse one of Hamlet's soliloquies: examine its structure of thought, its imagery and the way it positions the audience. Explain what the passage contributes to the play's treatment of action and delay.

Passende Aufgaben üben29 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.3 (Kultusministerkonferenz) · Royal Shakespeare Company — Hamlet learning resources (Royal Shakespeare Company)

§ 04
§ 04

Macbeth — Macht, Schuld und Sprache der Störung#

~5 Min Lesezeit●●○StandardLPtext-media-competenceLPenglisch-shakespeare

Macbeth — dramatischer Bogen (Freytag-Pyramide)

Macbeth — dramatischer Bogen (Freytag-Pyramide)Netzgraph, Akt 1 → Akt 2, Akt 2 → Akt 3, Akt 3 → Akt 4, Akt 4 → Akt 5Akt 1Akt 2Akt 3Akt 4Akt 5
Abb. 5Fünf-Akt-Struktur der Shakespeare-Tragödie: Exposition, steigende Handlung (Duncans Mord in Akt 2), Klimax (Banquos Geist in Akt 3), fallende Handlung und Katastrophe.

Kernpunkte

Macbeth ist Shakespeares kürzeste Tragödie und die am dichtesten gebaute: Die Handlung rast, weil das Stück nicht fragt, ob der Held fällt, sondern wie schnell. Der Zuschauer weiß von Beginn an mehr als die Figuren — und sieht deshalb einem Verhängnis zu, das die Hauptfigur selbst herbeiführt.
Die zentrale Frage ist die nach Schicksal und Verantwortung. Die Hexenprophezeiung sagt Macbeth die Krone voraus, sie befiehlt ihm aber nichts. Banquo erhält ebenfalls eine Prophezeiung und handelt nicht. Diese Parallelfigur ist der stärkste Beleg dafür, dass die Prophezeiung deutet, was Macbeth ohnehin schon denkt — sie erzeugt den Ehrgeiz nicht, sie benennt ihn.
Die Prophezeiungen arbeiten mit EQUIVOCATION, doppeldeutiger Rede, die wörtlich wahr bleibt und dennoch täuscht: der Wald, der sich bewegt, der Mann, den keine Frau gebar. Diese Technik ist zugleich das Sprachprinzip des Stücks — schon der erste Auftritt setzt mit „fair is foul, and foul is fair" die Umkehrung aller Ordnung.
Die Bildsprache ist eng geführt und lässt sich präzise verfolgen: BLUT als nicht abwaschbare Schuld (Lady Macbeths „out, damned spot"), zu große KLEIDER als geliehene Würde, SCHLAF als verlorene Unschuld („Macbeth does murder sleep") und DUNKELHEIT als Ort der Tat. Wer eine dieser Ketten durch das Stück verfolgt, hat eine tragfähige Analyse.
Die Entwicklung des Paares verläuft gegenläufig, und das ist der dramaturgisch stärkste Befund: Lady Macbeth treibt zu Beginn und zerbricht am Ende; Macbeth zögert zu Beginn und wird zunehmend rücksichtslos. Die beiden tauschen im Verlauf ihre Positionen — eine Beobachtung, die sich an konkreten Szenen belegen lässt.
Der politische Kontext ist relevant: Das Stück entstand unter Jakob I., der schottischer Herkunft war, sich auf Banquo als Vorfahren berief und über Hexerei schrieb. Der Königsmord erscheint als Verstoß gegen die Ordnung selbst, dem Naturzeichen antworten — und die Wiederherstellung am Ende ist auch eine Verbeugung vor dem regierenden König.

Vokabeln

→ Kartei
  • ambition/æmˈbɪʃn/der Ehrgeiz
  • equivocation/ɪˌkwɪvəˈkeɪʃn/die doppeldeutige Rede
  • the prophecy/ˈprɒfəsi/die Prophezeiung
  • regicide/ˈredʒɪsaɪd/der Königsmord
  • guiltdie Schuldim Stück durch das Blutmotiv getragen
  • the tragic flawder verhängnisvolle Charakterzug
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Musterlösung

Worked example — analysing Macbeth's "Is this a dagger" soliloquy

Analyse Macbeth's soliloquy beginning "Is this a dagger which I see before me" (Act 2, Scene 1). Focus on imagery, blank verse and the staging of conscience. (Operator: analyse)

  1. Step 1 — Situate the soliloquy dramatically

    The speech falls immediately before Macbeth murders Duncan. As a soliloquy it gives the audience privileged access to a mind at the threshold of an irreversible act — the convention establishes dramatic intimacy and makes the audience complicit witnesses.

  2. Step 2 — Analyse the central hallucination

    The "dagger of the mind, a false creation, / Proceeding from the heat-oppressed brain" externalises Macbeth's intention as a visual phantom. The blade he cannot "clutch" yet still "see" stages the gap between will and deed; the imagined weapon literally points him towards Duncan.

  3. Step 3 — Track the imagery of blood and night

    As the speech proceeds the dagger gathers "gouts of blood" before the murder has happened — a proleptic image that foreshadows the guilt to come. Night imagery ("wicked dreams abuse / The curtained sleep", "witchcraft celebrates") aligns the deed with darkness and the supernatural.

  4. Step 4 — Read the verse and sound

    The soliloquy is in blank verse (unrhymed iambic pentameter). Note where the metre fractures: broken lines and mid-line stops mimic Macbeth's agitation, while the soft sibilance of the closing couplet ("the bell invites me ... that summons thee to heaven or to hell") tightens into rhyme as resolve hardens.

  5. Step 5 — Synthesise the staging of conscience

    Combine: the hallucinated dagger, the premonitory blood, the night/witchcraft imagery and the fracturing verse together dramatise conscience at war with ambition. The soliloquy converts an internal moral struggle into stageable language, so the audience watches a man talk himself across the line into murder.

Ergebnis: The soliloquy stages the collapse of conscience into ambition: the hallucinated, blood-marked dagger and the night-and-witchcraft imagery, carried by an agitated blank verse that resolves into a final rhymed couplet, dramatise Macbeth talking himself into the murder — a textbook case of Shakespeare externalising inner conflict for the stage.

Abiturfokus

  • Argumentieren Sie zur Schuldfrage über BANQUO als Parallelfigur, die anders handelt.
  • Benennen Sie equivocation als Technik der Prophezeiungen und als Sprachprinzip des Stücks.
  • Verfolgen Sie EINE Bildkette (Blut, Kleider, Schlaf, Dunkelheit) durch das Stück.
  • Zeigen Sie die gegenläufige Entwicklung des Paares an konkreten Szenen.
  • Beziehen Sie den Kontext unter Jakob I. auf die Darstellung von Königsmord und Ordnung.

Typische Fehler

  • Die Hexen als Ursache von Macbeths Handeln dargestellt.
  • Lady Macbeth durchgehend als treibende Kraft beschrieben.
  • Bildmotive aufgezählt, ohne sie durch das Stück zu verfolgen.
  • Equivocation als bloßes Rätsel behandelt statt als Sprachprinzip.
  • Den zeitgenössischen politischen Bezug übergangen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Untersuchen Sie die gegenläufige Entwicklung von Macbeth und Lady Macbeth anhand von drei Szenen und beurteilen Sie, an welchem Punkt die Umkehr eintritt und wodurch sie ausgelöst wird.

§ 04

Aktive Wiederholung

Analyse the given scene from Macbeth: trace one image cluster (blood, sleep, clothing or darkness) and explain how it develops the play's treatment of guilt.

Passende Aufgaben üben29 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.3 (Kultusministerkonferenz) · Royal Shakespeare Company — Macbeth learning resources (Royal Shakespeare Company)

§ 05
§ 05

The Tempest — Kolonialismus, Magie, Vergebung#

~3 Min Lesezeit●●●VertiefungLPtext-media-competenceLPenglisch-migration-postcolonialism

The Tempest read as a colonial text

The Tempest read as a colonial textTabelle mit 3 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Element · Traditional reading · Postcolonial reading — and the textual evidence; Prospero · The wronged duke restoring order · The occupier who took the island; his "art" is control; Caliban · A monster to be governed · The dispossessed native: "This island’s mine, by Sycorax my mother"; Language · Prospero civilises Caliban · "You taught me language; and my profit on’t is, I know how to curse"; Ariel · A spirit serving willingly · A servant repeatedly promised a freedom deferred; The masque · A celebration of harmony · A display of the coloniser’s cultural authority; The ending · Forgiveness and return to Milan · Prospero leaves; the island’s future is never settledElementTraditional readingPostcolonial reading —and the textualevidenceProsperoThe wronged duke restoringorderThe occupier who took theisland; his "art" is controlCalibanA monster to be governedThe dispossessed native:"This island’s mine, bySycorax my mother"LanguageProspero civilises Caliban"You taught me language; andmy profit on’t is, I knowhow to curse"ArielA spirit serving willinglyA servant repeatedlypromised a freedom deferredThe masqueA celebration of harmonyA display of the coloniser’scultural authorityThe endingForgiveness and return toMilanProspero leaves; theisland’s future is neversettled
Abb. 6Die postkoloniale Lesart ist eine LESART — sie muss am Text begründet werden, nicht behauptet.

Kernpunkte

The Tempest entstand um 1611, als englische Kolonialunternehmungen in Amerika begannen — ein Bericht über einen Schiffbruch vor den Bermudas gilt als eine Quelle. Das Stück handelt von einem Europäer, der auf einer Insel ankommt, ihren Bewohner unterwirft und über sie herrscht. Diese Konstellation ist der Grund für die postkoloniale Lesart, die es seit dem 20. Jahrhundert bestimmt.
Die Beziehung zwischen Prospero und CALIBAN ist der Kern. Caliban war vor Prospero auf der Insel; er beruft sich darauf, dass sie ihm über seine Mutter zusteht, und wirft Prospero vor, ihn zunächst umworben und dann versklavt zu haben. Prospero begründet die Unterwerfung mit Calibans versuchtem Übergriff auf Miranda. Beide Darstellungen stehen im Text nebeneinander — die Aufgabe besteht darin, das auszuhalten, nicht es aufzulösen.
Der SPRACHKONFLIKT ist die dichteste Stelle für die Analyse: Caliban erhielt Prosperos Sprache und antwortet, sein Gewinn daraus sei, fluchen zu können. In zwei Zeilen steht damit das ganze koloniale Sprachproblem — die aufgezwungene Sprache als Herrschaftsinstrument und zugleich als einziges verfügbares Mittel des Widerspruchs.
Prosperos MAGIE lässt sich als Herrschaftstechnik lesen: Sie erzeugt den Sturm, kontrolliert Ariel, straft und begnadigt. Seine Entsagung am Ende — das Zerbrechen des Stabs, das Versenken des Buchs — ist deshalb mehr als ein Abschied von der Zauberei; es ist der Verzicht auf Kontrolle, und ob er freiwillig oder erschöpft geschieht, ist eine offene Deutungsfrage.
Die Gattung ist ROMANCE, nicht Tragödie: Verlust, Verwirrung, Versöhnung und Wiederherstellung. Der Schluss ist dennoch unvollständig — Antonios Reue bleibt aus, Calibans Zukunft ungeklärt. Diese Lücken sind nicht Nachlässigkeit, sondern der Grund, warum das Stück so viele Fortschreibungen provoziert hat.
Für die Klausur ist wichtig, die postkoloniale Lesart als LESART zu kennzeichnen und nicht als Absicht Shakespeares zu behaupten. Sie ist begründbar am Text und historisch anschlussfähig; die Behauptung, der Autor habe eine Kolonialismuskritik geschrieben, geht darüber hinaus und ist nicht belegbar.

Vokabeln

→ Kartei
  • the colonial encounterdie koloniale Begegnung
  • to usurp/juːˈzɜːp/widerrechtlich an sich reißen
  • the romancedie Gattung mit Verlust und Versöhnung
  • to renounce/rɪˈnaʊns/entsagen, aufgeben
  • the readingdie Lesart, die Deutungnicht mit der Autorabsicht gleichzusetzen
  • servitude/ˈsɜːvɪtjuːd/die Knechtschaft
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Abiturfokus

  • Halten Sie die widersprüchlichen Darstellungen von Prospero und Caliban nebeneinander, statt eine zu wählen.
  • Nutzen Sie den Sprachkonflikt als dichtesten Beleg der kolonialen Konstellation.
  • Deuten Sie die Magie als Herrschaftstechnik und die Entsagung als Verzicht auf Kontrolle.
  • Ordnen Sie das Stück der romance zu und benennen Sie die offen bleibenden Enden.
  • Kennzeichnen Sie die postkoloniale Deutung als LESART, nicht als Autorabsicht.

Typische Fehler

  • Caliban eindeutig als Opfer oder eindeutig als Täter dargestellt.
  • Die postkoloniale Lesart als Shakespeares Absicht behauptet.
  • Prosperos Magie nur als Fantasie-Element behandelt.
  • Den Schluss als vollständige Versöhnung gelesen.
  • Das Stück als Tragödie eingeordnet.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Beurteilen Sie, wie tragfähig die postkoloniale Lesart des Stücks ist. Führen Sie zwei Textbelege für und einen gegen sie an und begründen Sie, warum eine Lesart nicht mit der Autorabsicht gleichzusetzen ist.

§ 05

Aktive Wiederholung

Analyse the exchange between Prospero and Caliban about language. Examine how each character justifies their position and explain what the passage suggests about the relationship between language and power.

Passende Aufgaben üben29 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.2 und 2.3 (Kultusministerkonferenz)

§ 06
§ 06

Shakespeare's sonnets — fair youth, dark lady, time and art#

~4 Min Lesezeit●●●VertiefungLPtext-media-competenceLPlanguage-awareness

The Shakespearean sonnet — form and argument

The Shakespearean sonnet — form and argumentTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Part · Lines · Function; Quatrain 1 · 1–4 · States the situation or image; Quatrain 2 · 5–8 · Develops or complicates it; Quatrain 3 · 9–12 · Often the volta — the turn in thought; Couplet · 13–14 · Resolves, reverses, or undercuts everything above; Rhyme scheme · abab cdcd efef gg · The rhyme groups the argument into its four parts; Metre · Iambic pentameter · Deviations mark emphasis — a trochaic first foot is never accidental; 🔴 Analytical rule · — · Read the couplet against the quatrains, not as their summaryPartLinesFunctionQuatrain 11–4States the situation orimageQuatrain 25–8Develops or complicates itQuatrain 39–12Often the volta — the turnin thoughtCouplet13–14Resolves, reverses, orundercuts everything aboveRhyme schemeabab cdcd efef ggThe rhyme groups theargument into its four partsMetreIambic pentameterDeviations mark emphasis — atrochaic first foot is neveraccidental🔴 Analytical rule—Read the couplet against thequatrains, not as theirsummary
Abb. 7Die Form IST das Argument: Drei Quartette bauen einen Gedanken auf, die Volta dreht ihn, das Couplet entscheidet.

Kernpunkte

Die 154 Sonette von 1609 folgen der englischen Form: drei Vierzeiler und ein abschließendes Reimpaar, im Reimschema abab cdcd efef gg, in fünfhebigen Jamben. Diese Bauform ist zugleich eine Denkform — jeder Vierzeiler kann einen Gedankenschritt tragen, und das Couplet setzt den Schluss.
Der Unterschied zum italienischen Sonett lohnt die Erwähnung: Dort teilt sich das Gedicht in acht und sechs Zeilen mit einer Wende dazwischen. Die englische Form verlegt die Pointe ans Ende und gibt ihr durch den Reim des Couplets zusätzliche Schärfe — deshalb wirkt sie epigrammatischer.
Die VOLTA, die gedankliche Wende, sitzt in der Regel vor dem dritten Vierzeiler oder vor dem Couplet und ist sprachlich markiert — „but", „yet", „and yet". Sie zu finden ist der erste Analyseschritt: Sie zeigt, wo das Gedicht seine Richtung ändert, und ohne sie bleibt jede Interpretation an der Oberfläche.
Die Sammlung gliedert sich grob in die Sonette 1 bis 126 an einen jungen Mann und 127 bis 154 an eine Frau, die als „dark lady" bezeichnet wird. Die Frage nach realen Vorbildern ist unbeantwortet und für die Analyse unerheblich — das lyrische Ich ist nicht der Autor, und diese Trennung sollte in der Klausur ausdrücklich gemacht werden.
Die Themen kehren wieder: die Vergänglichkeit und der Zahn der Zeit, die Unsterblichkeit durch das Gedicht, Liebe und Untreue, Schönheit und ihr Verfall. Sonett 18 („Shall I compare thee to a summer's day?") führt beides zusammen — der Geliebte überdauert, aber nicht in sich, sondern im Vers, und das Couplet sagt das ausdrücklich.
Sonett 130 („My mistress' eyes are nothing like the sun") arbeitet gegen die Konvention: Es zählt petrarkistische Vergleiche auf und verneint sie der Reihe nach, um im Couplet zu erklären, die Geliebte sei dennoch — oder gerade deshalb — außergewöhnlich. Es ist damit ein Gedicht über die Sprache der Liebesdichtung, nicht nur über eine Frau.

Vokabeln

→ Kartei
  • the quatrain/ˈkwɒtreɪn/der Vierzeiler
  • the volta/ˈvɒltə/die gedankliche Wende
  • the rhyme schemedas Reimschema
  • the personadas lyrische Ichnicht mit dem Autor gleichzusetzen
  • transience/ˈtrænziəns/die Vergänglichkeit
  • the conceit/kənˈsiːt/das kunstvoll ausgeführte Bild
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Musterlösung

Worked example — interpreting Sonnet 18

Interpret Shakespeare's Sonnet 18 ("Shall I compare thee to a summers day?"). Refer to form, metre, imagery and the volta. (Operator: interpret)

  1. Step 1 — Identify formal frame

    English (Shakespearean) sonnet: 14 lines, three quatrains (abab cdcd efef) and a concluding couplet (gg). Iambic pentameter (10 syllables per line, unstressed/stressed). The conventional structural turn (volta) falls at the couplet (line 13, the characteristic 12+2 division) — though Sonnet 18 famously turns earlier, at line 9.

  2. Step 2 — Track the comparison

    Q1 sets up the simile ("Shall I compare thee ..."); Q2 reverses it — summer is too short, too rough, too fickle. The beloved exceeds the metaphor: "thou art more lovely and more temperate".

  3. Step 3 — Locate the volta

    Line 9 ("But thy eternal summer shall not fade") marks the turn from contrasting summer with the beloved to claiming poetic immortality. The speaker shifts from natural simile to literary boast.

  4. Step 4 — Read the couplet

    The couplet performs the central claim: "So long as men can breathe or eyes can see, / So long lives this, and this gives life to thee." The poem itself ("this") becomes the technology that immortalises the beloved.

  5. Step 5 — Interpret the meta-poetic move

    Sonnet 18 is, beneath its love-poem surface, a poem about the durability of art. The beloved is loved, but it is the sonnet that endures, and through it, the addressee. The argument is a humanist triumph of writing over time.

Ergebnis: Sonnet 18 stages a self-confident meta-poetic argument: the iambic-pentameter sonnet is the very mechanism by which the beloved escapes the entropy of natures summer and survives "so long as men can breathe or eyes can see".

Abiturfokus

  • Bestimmen Sie zuerst Form und Reimschema, dann die VOLTA — sie trägt die Deutung.
  • Unterscheiden Sie englisches und italienisches Sonett und deuten Sie die Wirkung des Couplets.
  • Trennen Sie lyrisches Ich und Autor ausdrücklich.
  • Deuten Sie Sonett 18 über die Unsterblichkeit IM VERS, nicht über die Schönheit allein.
  • Lesen Sie Sonett 130 als Auseinandersetzung mit der Konvention der Liebesdichtung.

Typische Fehler

  • Das lyrische Ich mit Shakespeare gleichgesetzt.
  • Die Volta nicht bestimmt und das Gedicht linear paraphrasiert.
  • Englisches und italienisches Sonett verwechselt.
  • Sonett 130 als Beleidigung der Geliebten gelesen.
  • Das Couplet als bloßen Abschluss statt als Pointe behandelt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Vergleichen Sie Sonett 18 und Sonett 130 in ihrem Umgang mit der Konvention des Liebesgedichts und beurteilen Sie, welches der beiden das stärkere Argument über die Leistungsfähigkeit der Dichtung enthält.

§ 06

Aktive Wiederholung

Analyse a Shakespearean sonnet: determine the rhyme scheme, locate the volta and explain how the final couplet resolves or reverses the argument developed in the quatrains.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.3 (Kultusministerkonferenz)

§ 07
§ 07

Adaptations — Shakespeare on stage, screen and in contemporary contexts#

~3 Min Lesezeit●●●VertiefungLPtext-media-competenceLPintercultural-competence

Adapting Shakespeare — what changes and why

Adapting Shakespeare — what changes and whyTabelle mit 3 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Type of adaptation · What it does · What to ask about it; Faithful staging · Original text, period setting · Which lines are cut — and what disappears with them?; Modern-dress production · Original text, present-day setting · Which contemporary conflict is the play made to speak to?; Screen adaptation · Text reduced, images added · What does the camera decide that the stage left open?; Appropriation · New work using the plot · Which character is given the voice the original denied?; Translation · Another language, another verse tradition · What is lost when the pentameter goes?; Global Shakespeare · Productions outside the anglophone world · Whose canon is being claimed?Type of adaptationWhat it doesWhat to ask about itFaithful stagingOriginal text, periodsettingWhich lines are cut — andwhat disappears with them?Modern-dress productionOriginal text, present-daysettingWhich contemporary conflictis the play made to speakto?Screen adaptationText reduced, images addedWhat does the camera decidethat the stage left open?AppropriationNew work using the plotWhich character is given thevoice the original denied?TranslationAnother language, anotherverse traditionWhat is lost when thepentameter goes?Global ShakespeareProductions outside theanglophone worldWhose canon is beingclaimed?
Abb. 8Jede Bearbeitung ist eine Interpretation. Die dritte Spalte ist die eigentliche Analysefrage.

Kernpunkte

Ein Dramentext ist keine abgeschlossene Fassung, sondern eine Aufführungsvorlage — jede Inszenierung ist bereits eine Deutung. Diese Einsicht ist der Ausgangspunkt des Abschnitts: Nicht die Adaption weicht vom Original ab, sondern jede Realisierung, einschließlich der ersten, trifft Entscheidungen, die der Text offenlässt.
Adaptionen unterscheiden sich in ihrem Verhältnis zur Vorlage. Die WERKTREUE Inszenierung behält Sprache und Zeit bei; die VERLEGUNG behält den Text und verschiebt den Rahmen (Luhrmanns Romeo + Juliet im Miami der Neunziger); die freie Bearbeitung übernimmt Handlung oder Konstellation und ersetzt die Sprache (10 Things I Hate About You nach The Taming of the Shrew).
Bei Verfilmungen kommen die Mittel des Films hinzu, und sie übernehmen Aufgaben, die auf der Globe-Bühne die Sprache trug. Kameraeinstellung, Schnitt, Musik und Beleuchtung erzeugen jetzt, was Figuren früher beschreiben mussten — eine Nahaufnahme kann ein Soliloquium ersetzen oder es umgekehrt erst zum inneren Monolog machen.
Besonders ergiebig sind Adaptionen, die die Perspektive verschieben. Tom Stoppards Rosencrantz and Guildenstern Are Dead erzählt Hamlet aus der Sicht zweier Randfiguren, die nicht verstehen, was um sie geschieht — das Verfahren des „writing back", hier auf den Kanon selbst angewandt.
Jede Inszenierung entscheidet über BESETZUNG und Auslassung, und beides ist Deutung: Wer Shylock, Othello oder Caliban spielt, welche Passagen gestrichen werden, wie viel Gewalt gezeigt wird. Gerade die Streichungen sind aufschlussreich, weil sie zeigen, was eine Zeit für unspielbar hält.
Für die Bewertung ist der tragfähigste Maßstab nicht die Treue zum Text, sondern die STIMMIGKEIT: Trägt die Deutung durch das ganze Stück, und lässt sie sich am Text begründen? Eine Verlegung in die Gegenwart kann näher am Stück sein als eine museale Aufführung — diese Formulierung ist die reifste Antwort auf die häufige Aufgabe „assess this adaptation".

Vokabeln

→ Kartei
  • the adaptationdie Bearbeitung, die Adaption
  • the stagingdie Inszenierung
  • to relocatein einen anderen Rahmen verlegen
  • the castingdie Besetzungselbst eine Deutungsentscheidung
  • to cut a passageeine Passage streichen
  • faithful to the textwerktreukein hinreichendes Qualitätskriterium
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Abiturfokus

  • Behandeln Sie jede Inszenierung als DEUTUNG, nicht als Abweichung von einem Original.
  • Unterscheiden Sie werktreue Inszenierung, Verlegung und freie Bearbeitung.
  • Benennen Sie bei Verfilmungen, welche Aufgabe die Filmmittel von der Sprache übernehmen.
  • Werten Sie Besetzung und STREICHUNGEN als Deutungsentscheidungen.
  • Bewerten Sie Adaptionen nach Stimmigkeit und Textbegründbarkeit, nicht nach Werktreue.

Typische Fehler

  • Werktreue als Qualitätsmaßstab gesetzt.
  • Den gedruckten Text als die eine gültige Fassung behandelt.
  • Filmische Mittel beschrieben, ohne ihre Deutungsfunktion zu benennen.
  • Streichungen als bloße Kürzungen übergangen.
  • Die Adaption nacherzählt statt sie mit der Vorlage zu vergleichen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Untersuchen Sie eine Adaption, die die Perspektive verschiebt (etwa Rosencrantz and Guildenstern Are Dead), und beurteilen Sie, was der Perspektivwechsel an der Vorlage sichtbar macht, das die ursprüngliche Anlage verdeckt.

§ 07

Aktive Wiederholung

Compare a scene from a Shakespeare play with its treatment in a film adaptation. Examine which decisions the adaptation makes about setting, casting and cuts, and assess how consistently its interpretation is carried through.

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Quellen: Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.3 (Kultusministerkonferenz) · Shakespeare's Globe — Adaptation and performance history (Shakespeare's Globe)

Stand 06/2026 · Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker

Inhalt

Abschnitt -- / 07

    • 01Elizabethan and Jacobean stage — historischer und institutioneller Kontext◐
    • 02Language and verse — Blank verse, prose, rhyme●
    • 03Hamlet — Rache, Zögern, Sprache und Theatralität●
    • 04Macbeth — Macht, Schuld und Sprache der Störung◐
    • 05The Tempest — Kolonialismus, Magie, Vergebung●
    • 06Shakespeare's sonnets — fair youth, dark lady, time and art●
    • 07Adaptations — Shakespeare on stage, screen and in contemporary contexts●

0/7 Gelesen

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Shakespeare and Elizabethan Drama

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Belege & Quellen

Quellen

Kultusministerkonferenz

  • Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (2012), Kap. 2.3

Shakespeare's Globe

  • Shakespeare's Globe — About the Globe Theatre
  • Shakespeare's Globe — Adaptation and performance history

Royal Shakespeare Company

  • Royal Shakespeare Company — Shakespeare Learning Zone: language
  • Royal Shakespeare Company — Hamlet learning resources
  • Royal Shakespeare Company — Macbeth learning resources

Siehe auch

  • Text- und Medienkompetenz — Methoden der TextanalyseDramenanalyse und Stilmittel — das methodische Werkzeug für dieses Themenfeld.
  • Globalisation, Migration und PostcolonialismDie postkoloniale Lesart des *Tempest* setzt die Begriffe von dort voraus.
  • Britain and the European ContextShakespeare als Bestandteil der britischen Selbsterzählung und ihres kulturellen Exports.

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