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Bis hierher ging es darum, Wahrscheinlichkeiten aus bekannten Modellen zu berechnen. Die beurteilende Statistik dreht die Richtung um: Aus einer Stichprobe wird auf die unbekannte Wirklichkeit geschlossen. Damit betritt die Mathematik das Feld der Entscheidungen unter Unsicherheit — und die eigentliche Leistung besteht nicht im Rechnen, sondern darin, die Aussagekraft des Ergebnisses richtig zu benennen. Die KMK führt beides unter Leitidee L5 im erhöhten Anforderungsniveau.
6 Abschnitte~21 Min Lesezeit4 KompetenzenStand 05/2026
grundlegendes Niveau
gA: in einfachen Fällen aufgrund von Stichproben auf die Gesamtheit schließen; Sigma-Umgebungen nutzen und die Aussage einer Stichprobe im Sachkontext deuten.
erhöhtes Niveau
eA: für binomialverteilte Zufallsgrößen Aussagen über die unbekannte Wahrscheinlichkeit sowie deren Unsicherheit und Genauigkeit begründen (B1); Hypothesentests interpretieren und die Unsicherheit und Genauigkeit der Ergebnisse begründen (B2).
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6 Abschnitte30 Merksätze5 Formeln30 Fehlerwarnungen
Binomialverteilung — Stabdiagramm B(n=10; p=0,3)
Vokabeln
→ KarteiNormalapproximation der Testgröße (z-Standardisierung)
Für wird die Binomialtestgröße standardisiert; der kritische Wert ergibt sich aus dem Quantil der Standardnormalverteilung.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Begründen Sie mit , wie stark der Stichprobenumfang wachsen muss, um die relative Streuung zu halbieren. Diskutieren Sie, was daraus für die Planung von Umfragen folgt.
Aktive Wiederholung
Ein Würfel wird -mal geworfen; betrachtet wird die Anzahl der Sechsen. Berechnen Sie und , prüfen Sie die Laplace-Bedingung und geben Sie die -Umgebung mit der zugehörigen Wahrscheinlichkeit an. Beurteilen Sie, ob 68 Sechsen noch als unauffällig gelten können.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Mathematik für die Allgemeine Hochschulreife (2012), Leitidee L5 (Kultusministerkonferenz)
Hypothesentest — Annahme- und Ablehnungsbereich
Vokabeln
→ KarteiKritische Werte beim einseitigen Hypothesentest
Ein Hersteller behauptet, dass mindestens 80 % seiner Produkte fehlerfrei sind. In einer Stichprobe von 100 Produkten finden sich 72 fehlerfrei. Testen Sie auf dem Niveau linksseitig.
(Herstellerbehauptung); .
Unter : mit , .
Suche das größte mit . Per Tabelle/GTR: liefert .
Beobachtet: , also wird abgelehnt — Behauptung ist auf 5 %-Niveau widerlegt.
Ergebnis: Auf Signifikanzniveau ist die Herstellerbehauptung statistisch nicht haltbar.
Eine Münze wird -mal geworfen und zeigt -mal Kopf. Prüfen Sie zweiseitig auf , ob die Münze fair ist ().
(fair) gegen . Der Ablehnungsbereich liegt an beiden Rändern mit je .
Unter : , , .
Gesucht sind die Grenzen mit Randwahrscheinlichkeit je . Per Tabelle/GTR: und , während . Annahmebereich ist also , Ablehnung bei oder .
Beobachtet: liegt im rechten Ablehnungsbereich; wird verworfen — die Münze gilt auf 5 %-Niveau als nicht fair. (Die -Faustregel liefert eine gute, aber etwas engere Näherung.)
Ergebnis: Bei wird im zweiseitigen Test auf abgelehnt; die Münze ist statistisch auffällig kopflastig.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Untersuchen Sie, wie sich der Ablehnungsbereich desselben Tests ändert, wenn von auf gesenkt wird, und begründen Sie, warum der Test dadurch „vorsichtiger" wird. Erläutern Sie, welcher Fehler dabei zunimmt.
Aktive Wiederholung
Ein Hersteller behauptet, höchstens seiner Bauteile seien fehlerhaft. In einer Stichprobe von finden sich 16 fehlerhafte. Formulieren Sie Null- und Gegenhypothese, bestimmen Sie den Ablehnungsbereich auf dem Niveau und entscheiden Sie begründet.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsstandards im Fach Mathematik für die Allgemeine Hochschulreife (2012), Leitidee L5 (B2) (Kultusministerkonferenz)
Fehler erster und zweiter Art
Vokabeln
→ KarteiFehler 2. Art und Gütefunktion
Der Fehler 2. Art hängt vom tatsächlichen Parameter ab; die Gütefunktion misst die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Nullhypothese korrekt abzulehnen.
Ein rechtsseitiger Test mit , lehnt ab, falls . Bestimmen Sie die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 2. Art, wenn in Wahrheit gilt.
Der Annahmebereich von ist , also .
Ein Fehler 2. Art liegt vor, wenn angenommen wird (), obwohl tatsächlich gilt: .
Unter ist mit . Per GTR/Tabelle: .
Die Güte (Trennschärfe) ist : der Test erkennt die Abweichung mit rund 86 % Wahrscheinlichkeit.
Ergebnis: Fehler 2. Art ; die Gütefunktion liefert hier eine Trennschärfe von rund 86 %.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Untersuchen Sie, wie sich ändert, wenn der tatsächliche Wert näher an den Wert der Nullhypothese rückt, und begründen Sie, warum kleine Abweichungen grundsätzlich schwer nachweisbar sind. Leiten Sie daraus ab, wie der Stichprobenumfang zu wählen ist, wenn ein Effekt bestimmter Größe sicher entdeckt werden soll.
Aktive Wiederholung
Ein Test prüft gegen bei und . Bestimmen Sie den Ablehnungsbereich und berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit für einen Fehler zweiter Art unter der Annahme, dass in Wahrheit gilt. Deuten Sie beide Fehler im Sachkontext einer Qualitätskontrolle.
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Quellen: Bildungsstandards im Fach Mathematik für die Allgemeine Hochschulreife (2012), Leitidee L5 (B2) (Kultusministerkonferenz)
Konfidenzintervalle — mehrere Stichproben
Vokabeln
→ KarteiApproximatives (1-α)-Konfidenzintervall für p
In einer Umfrage stimmen 360 von 600 Befragten einer These zu. Berechnen Sie ein 95 %-Konfidenzintervall für den wahren Anteil und interpretieren Sie das Ergebnis.
Relative Häufigkeit .
.
Mit : .
Die Schätzmethode liefert in 95 % der Stichproben ein Intervall, das den wahren Anteil enthält; hier liegt vermutlich zwischen rund 56 % und 64 %.
Ergebnis: Das 95 %-Konfidenzintervall ist etwa — der wahre Zustimmungsanteil liegt mit hoher Sicherheit zwischen 56 % und 64 %.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Bestimmen Sie, wie groß die Stichprobe mindestens sein muss, damit das -Konfidenzintervall höchstens Prozentpunkt breit ist (ungünstigster Fall ). Beurteilen Sie das Ergebnis im Hinblick auf die Kosten realer Meinungsumfragen.
Aktive Wiederholung
In einer Umfrage unter Personen geben 310 an, Partei A zu wählen. Bestimmen Sie ein -Konfidenzintervall für den wahren Wähleranteil, prüfen Sie die Näherungsbedingungen und formulieren Sie die Deutung sprachlich korrekt.
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Quellen: Bildungsstandards im Fach Mathematik für die Allgemeine Hochschulreife (2012), Leitidee L5 (B1) (Kultusministerkonferenz)
Normalverteilung — Sigma-Regeln
Vokabeln
→ KarteiStandardisierung der Normalverteilung und 1σ-Regel
Interaktive Grafik lädt…
In Stichproben tritt ein Merkmal -mal auf. Testen Sie rechtsseitig auf die Hypothese mithilfe der Normalapproximation.
— die Normalapproximation ist zulässig.
Unter am Rand : , .
Testgröße . Kritischer Wert beim rechtsseitigen Test: .
Da liegt der Wert knapp im Annahmebereich; kann auf 5 %-Niveau nicht verworfen werden.
Ergebnis: Mit wird nicht abgelehnt — der beobachtete Anteil von 44 % reicht knapp nicht für Signifikanz.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie den zentralen Grenzwertsatz an einem selbst gewählten Beispiel und begründen Sie damit, warum die Glockenform in Natur und Technik so häufig auftritt. Diskutieren Sie mindestens eine Situation, in der die Normalverteilung als Modell NICHT angemessen ist.
Aktive Wiederholung
Eine Maschine produziert mit Ausschussanteil ; es werden Teile gefertigt. Prüfen Sie die Laplace-Bedingung und berechnen Sie mit der Normalapproximation und Stetigkeitskorrektur die Wahrscheinlichkeit, höchstens 35 Ausschussteile zu erhalten.
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Quellen: Bildungsstandards im Fach Mathematik für die Allgemeine Hochschulreife (2012), Leitidee L5 (Kultusministerkonferenz)
Statistische Erhebungen — Qualität der Daten
Vokabeln
→ KarteiTypische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Entwerfen Sie eine Erhebung zur Mediennutzung an Ihrer Schule. Legen Sie Grundgesamtheit, Auswahlverfahren und Stichprobenumfang fest, formulieren Sie drei neutrale Fragen und geben Sie an, mit welcher Fehlerspanne Sie bei Ihrem Umfang rechnen müssen.
Aktive Wiederholung
Eine Schülerzeitung befragt online 200 Leserinnen und Leser zur Zufriedenheit mit dem Schulessen; 78 % antworten „unzufrieden". Beurteilen Sie die Aussagekraft dieser Erhebung und nennen Sie drei konkrete Verbesserungen des Erhebungsverfahrens.
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Quellen: Bildungsstandards im Fach Mathematik für die Allgemeine Hochschulreife (2012), Leitidee L5 (Kultusministerkonferenz) · Statistisches Bundesamt — Qualität amtlicher Statistiken und Stichprobenverfahren (Statistisches Bundesamt)
Stand 05/2026Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker
Belege & Quellen
Kultusministerkonferenz
Statistisches Bundesamt
Siehe auch