EuraStudy
Notizen/Physik/Quanten- und Atomphysik
DE · Abitur

Quanten- und Atomphysik

Hier bricht die klassische Physik. Licht verhält sich am Doppelspalt wie eine Welle und am Photoeffekt wie ein Strom von Teilchen; Elektronen tun beides ebenfalls. Die Quantenphysik löst diesen Widerspruch nicht durch eine Entscheidung, sondern durch einen neuen Objektbegriff — und liefert zugleich die Erklärung für diskrete Spektren und den Aufbau der Atome. „Quantenphysik und Materie" ist der dritte der drei KMK-Inhaltsbereiche, aus denen die Abiturprüfung schöpft.

6 Abschnitte·~25 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Stand 05/2026

T·0888 / 10
Prüfungsprofil
S 2 · Gültigkeitsbereiche von Modellen und Theorien erläutern und deren Aussagemöglichkeiten beschreibenE 8 · Die Eignung physikalischer Modelle und Theorien für die Lösung von Problemen beurteilenE 9 · Die Relevanz von Modellen, Theorien, Hypothesen und Experimenten für die Erkenntnisgewinnung reflektierenK 4 · Unter Verwendung der Fachsprache chronologisch und kausal korrekt strukturiert formulieren
Operatoren:beschreibenberechnenerläuternbegründenbeurteileninterpretieren

grundlegendes Niveau

gA: grundlegende Aspekte der Quantentheorie (stochastische Vorhersagbarkeit, Interferenz und Superposition, Determiniertheit der Zufallsverteilung, Komplementarität); die Zusammenhänge zwischen Energie, Impuls, Frequenz und Wellenlänge; Emission und Absorption am Energieniveauschema.

erhöhtes Niveau

eA: zusätzlich die stochastische Deutung über das Betragsquadrat der Wellenfunktion (qualitativ), die Ort-Impuls-Unbestimmtheit, die Koinzidenzmethode zum Nachweis einzelner Photonen sowie das Modell des eindimensionalen Potenzialtopfs und seine Grenzen.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard · Zeilenabstand: Kompakt

Medien immer laden: aus

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Quanten- und Atomphysik
    • 01Der Photoeffekt und die Einstein-Gleichung○
    • 02Welle-Teilchen-Dualismus, De-Broglie-Wellenlänge und Unbestimmtheit◐
    • 03Das Bohrsche Atommodell und die Quantenbedingung◐
    • 04Der Franck-Hertz-Versuch — diskrete Energieniveaus direkt gemessen◐
    • 05Vom Bohr-Modell zum Orbitalmodell●
    • 06Compton-Effekt und der Impuls des Photons●

6 Abschnitte · 30 Merksätze · 14 Formeln · 30 Fehlerwarnungen

§ 01
§ 01

Der Photoeffekt und die Einstein-Gleichung#

~4 Min Lesezeit●○○BasisLPKMK 2.6.3LPQuantenobjekte

Kernpunkte

Bestrahlt man eine Metallplatte mit Licht, können Elektronen austreten. Die Wellentheorie sagt dafür drei Dinge voraus, und das Experiment widerlegt alle drei: Es gibt eine scharfe GRENZFREQUENZ, unterhalb derer auch stundenlange Bestrahlung nichts bewirkt; die maximale Energie der Elektronen hängt nur von der FREQUENZ ab, nicht von der Intensität; und der Austritt beginnt ohne messbare Verzögerung. Genau an diesem Befund zerbricht die klassische Beschreibung des Lichts.
Einsteins Deutung von 1905 löst alle drei Widersprüche mit einer einzigen Annahme: Licht überträgt Energie in unteilbaren Portionen E=h fE = h\,fE=hf mit dem Planckschen Wirkungsquantum h=6,626⋅10−34 J sh = 6{,}626\cdot 10^{-34}\,\text{J}\,\text{s}h=6,626⋅10−34Js. Ein Elektron nimmt genau EIN solches Quant auf — daher entscheidet die Frequenz, nicht die angebotene Gesamtenergie, und daher gibt es keine Ansammelzeit.
Ein Teil der Quantenenergie wird gebraucht, um das Elektron überhaupt aus dem Metall zu lösen: die Austrittsarbeit WAW_AWA​, eine Materialkonstante (Cäsium etwa 2,1 eV2{,}1\,\text{eV}2,1eV, Zink etwa 4,3 eV4{,}3\,\text{eV}4,3eV). Der Rest bleibt als kinetische Energie. Das ist die Einstein-Gleichung Ekin,max=h f−WAE_{\text{kin,max}} = h\,f - W_AEkin,max​=hf−WA​ — eine reine Energiebilanz, nichts weiter.
Aus ihr folgt die Grenzfrequenz unmittelbar: Bei h fgrenz=WAh\,f_{\text{grenz}} = W_Ahfgrenz​=WA​ reicht das Quant gerade zum Austritt, darunter geschieht nichts. Für Zink liegt die Grenzwellenlänge bei etwa 286 nm286\,\text{nm}286nm — im Ultravioletten, weshalb sichtbares Licht eine Zinkplatte nicht entlädt, eine UV-Lampe aber sofort.
Gemessen wird die maximale Elektronenenergie mit der GEGENFELDMETHODE: Man legt eine bremsende Spannung an und erhöht sie, bis der Photostrom gerade auf null geht. Dann gilt e Ugrenz=Ekin,maxe\,U_{\text{grenz}} = E_{\text{kin,max}}eUgrenz​=Ekin,max​ — die Gegenspannung übersetzt die gesuchte Energie direkt in eine bequem messbare Spannung.
Trägt man UgrenzU_{\text{grenz}}Ugrenz​ gegen fff auf, ergibt sich eine GERADE (siehe ): Ihre Steigung ist h/eh/eh/e und ihr Achsenabschnitt −WA/e-W_A/e−WA​/e. Damit ist der Versuch zugleich ein Präzisionsverfahren zur Bestimmung des Wirkungsquantums — die Linearisierung eines Messzusammenhangs, wie sie die Erkenntnisgewinnungskompetenz verlangt.

Photoeffekt — Gegenfeldmethode

Photoeffekt — GegenfeldmethodeSchaubild von E_kin = h·f − W_A, Nullstellen bei x = 1.5, y-Achsenabschnitt bei y = -1.5, steigend, im Bereich x von 0 bis 40.511.522.533.54−112fg−WAEkin = h·f − WAEkin,maxf
Abb. 1Einsteins Gleichung: Ekin,max=hf−WAE_{kin,max} = h f - W_AEkin,max​=hf−WA​; lineare Beziehung der maximalen kinetischen Energie zur Lichtfrequenz.
Abb. 1 ↓
Die Intensität des Lichts bestimmt nur die ANZAHL der Quanten und damit die Stromstärke, nie die Energie des einzelnen Elektrons. Diese saubere Trennung — Frequenz steuert die Energie, Intensität die Anzahl — ist der Kern fast jeder Prüfungsaufgabe zu diesem Abschnitt.

Vokabeln

→ Kartei
  • das PhotonEnergiequant des Lichts mit $E = h\,f$
  • die AustrittsarbeitMindestenergie, um ein Elektron aus dem Metall zu lösenMaterialkonstante, meist in eV angegeben
  • die Grenzfrequenzkleinste Frequenz, bei der noch Elektronen austreten
  • die GegenfeldmethodeMessung von $E_{\text{kin,max}}$ über die bremsende Spannung
  • das WirkungsquantumNaturkonstante $h = 6{,}626\cdot 10^{-34}$ J s

Photonenenergie (Planck-Einstein)

Eph=h f=h cλE_{ph} = h\,f = \dfrac{h\,c}{\lambda}Eph​=hf=λhc​

Einstein-Gleichung des Photoeffekts

Ekin,max⁡=h f−WAE_{kin,\max} = h\,f - W_AEkin,max​=hf−WA​

Gegenfeldmethode — Messgleichung

e Ugrenz=Ekin,max=h f−WAe\,U_{\text{grenz}} = E_{\text{kin,max}} = h\,f - W_AeUgrenz​=Ekin,max​=hf−WA​

UgrenzU_{\text{grenz}}Ugrenz​ in V die Gegenspannung, bei der der Photostrom gerade verschwindet; eee die Elementarladung, WAW_AWA​ die Austrittsarbeit in J (oder eV). Aufgetragen gegen fff ergibt sich eine Gerade der Steigung h/eh/eh/e.

Photoeffekt — Ekin,max gegen Frequenz f

Abb. 2Steigung der Geraden entspricht dem Planckschen Wirkungsquantum h; der x-Achsenabschnitt ist die Grenzfrequenz f_g.
Wiedergabe lädt Inhalte von YouTube (Google).Auf YouTube öffnen ↗
Musterlösung

Austrittsarbeit aus Photoeffekt-Messreihe

Bei einer Wellenlänge λ=400 nm\lambda = 400\,\text{nm}λ=400nm wird eine Gegenspannung U0=0,30 VU_0 = 0{,}30\,\text{V}U0​=0,30V gemessen, die den Photostrom gerade auf Null bringt. Bestimme die Austrittsarbeit WAW_AWA​ der Kathode (h=6,626⋅10−34 Jsh = 6{,}626\cdot 10^{-34}\,\text{Js}h=6,626⋅10−34Js, c=3,00⋅108 m/sc = 3{,}00\cdot 10^{8}\,\text{m/s}c=3,00⋅108m/s, e=1,602⋅10−19 Ce = 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\text{C}e=1,602⋅10−19C).

  1. Schritt 1 — Photonenenergie berechnen

    Eph=hc/λ=(6,626⋅10−34⋅3,00⋅108)/(4,00⋅10−7)≈4,97⋅10−19 J≈3,10 eVE_{ph} = h c/\lambda = (6{,}626\cdot 10^{-34} \cdot 3{,}00\cdot 10^{8}) / (4{,}00\cdot 10^{-7}) \approx 4{,}97\cdot 10^{-19}\,\text{J} \approx 3{,}10\,\text{eV}Eph​=hc/λ=(6,626⋅10−34⋅3,00⋅108)/(4,00⋅10−7)≈4,97⋅10−19J≈3,10eV.

    Eph=hcλE_{ph} = \dfrac{h c}{\lambda}Eph​=λhc​
  2. Schritt 2 — Maximale kinetische Energie

    Die Gegenspannung gibt Ekin,max⁡=e U0=0,30 eVE_{kin,\max} = e\,U_0 = 0{,}30\,\text{eV}Ekin,max​=eU0​=0,30eV.

  3. Schritt 3 — Austrittsarbeit

    WA=Eph−Ekin,max⁡=3,10−0,30=2,80 eV≈4,49⋅10−19 JW_A = E_{ph} - E_{kin,\max} = 3{,}10 - 0{,}30 = 2{,}80\,\text{eV} \approx 4{,}49\cdot 10^{-19}\,\text{J}WA​=Eph​−Ekin,max​=3,10−0,30=2,80eV≈4,49⋅10−19J.

    WA=hf−e U0W_A = h f - e\,U_0WA​=hf−eU0​
  4. Schritt 4 — Interpretieren

    Wert liegt im Bereich typischer Alkalimetalle (Na: 2,28 eV2{,}28\,\text{eV}2,28eV, K: 2,30 eV2{,}30\,\text{eV}2,30eV, Cs: 2,14 eV2{,}14\,\text{eV}2,14eV); deutet auf eine Cäsium- oder Kalium-Kathode hin.

Ergebnis: WA≈2,80 eVW_A \approx 2{,}80\,\text{eV}WA​≈2,80eV.

Abiturfokus

  • Trennen Sie in jeder Antwort ausdrücklich: Die FREQUENZ bestimmt die Energie je Elektron, die INTENSITÄT nur deren Anzahl. Diese Unterscheidung ist der am häufigsten bepunktete Satz des Abschnitts.
  • „Berechnen" Sie mit der handlichen Konstante h c=1240 eV nmh\,c = 1240\,\text{eV}\,\text{nm}hc=1240eVnm: Damit wird aus einer Wellenlänge in nm ohne Umrechnung eine Energie in eV.
  • „Erläutern" Sie die Gegenfeldmethode als MESSVERFAHREN — die Gegenspannung beim Verschwinden des Stroms misst Ekin,maxE_{\text{kin,max}}Ekin,max​ direkt.
  • „Interpretieren" Sie das Ugrenz(f)U_{\text{grenz}}(f)Ugrenz​(f)-Diagramm quantitativ: Steigung h/eh/eh/e, Achsenabschnitt −WA/e-W_A/e−WA​/e, Nullstelle bei der Grenzfrequenz.
  • „Begründen" Sie, warum die Wellentheorie versagt, mit allen drei Befunden (Grenzfrequenz, Intensitätsunabhängigkeit der Energie, fehlende Verzögerung) — ein einzelner genügt der Aufgabenstellung meist nicht.

Typische Fehler

  • Angenommen, hellere Beleuchtung erhöhe die Elektronenenergie. Sie erhöht nur die Stromstärke.
  • Die Austrittsarbeit vergessen und Ekin=h fE_{\text{kin}} = h\,fEkin​=hf gerechnet. Der Term −WA-W_A−WA​ ist der ganze physikalische Gehalt der Gleichung.
  • Energieeinheiten vermischt: WAW_AWA​ in eV und h fh\,fhf in Joule addiert, ohne umzurechnen.
  • Die Steigung der Gegenspannungsgeraden als hhh statt als h/eh/eh/e gedeutet. Aufgetragen ist eine SPANNUNG, keine Energie.
  • Behauptet, unterhalb der Grenzfrequenz träten „nur weniger" Elektronen aus. Es treten GAR KEINE aus, unabhängig von Intensität und Dauer.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie, wie sich mit der Koinzidenzmethode nachweisen lässt, dass ein einzelnes Photon an einem Strahlteiler NICHT geteilt wird, sondern immer nur einen der beiden Detektoren auslöst. Diskutieren Sie, warum dieser Befund die Teilchenvorstellung stützt, ohne die Interferenzfähigkeit desselben Lichts aufzuheben.

§ 01

Aktive Wiederholung

Eine Zinkplatte (WA=4,34 eVW_A = 4{,}34\,\text{eV}WA​=4,34eV) wird mit der Quecksilberlinie λ=254 nm\lambda = 254\,\text{nm}λ=254nm bestrahlt. Berechnen Sie die Photonenenergie, die maximale kinetische Energie der Elektronen und die zugehörige Gegenspannung. Bestimmen Sie außerdem die Grenzwellenlänge und beurteilen Sie, ob sichtbares Licht den Effekt auslösen kann.

Passende Aufgaben üben70 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: LEIFIphysik — Äußerer lichtelektrischer Effekt (Photoeffekt) (Joachim Herz Stiftung) · Bildungsstandards im Fach Physik für die Allgemeine Hochschulreife (2020), Kap. 2.6.3 (Kultusministerkonferenz)

§ 02
§ 02

Welle-Teilchen-Dualismus, De-Broglie-Wellenlänge und Unbestimmtheit#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPKMK 2.6.3LPQuantenobjekte

Welle-Teilchen-Dualismus — die Beweislage

Welle-Teilchen-Dualismus — die BeweislageTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Experiment · Beobachtung · Was es belegt; Doppelspalt mit Licht · Interferenzmuster · Wellencharakter des Lichts; Fotoeffekt · Elektronenenergie hängt von f ab, nicht von der Intensität · Teilchencharakter des Lichts (Photon); Compton-Effekt · Wellenlängenänderung bei Streuung · Photonen tragen Impuls p = h/λ; Elektronenbeugung · Interferenzringe hinter Graphitfolie · Wellencharakter von Materie (de Broglie); Doppelspalt mit einzelnen Elektronen · Muster entsteht Treffer für Treffer · Interferenz auch bei einzelnen Teilchen; Mit Wegmessung · Interferenzmuster verschwindet · Komplementarität — Weg ODER Interferenz; de-Broglie-Wellenlänge · λ = h/p · Die Brücke zwischen beiden BeschreibungenExperimentBeobachtungWas es belegtDoppelspalt mit LichtInterferenzmusterWellencharakter des LichtsFotoeffektElektronenenergie hängt vonf ab, nicht von derIntensitätTeilchencharakter des Lichts(Photon)Compton-EffektWellenlängenänderung beiStreuungPhotonen tragen Impuls p = h/λElektronenbeugungInterferenzringe hinterGraphitfolieWellencharakter von Materie(de Broglie)Doppelspalt mit einzelnenElektronenMuster entsteht Treffer fürTrefferInterferenz auch beieinzelnen TeilchenMit WegmessungInterferenzmusterverschwindetKomplementarität — Weg ODERInterferenzde-Broglie-Wellenlängeλ = h/pDie Brücke zwischen beidenBeschreibungen
Abb. 3Kein Experiment zeigt beides zugleich. Die Aufgabe verlangt daher, für JEDEN Versuch anzugeben, WELCHE Eigenschaft er belegt.

Kernpunkte

Licht zeigt am Doppelspalt Interferenz und am Photoeffekt Quantelung. De Broglie stellte 1924 die kühne Umkehrfrage: Wenn Wellen Teilcheneigenschaften haben, sollten dann nicht auch Teilchen Welleneigenschaften zeigen? Er ordnete jedem Objekt mit dem Impuls ppp die Wellenlänge λ=h/p\lambda = h/pλ=h/p zu — eine Hypothese, die drei Jahre später durch Elektronenbeugung an Kristallen bestätigt wurde.
Für ein nichtrelativistisch beschleunigtes Elektron folgt aus p=2mEkinp = \sqrt{2 m E_{\text{kin}}}p=2mEkin​​ und Ekin=e UE_{\text{kin}} = e\,UEkin​=eU die praktische Form λ=h/2meeU\lambda = h/\sqrt{2 m_e e U}λ=h/2me​eU​. Bei U=100 VU = 100\,\text{V}U=100V ergibt das rund 123 pm123\,\text{pm}123pm — genau die Größenordnung atomarer Abstände in einem Kristallgitter. Deshalb funktioniert der Kristall als Beugungsgitter für Elektronen, und deshalb erreicht ein Elektronenmikroskop eine weit bessere Auflösung als ein Lichtmikroskop.
Warum sehen wir an Alltagsobjekten nichts davon? Weil hhh winzig ist: Ein Fußball von 400 g400\,\text{g}400g bei 10 m/s10\,\text{m/s}10m/s hat λ≈1,7⋅10−34 m\lambda \approx 1{,}7\cdot 10^{-34}\,\text{m}λ≈1,7⋅10−34m — um viele Zehnerpotenzen kleiner als jede denkbare Öffnung. Die Quantennatur ist nicht abgeschaltet, sie ist nur unbeobachtbar.
Entscheidend für das Verständnis ist, dass ein Quantenobjekt WEDER eine klassische Welle NOCH ein klassisches Teilchen ist. Es ist ein eigenständiger Objekttyp, der je nach Versuchsanordnung die eine oder die andere Eigenschaft zeigt — aber niemals beide zugleich. Diese Komplementarität ist keine Verlegenheitsauskunft, sondern eine Aussage über die Natur der Objekte.
Das Doppelspaltexperiment mit EINZELNEN Elektronen macht das greifbar: Jedes Elektron erzeugt genau EINEN punktförmigen Einschlag — insofern verhält es sich wie ein Teilchen. Der Ort des einzelnen Einschlags ist nicht vorhersagbar; erst nach vielen tausend Elektronen entsteht das Interferenzmuster. Die Zufallsverteilung selbst ist also streng determiniert, das Einzelereignis nicht. Genau diese Paarung benennt das KMK-Basiskonzept „Zufall und Determiniertheit".
Misst man, durch welchen Spalt das Elektron geht, verschwindet das Interferenzmuster augenblicklich. Die Weginformation und die Interferenzfähigkeit schließen einander aus — das ist Komplementarität in ihrer schärfsten Form und der Kern jeder Prüfungsaufgabe zum Doppelspalt mit Quantenobjekten.
Quantitativ fasst die Heisenbergsche Unbestimmtheitsrelation Δx⋅Δp≥h/(4π)\Delta x\cdot\Delta p \geq h/(4\pi)Δx⋅Δp≥h/(4π) diese Grenze. Sie ist KEINE Aussage über unvollkommene Messgeräte, sondern über die Objekte selbst: Ein Zustand, in dem Ort und Impuls beide beliebig scharf wären, existiert nicht.

Vokabeln

→ Kartei
  • die Materiewelleeinem Teilchen zugeordnete Welle mit $\lambda = h/p$
  • die KomplementaritätWellen- und Teilcheneigenschaften schließen einander im selben Versuch aus
  • die Unbestimmtheitsrelationprinzipielle Grenze $\Delta x\,\Delta p \geq h/4\pi$
  • die WeginformationKenntnis des durchlaufenen Spaltsihre Messung zerstört das Interferenzmuster
  • die SuperpositionÜberlagerung von Zuständen bzw. Wellenfunktionen

De-Broglie-Materiewellenlänge

λdB=hp=hm v\lambda_{dB} = \dfrac{h}{p} = \dfrac{h}{m\,v}λdB​=ph​=mvh​

De-Broglie-Wellenlänge eines beschleunigten Elektrons

λ=hp=h2 me e U\lambda = \dfrac{h}{p} = \dfrac{h}{\sqrt{2\,m_e\,e\,U}}λ=ph​=2me​eU​h​

λ\lambdaλ in m, hhh das Wirkungsquantum in J s, ppp der Impuls in kg m/s, mem_eme​ die Elektronenmasse in kg, UUU die Beschleunigungsspannung in V. Gilt nichtrelativistisch, also bis einige keV.

Heisenbergsche Unbestimmtheitsrelation

Δx⋅Δp≥h4π\Delta x\cdot\Delta p \geq \dfrac{h}{4\pi}Δx⋅Δp≥4πh​

Δx\Delta xΔx die Ortsunbestimmtheit in m, Δp\Delta pΔp die Impulsunbestimmtheit in kg m/s. Eine Eigenschaft des Zustands, keine Aussage über Messgeräte.

Wiedergabe lädt Inhalte von YouTube (Google).Auf YouTube öffnen ↗
Wiedergabe lädt Inhalte von YouTube (Google).Auf YouTube öffnen ↗
Musterlösung

De-Broglie-Wellenlänge eines beschleunigten Elektrons

Ein Elektron wird aus der Ruhe durch U=100 VU = 100\,\text{V}U=100V beschleunigt. Berechnen Sie seine De-Broglie-Wellenlänge und vergleichen Sie sie mit einem Netzebenenabstand von etwa 200 pm200\,\text{pm}200pm.

  1. 01Kinetische Energie bestimmen

    Die Beschleunigungsarbeit erscheint vollständig als kinetische Energie: Ekin=e U=100 eV=1,602⋅10−17 JE_{\text{kin}} = e\,U = 100\,\text{eV} = 1{,}602\cdot 10^{-17}\,\text{J}Ekin​=eU=100eV=1,602⋅10−17J.

  2. 02Impuls berechnen

    Nichtrelativistisch gilt Ekin=p2/(2me)E_{\text{kin}} = p^2/(2m_e)Ekin​=p2/(2me​), also p=2meEkin=2⋅9,109⋅10−31⋅1,602⋅10−17≈5,40⋅10−24 kg m/sp = \sqrt{2 m_e E_{\text{kin}}} = \sqrt{2\cdot 9{,}109\cdot 10^{-31}\cdot 1{,}602\cdot 10^{-17}} \approx 5{,}40\cdot 10^{-24}\,\text{kg}\,\text{m/s}p=2me​Ekin​​=2⋅9,109⋅10−31⋅1,602⋅10−17​≈5,40⋅10−24kgm/s.

    p=2 me Ekinp = \sqrt{2\,m_e\,E_{\text{kin}}}p=2me​Ekin​​
  3. 03Wellenlänge auswerten

    λ=h/p=6,626⋅10−34/5,40⋅10−24≈1,23⋅10−10 m=123 pm\lambda = h/p = 6{,}626\cdot 10^{-34} / 5{,}40\cdot 10^{-24} \approx 1{,}23\cdot 10^{-10}\,\text{m} = 123\,\text{pm}λ=h/p=6,626⋅10−34/5,40⋅10−24≈1,23⋅10−10m=123pm.

  4. 04Ergebnis vergleichen

    Mit 123 pm123\,\text{pm}123pm liegt die Wellenlänge in derselben Größenordnung wie der Netzebenenabstand von 200 pm200\,\text{pm}200pm — Beugung ist also beobachtbar, denn ein Gitter beugt nur, wenn Wellenlänge und Gitterkonstante vergleichbar sind. Zur Kontrolle: v/c≈0,02v/c \approx 0{,}02v/c≈0,02, die nichtrelativistische Rechnung ist zulässig.

Ergebnis: λ≈123 pm\lambda \approx 123\,\text{pm}λ≈123pm — vergleichbar mit atomaren Abständen, weshalb Kristalle als Beugungsgitter für Elektronen wirken.

Abiturfokus

  • „Berechnen" Sie De-Broglie-Wellenlängen über den Impuls, nicht über die Geschwindigkeit allein: erst p=2mEkinp = \sqrt{2mE_{\text{kin}}}p=2mEkin​​, dann λ=h/p\lambda = h/pλ=h/p.
  • „Begründen" Sie, warum Alltagsobjekte keine Beugung zeigen, mit einer RECHNUNG zur Größenordnung — die Behauptung allein genügt nicht.
  • „Erläutern" Sie das Einzelelektronen-Doppelspaltexperiment in der richtigen Reihenfolge: einzelner punktförmiger Einschlag, unvorhersagbarer Ort, Muster erst in der Statistik.
  • „Beurteilen" Sie die Unbestimmtheitsrelation als Eigenschaft der Objekte, ausdrücklich NICHT als Messgerätefehler — diese Abgrenzung wird regelmäßig verlangt.
  • Nennen Sie bei „Komplementarität" immer ein konkretes Beispiel: Weginformation ODER Interferenz, nie beides.

Typische Fehler

  • Die De-Broglie-Wellenlänge mit λ=h/(mv)\lambda = h/(m v)λ=h/(mv) auch für relativistische Teilchen berechnet; dann ist p=γmvp = \gamma m vp=γmv einzusetzen.
  • Gesagt, das Elektron sei „gleichzeitig Welle und Teilchen". Es ist keines von beiden im klassischen Sinn und zeigt die Eigenschaften nie zugleich.
  • Die Unbestimmtheitsrelation als Störung durch den Messvorgang gedeutet. Sie gilt für den ZUSTAND selbst, auch ohne Messung.
  • Angenommen, beim Einzelelektronen-Doppelspalt entstehe schon beim ersten Elektron ein Streifenmuster. Ein Elektron erzeugt einen Punkt; das Muster ist statistisch.
  • hhh und ℏ=h/(2π)\hbar = h/(2\pi)ℏ=h/(2π) verwechselt — in der Schulform der Relation steht h/(4π)h/(4\pi)h/(4π).

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie qualitativ die stochastische Deutung über das Betragsquadrat der Wellenfunktion: ∣ψ∣2|\psi|^2∣ψ∣2 gibt die Nachweiswahrscheinlichkeitsdichte an. Zeigen Sie daran, wie das Doppelspaltmuster entsteht — die Wellenfunktionen beider Spalte überlagern sich (Superposition), erst das Betragsquadrat der SUMME liefert die beobachtete Verteilung, die von der Summe der Einzelquadrate abweicht.

§ 02

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie die De-Broglie-Wellenlänge eines Elektrons, das durch U=100 VU = 100\,\text{V}U=100V beschleunigt wurde, und vergleichen Sie sie mit dem typischen Netzebenenabstand eines Kristalls (≈200 pm\approx 200\,\text{pm}≈200pm). Begründen Sie damit, warum Elektronenbeugung an Kristallen beobachtbar ist, Beugung eines Fußballs an einer Tür aber nicht.

Passende Aufgaben üben70 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: LEIFIphysik — Quantenobjekt Elektron und Materiewellen (Joachim Herz Stiftung)

§ 03
§ 03

Das Bohrsche Atommodell und die Quantenbedingung#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPKMK 2.6.3LPAtomvorstellungen

Bohrsches Atommodell — Energieniveaus des Wasserstoffs

Bohrsches Atommodell — Energieniveaus des WasserstoffsEnergieniveau-Diagramm, 4 Niveaus, 1 Übergänge, Daten: n=1, n=2, n=3, E=0 (n→∞)E / eVn = 1n = 2n = 3E = 0 (n→∞)Eph = hf
Abb. 4Elektronen besetzen diskrete Bahnen; Übergänge zwischen Niveaus emittieren oder absorbieren Photonen.

Kernpunkte

Rutherfords Streuversuch hatte gezeigt, dass fast die gesamte Masse in einem winzigen positiven Kern sitzt. Das führt aber sofort in eine Katastrophe: Ein klassisch kreisendes Elektron wird ständig beschleunigt, müsste dauernd Energie abstrahlen und in Bruchteilen einer Mikrosekunde in den Kern stürzen. Dass Atome stabil sind, ist klassisch unerklärbar.
Bohr postulierte 1913 den Ausweg: Es gibt ausgezeichnete Bahnen, auf denen das Elektron NICHT strahlt, und Strahlung entsteht ausschließlich beim SPRUNG zwischen ihnen. Beide Aussagen sind Postulate — sie folgen nicht aus der klassischen Physik, sondern werden ihr hinzugefügt, weil das Experiment sie erzwingt. Genau diese Modellhaftigkeit ist prüfungsrelevant.
Ausgezeichnet sind die Bahnen durch die Quantenbedingung: Der Bahndrehimpuls kann nur ganzzahlige Vielfache von h/(2π)h/(2\pi)h/(2π) annehmen, me v r=n h/(2π)m_e\,v\,r = n\,h/(2\pi)me​vr=nh/(2π). Anschaulich deuten lässt sich das mit De Broglie: Auf dem Bahnumfang muss eine ganze Zahl von Materiewellenlängen Platz finden, 2πr=n λ2\pi r = n\,\lambda2πr=nλ — eine stehende Welle auf dem Kreis. Beide Formulierungen sind äquivalent.
Aus der Quantenbedingung und dem Coulomb-Kräftegleichgewicht folgt für das Wasserstoffatom das Energieniveauschema En=−13,6 eV/n2E_n = -13{,}6\,\text{eV}/n^2En​=−13,6eV/n2. Das Minuszeichen ist wesentlich: Es sind BINDUNGSenergien, mit dem freien Elektron als Nullpunkt. Der Grundzustand n=1n = 1n=1 liegt bei −13,6 eV-13{,}6\,\text{eV}−13,6eV, und genau dieser Betrag ist die Ionisierungsenergie des Wasserstoffs.
Springt das Elektron von n2n_2n2​ nach n1n_1n1​, wird die Energiedifferenz als EIN Photon frei: h f=En2−En1h\,f = E_{n_2} - E_{n_1}hf=En2​​−En1​​. Weil die Niveaus diskret sind, ist auch das Spektrum diskret — das erklärt die seit Jahrzehnten bekannten scharfen Linien. Die Balmer-Serie (Übergänge nach n=2n = 2n=2) liegt im Sichtbaren; ihre stärkste Linie H-α bei 656 nm656\,\text{nm}656nm gibt vielen Nebeln ihr charakteristisches Rot.
Das Modell leistet für Wasserstoff Erstaunliches und scheitert dennoch: Es erklärt keine Mehrelektronenatome, keine Linienintensitäten und keine Feinstruktur, und es hält am unhaltbaren Bild einer scharfen Bahn fest. Es ist ein Übergangsmodell — historisch entscheidend, physikalisch überholt. Diese ehrliche Bewertung wird im Operator „beurteilen" ausdrücklich erwartet.

Vokabeln

→ Kartei
  • das Energieniveauerlaubter diskreter Energiewert des Atoms
  • die QuantenbedingungBohrsche Forderung $m_e v r = n\,h/2\pi$
  • die IonisierungsenergieEnergie zum vollständigen Ablösen des ElektronsWasserstoff: 13,6 eV aus dem Grundzustand
  • die Balmer-SerieÜbergänge nach $n = 2$; liegt im sichtbaren Bereich
  • der GrundzustandZustand niedrigster Energie, $n = 1$

Bohrsche Energieniveaus des Wasserstoffs

En=−13,6 eVn2(H-Atom)E_n = -\dfrac{13{,}6\,\text{eV}}{n^{2}}\quad (\text{H-Atom})En​=−n213,6eV​(H-Atom)

Rydberg-Formel (R_H = 1,097·10⁷ m⁻¹)

1λ=RH(1n12−1n22)\dfrac{1}{\lambda} = R_{H}\left(\dfrac{1}{n_{1}^{2}} - \dfrac{1}{n_{2}^{2}}\right)λ1​=RH​(n12​1​−n22​1​)

Bohrsche Quantenbedingung und ihre De-Broglie-Deutung

me v r=n h2π⟺2πr=n λdBm_e\,v\,r = n\,\dfrac{h}{2\pi} \qquad\Longleftrightarrow\qquad 2\pi r = n\,\lambda_{\text{dB}}me​vr=n2πh​⟺2πr=nλdB​

Links der quantisierte Bahndrehimpuls (n=1,2,3,…n = 1, 2, 3, \dotsn=1,2,3,…), rechts dieselbe Bedingung als stehende Materiewelle auf dem Bahnumfang. Beide Formen sind gleichwertig.

Der Start lädt die Simulation von PhET (University of Colorado).Bei PhET öffnen ↗
Musterlösung

H-alpha-Linie aus Rydberg-Formel

Berechne die Wellenlänge der Balmer-H-alpha-Linie (n2=3→n1=2n_2 = 3 \to n_1 = 2n2​=3→n1​=2) im Wasserstoffspektrum mit RH=1,097⋅107 m−1R_H = 1{,}097\cdot 10^{7}\,\text{m}^{-1}RH​=1,097⋅107m−1.

  1. Schritt 1 — Rydberg-Formel anwenden

    1/λ=RH(1/4−1/9)=RH⋅5/361/\lambda = R_H (1/4 - 1/9) = R_H \cdot 5/361/λ=RH​(1/4−1/9)=RH​⋅5/36.

    1λ=RH(1n12−1n22)\dfrac{1}{\lambda} = R_H\left(\dfrac{1}{n_1^2}-\dfrac{1}{n_2^2}\right)λ1​=RH​(n12​1​−n22​1​)
  2. Schritt 2 — Zahlenwerte einsetzen

    1/λ=1,097⋅107⋅5/36≈1,524⋅106 m−11/\lambda = 1{,}097\cdot 10^{7} \cdot 5/36 \approx 1{,}524\cdot 10^{6}\,\text{m}^{-1}1/λ=1,097⋅107⋅5/36≈1,524⋅106m−1.

  3. Schritt 3 — Wellenlänge

    λ=1/(1,524⋅106)≈6,56⋅10−7 m=656 nm\lambda = 1/(1{,}524\cdot 10^{6}) \approx 6{,}56\cdot 10^{-7}\,\text{m} = 656\,\text{nm}λ=1/(1,524⋅106)≈6,56⋅10−7m=656nm.

  4. Schritt 4 — Interpretation

    Rot — entspricht der charakteristischen H-alpha-Linie im sichtbaren Spektrum von Wasserstoff (Sonnenspektrum, Emissionsnebel).

Ergebnis: λHα≈656 nm\lambda_{H\alpha} \approx 656\,\text{nm}λHα​≈656nm (rot, sichtbar).

Abiturfokus

  • Nennen Sie die Bohrschen POSTULATE als solche — sie werden gesetzt, nicht hergeleitet. Ein „Bohr hat bewiesen" kostet Punkte.
  • „Berechnen" Sie Übergangsenergien immer als DIFFERENZ En2−En1E_{n_2} - E_{n_1}En2​​−En1​​ und rechnen Sie über λ=hc/ΔE\lambda = h c/\Delta Eλ=hc/ΔE mit hc=1240 eV nmhc = 1240\,\text{eV}\,\text{nm}hc=1240eVnm in die Wellenlänge um.
  • „Begründen" Sie die Quantenbedingung anschaulich über die stehende Materiewelle auf dem Bahnumfang — diese De-Broglie-Deutung wird gern verlangt.
  • „Beurteilen" Sie Leistung UND Grenzen des Modells: Wasserstoffspektrum ja, Mehrelektronenatome und Feinstruktur nein.
  • Achten Sie auf das Vorzeichen: EnE_nEn​ ist negativ, die Übergangsenergie als Betrag positiv. Ein negatives Photon gibt es nicht.

Typische Fehler

  • Mit En=+13,6/n2E_n = +13{,}6/n^2En​=+13,6/n2 gerechnet. Die Niveaus sind negativ (gebunden); nur Differenzen sind positiv.
  • Die Energie des Endzustands als Photonenenergie genommen statt der Differenz beider Niveaus.
  • Die Ionisierungsenergie aus n=2n = 2n=2 statt aus dem Grundzustand n=1n = 1n=1 bestimmt.
  • Die Bahnvorstellung für physikalisch real gehalten. Nach der Quantenmechanik hat das Elektron keine Bahn, sondern eine Aufenthaltswahrscheinlichkeit.
  • Die Balmer-Serie den Übergängen nach n=1n = 1n=1 zugeordnet. Balmer endet bei n=2n = 2n=2; nach n=1n = 1n=1 führt die Lyman-Serie (Ultraviolett).

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Leiten Sie En∝−1/n2E_n \propto -1/n^2En​∝−1/n2 aus dem Coulomb-Kräftegleichgewicht mev2/r=e2/(4πε0r2)m_e v^2/r = e^2/(4\pi\varepsilon_0 r^2)me​v2/r=e2/(4πε0​r2) zusammen mit der Quantenbedingung her, indem Sie zunächst rn∝n2r_n \propto n^2rn​∝n2 zeigen. Diskutieren Sie anschließend, warum dasselbe Vorgehen bei Helium bereits versagt.

§ 03

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie für das Wasserstoffatom die Energien der Niveaus n=2n = 2n=2 und n=3n = 3n=3 sowie die Wellenlänge des Übergangs n=3→n=2n = 3 \to n = 2n=3→n=2. Ordnen Sie die Linie einer Serie und einem Spektralbereich zu und geben Sie die Ionisierungsenergie aus dem Grundzustand an.

Passende Aufgaben üben70 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: LEIFIphysik — Bohrsches Atommodell und Wasserstoffspektrum (Joachim Herz Stiftung)

§ 04
§ 04

Der Franck-Hertz-Versuch — diskrete Energieniveaus direkt gemessen#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPKMK 2.6.3LPAtomvorstellungen

Franck-Hertz-Versuch — Strom-Spannungs-Verlauf

U_B I 4,9 V 9,8 V 14,7 V
Abb. 5Periodische Struktur der Anodenstromstärke mit einem Abstand aufeinanderfolgender Maxima (bzw. Einbrüche) von 4,94{,}94,9 V belegt die diskreten Energieniveaus des Quecksilberatoms.

Kernpunkte

Das Bohrsche Modell behauptet diskrete Energieniveaus — aber alle bisherigen Belege waren SPEKTREN, also Aussagen über ausgesandtes Licht. Franck und Hertz zeigten 1914 dieselbe Diskretheit ohne jedes Licht, allein durch Stöße von Elektronen mit Atomen. Das ist der Grund für die besondere Stellung dieses Versuchs: Er misst die Niveaus direkt.
Im Aufbau durchlaufen Elektronen eine mit Quecksilberdampf gefüllte Röhre und werden zwischen Kathode und Gitter beschleunigt; hinter dem Gitter bremst eine kleine Gegenspannung sie ab, sodass nur hinreichend schnelle Elektronen die Auffängerelektrode erreichen. Gemessen wird der Auffängerstrom als Funktion der Beschleunigungsspannung.
Die entstehende Kennlinie zeigt ein charakteristisches Sägezahnmuster: Der Strom steigt zunächst, bricht bei etwa 4,9 V4{,}9\,\text{V}4,9V steil ein, steigt erneut, bricht bei 9,8 V9{,}8\,\text{V}9,8V wieder ein, und so fort. Die Einbrüche kommen in GLEICHEN Abständen von 4,9 V4{,}9\,\text{V}4,9V — das ist der eigentliche Messwert des Versuchs.
Die Deutung folgt aus der Unterscheidung zweier Stoßarten. Unterhalb von 4,9 eV4{,}9\,\text{eV}4,9eV sind alle Stöße ELASTISCH: Wegen des enormen Massenunterschieds gibt das Elektron praktisch keine Energie ab und kommt durch. Erreicht es genau 4,9 eV4{,}9\,\text{eV}4,9eV, wird der Stoß UNELASTISCH — das Quecksilberatom nimmt diesen Betrag als Anregung auf, das Elektron bleibt kraftlos zurück und schafft die Gegenspannung nicht mehr. Der Strom bricht ein.
Dass die Einbrüche periodisch wiederkehren, zeigt: Ein Elektron kann bei genügend hoher Spannung MEHRFACH anregen — nach dem ersten Stoß wird es erneut beschleunigt und gibt bei nochmals 4,9 eV4{,}9\,\text{eV}4,9eV wieder alles ab. Das erklärt die konstanten Abstände und beweist zugleich, dass es sich um EINE bestimmte Anregungsenergie handelt, nicht um einen zufälligen Schwellenwert.
Die Gegenprobe liefert das Licht: Die angeregten Atome fallen zurück und senden dabei Photonen der Energie 4,9 eV4{,}9\,\text{eV}4,9eV aus, was λ=1240/4,9≈253 nm\lambda = 1240/4{,}9 \approx 253\,\text{nm}λ=1240/4,9≈253nm entspricht — eine Ultraviolettlinie, die im Quecksilberspektrum tatsächlich existiert. Stoßversuch und Spektroskopie liefern denselben Wert; genau diese Übereinstimmung macht den Beleg zwingend.

Vokabeln

→ Kartei
  • der unelastische StoßStoß mit Energieübertrag auf innere Anregung
  • die AnregungsenergieEnergie zum Heben eines Elektrons auf ein höheres Niveau
  • die Gegenspannungkleine Bremsspannung hinter dem Gittersiebt energiearme Elektronen aus
  • die Kennliniegemessener Zusammenhang von Strom und Beschleunigungsspannung

Anregungsenergie im Stoßversuch

e Uanreg=E2−E1=h fe\,U_{\text{anreg}} = E_2 - E_1 = h\,feUanreg​=E2​−E1​=hf

UanregU_{\text{anreg}}Uanreg​ der Spannungsabstand der Stromeinbrüche in V (Quecksilber: 4,9 V4{,}9\,\text{V}4,9V); rechts die beim Rückfall ausgesandte Photonenenergie — Stoß und Emission liefern denselben Betrag.

Wiedergabe lädt Inhalte von YouTube (Google).Auf YouTube öffnen ↗
Wiedergabe lädt Inhalte von YouTube (Google).Auf YouTube öffnen ↗
Musterlösung

Anregungsenergie und Emissionswellenlänge beim Quecksilber

Die Stromeinbrüche eines Franck-Hertz-Versuchs liegen 4,9 V4{,}9\,\text{V}4,9V auseinander. Berechnen Sie die Anregungsenergie und die Wellenlänge des beim Rückfall ausgesandten Photons.

  1. 01Anregungsenergie ablesen

    Der Spannungsabstand der Einbrüche entspricht unmittelbar der Energie, die ein Elektron je unelastischem Stoß abgibt: E=e⋅4,9 V=4,9 eVE = e\cdot 4{,}9\,\text{V} = 4{,}9\,\text{eV}E=e⋅4,9V=4,9eV.

  2. 02Photonenenergie gleichsetzen

    Das angeregte Atom fällt in den Grundzustand zurück und gibt die Energie als EIN Photon ab, also h f=4,9 eVh\,f = 4{,}9\,\text{eV}hf=4,9eV.

    λ=h cE=1240 eV nmE\lambda = \dfrac{h\,c}{E} = \dfrac{1240\,\text{eV}\,\text{nm}}{E}λ=Ehc​=E1240eVnm​
  3. 03Wellenlänge auswerten

    λ=1240/4,9≈253 nm\lambda = 1240 / 4{,}9 \approx 253\,\text{nm}λ=1240/4,9≈253nm — ultraviolett, für das Auge unsichtbar.

  4. 04Mit dem Spektrum abgleichen

    Im Quecksilberspektrum existiert tatsächlich eine starke Linie bei 253,7 nm253{,}7\,\text{nm}253,7nm. Dass ein reiner STOSSversuch denselben Wert liefert wie die Spektroskopie, ist der eigentliche Beweis: Die Energieniveaus sind eine Eigenschaft des Atoms, nicht des Messverfahrens.

Ergebnis: Anregungsenergie 4,9 eV4{,}9\,\text{eV}4,9eV, Emissionswellenlänge λ≈253 nm\lambda \approx 253\,\text{nm}λ≈253nm — in Übereinstimmung mit der bekannten Quecksilberlinie bei 253,7 nm253{,}7\,\text{nm}253,7nm.

Abiturfokus

  • „Erläutern" Sie die Kennlinie über die Unterscheidung elastischer und unelastischer Stöße — das ist der bepunktete Kern, nicht die Beschreibung des Aufbaus.
  • „Begründen" Sie die GLEICHEN Abstände der Stromeinbrüche mit der Mehrfachanregung eines Elektrons.
  • Nennen Sie ausdrücklich die Funktion der Gegenspannung: Sie siebt die Elektronen aus, die ihre Energie gerade abgegeben haben.
  • Rechnen Sie die Anregungsenergie in eine Wellenlänge um (253 nm253\,\text{nm}253nm) und benennen Sie die Übereinstimmung mit dem Quecksilberspektrum als unabhängige Bestätigung.
  • „Beurteilen" Sie die Bedeutung des Versuchs: Er belegt diskrete Niveaus OHNE Spektroskopie und ist damit ein von der Optik unabhängiger Beleg.

Typische Fehler

  • Die Stromeinbrüche mit dem Ionisieren der Atome erklärt. Es handelt sich um ANREGUNG; die Ionisierungsenergie des Quecksilbers liegt bei rund 10,4 eV10{,}4\,\text{eV}10,4eV.
  • Angenommen, das Elektron gebe beim elastischen Stoß viel Energie ab. Wegen des großen Massenunterschieds ist der Übertrag verschwindend.
  • Die Abstände der Maxima als zufällig oder apparaturbedingt gedeutet statt als die eine Anregungsenergie.
  • Die Gegenspannung mit der Beschleunigungsspannung verwechselt; die Gegenspannung ist klein und wirkt hinter dem Gitter.
  • Behauptet, der Strom falle nach dem Einbruch auf null. Er sinkt nur deutlich und steigt danach wieder an.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Begründen Sie mit dem Impuls- und Energieerhaltungssatz quantitativ, warum beim elastischen Stoß eines Elektrons (mem_eme​) mit einem Quecksilberatom (≈200 u\approx 200\,u≈200u) nur ein Bruchteil von rund 10−510^{-5}10−5 der kinetischen Energie übertragen wird — und damit, warum unterhalb der Anregungsschwelle praktisch kein Energieverlust auftritt.

§ 04

Aktive Wiederholung

Die Kennlinie eines Franck-Hertz-Versuchs mit Quecksilber zeigt Stromeinbrüche bei 4,9 V4{,}9\,\text{V}4,9V, 9,8 V9{,}8\,\text{V}9,8V und 14,7 V14{,}7\,\text{V}14,7V. Erläutern Sie das Zustandekommen und berechnen Sie die Wellenlänge der beim Rückfall ausgesandten Strahlung. Begründen Sie, warum die Abstände konstant sind.

Passende Aufgaben üben70 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: LEIFIphysik — Franck-Hertz-Versuch (Joachim Herz Stiftung)

§ 05
§ 05

Vom Bohr-Modell zum Orbitalmodell#

~3 Min Lesezeit●●●VertiefungLPKMK 2.6.3LPAtomvorstellungen

Atommodelle — was jedes erklärt und was nicht

Atommodelle — was jedes erklärt und was nichtTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Modell · Kernaussage · Was es NICHT erklärt; Dalton (1808) · Unteilbare Atome je Element · Elektrische Erscheinungen; Thomson (1897) · Elektronen in positiver Ladungswolke · Rutherfords Streuversuch; Rutherford (1911) · Kleiner Kern, Hülle fast leer · Warum das Elektron nicht in den Kern stürzt; Bohr (1913) · Diskrete Bahnen, Quantenbedingung · Nur Wasserstoff; Feinstruktur, Intensitäten; de Broglie (1924) · Stehende Elektronenwellen auf der Bahn · Begründet Bohrs Postulat, ersetzt es aber nicht; Orbitalmodell · Aufenthaltswahrscheinlichkeit |ψ|² · Der heutige Stand — keine Bahnen mehr; Quantenzahlen · n, l, m, s · Pauli-Prinzip erklärt den SchalenaufbauModellKernaussageWas es NICHT erklärtDalton (1808)Unteilbare Atome je ElementElektrische ErscheinungenThomson (1897)Elektronen in positiverLadungswolkeRutherfords StreuversuchRutherford (1911)Kleiner Kern, Hülle fastleerWarum das Elektron nicht inden Kern stürztBohr (1913)Diskrete Bahnen,QuantenbedingungNur Wasserstoff;Feinstruktur, Intensitätende Broglie (1924)Stehende Elektronenwellenauf der BahnBegründet Bohrs Postulat,ersetzt es aber nichtOrbitalmodellAufenthaltswahrscheinlichkeit|ψ|²Der heutige Stand — keineBahnen mehrQuantenzahlenn, l, m, sPauli-Prinzip erklärt denSchalenaufbau
Abb. 6Modelle werden nicht widerlegt, sondern in ihrer Reichweite begrenzt. Die dritte Spalte ist der Grund, warum das nächste Modell nötig wurde.

Kernpunkte

Die Geschichte der Atommodelle ist eine Kette von Widerlegungen, und jede lohnt es zu kennen: Daltons unteilbare Kugel scheitert an der Existenz von Elektronen; Thomsons Rosinenkuchen an Rutherfords Streuversuch, in dem einzelne Alphateilchen um mehr als 90°90°90° zurückgeworfen werden; Rutherfords Planetenmodell an der klassischen Strahlungskatastrophe; Bohrs Modell schließlich an Mehrelektronenatomen und der Feinstruktur.
Das quantenmechanische Modell gibt die Bahnvorstellung vollständig auf. An ihre Stelle tritt die Wellenfunktion ψ\psiψ, deren Betragsquadrat ∣ψ∣2|\psi|^2∣ψ∣2 die Aufenthaltswahrscheinlichkeitsdichte angibt. Ein Orbital ist demnach kein Weg und keine Schale, sondern der Raumbereich, in dem sich das Elektron mit einer festgelegten Wahrscheinlichkeit — üblicherweise 90 %90\,\%90% — aufhält.
Ein anschaulicher Zugang ist der eindimensionale Potenzialtopf: Ein Elektron zwischen zwei undurchdringlichen Wänden im Abstand LLL verhält sich wie eine stehende Welle, für die L=n λ/2L = n\,\lambda/2L=nλ/2 gelten muss. Mit λ=h/p\lambda = h/pλ=h/p folgt daraus unmittelbar die Quantisierung En=n2h2/(8mL2)E_n = n^2h^2/(8 m L^2)En​=n2h2/(8mL2) — die diskreten Niveaus entstehen hier also nicht als Postulat, sondern als RANDBEDINGUNG einer Welle.
Der Potenzialtopf erklärt zugleich, warum es eine Nullpunktsenergie gibt: n=0n = 0n=0 ist verboten, weil dann ψ≡0\psi \equiv 0ψ≡0 wäre und das Elektron nirgends. Ein vollständig ruhendes, exakt lokalisiertes Elektron ist mit der Unbestimmtheitsrelation unvereinbar — je enger der Topf, desto größer die Mindestenergie.
Die Grenzen dieses Modells sind ebenso lehrreich: Es ist eindimensional, nimmt unendlich hohe Wände an und ignoriert die Coulomb-Anziehung des Kerns. Für das reale Atom liefert es keine korrekten Energien — wohl aber die richtige STRUKTUR der Erklärung, nämlich dass Einsperrung zu Quantisierung führt.
Im realen Atom kennzeichnen vier Quantenzahlen den Zustand: nnn (Hauptquantenzahl, Energie und Schale), lll (Bahndrehimpuls, Orbitalform s/p/d/f), mlm_lml​ (räumliche Orientierung) und msm_sms​ (Spin). Mit dem Pauli-Prinzip — keine zwei Elektronen in allen vier Quantenzahlen gleich — folgt daraus zwanglos der Schalenaufbau und damit die Struktur des Periodensystems.

Vokabeln

→ Kartei
  • das OrbitalRaumbereich mit hoher Aufenthaltswahrscheinlichkeit (meist 90 %)
  • die WellenfunktionZustandsfunktion $\psi$; $|\psi|^2$ ist die Wahrscheinlichkeitsdichte
  • der PotenzialtopfModell eines eingesperrten Teilchens zwischen undurchdringlichen Wänden
  • die Nullpunktsenergieunvermeidbare Mindestenergie des eingesperrten Teilchens
  • das Pauli-Prinzipkeine zwei Elektronen stimmen in allen vier Quantenzahlen überein

Energieniveaus im eindimensionalen Potenzialtopf

En=n2 h28 m L2,n=1,2,3,…E_n = \dfrac{n^2\,h^2}{8\,m\,L^2},\qquad n = 1, 2, 3, \dotsEn​=8mL2n2h2​,n=1,2,3,…

EnE_nEn​ in J, hhh das Wirkungsquantum in J s, mmm die Teilchenmasse in kg, LLL die Topfbreite in m. n=0n = 0n=0 ist ausgeschlossen — daraus folgt die Nullpunktsenergie.

Nachweiswahrscheinlichkeit im Volumenelement

∣ψ(x)∣2 dV|\psi(x)|^2\,\mathrm{d}V∣ψ(x)∣2dV

Das Betragsquadrat der Wellenfunktion ist die Wahrscheinlichkeitsdichte; multipliziert mit dem Volumenelement dV\mathrm{d}VdV ergibt sich die Wahrscheinlichkeit, das Elektron dort nachzuweisen.

Der Start lädt die Simulation von PhET (University of Colorado).Bei PhET öffnen ↗
Der Start lädt die Simulation von PhET (University of Colorado).Bei PhET öffnen ↗

Abiturfokus

  • „Beschreiben" Sie die Modellabfolge stets MIT dem jeweiligen Widerlegungsexperiment; eine bloße Aufzählung der Modelle erhält keine vollen Punkte.
  • „Erläutern" Sie „Orbital" als Aufenthaltswahrscheinlichkeit, nie als Bahn oder Schale — die Begriffswahl selbst wird bewertet.
  • „Herleiten" Sie die Niveaus im Potenzialtopf über die stehende Welle: erst L=nλ/2L = n\lambda/2L=nλ/2, dann λ=h/p\lambda = h/pλ=h/p, dann E=p2/2mE = p^2/2mE=p2/2m.
  • „Beurteilen" Sie den Potenzialtopf ausdrücklich als MODELL mit benannten Grenzen (eindimensional, unendliche Wände, kein Coulomb-Feld).
  • „Begründen" Sie die Nullpunktsenergie über die Unbestimmtheitsrelation — ein ruhendes, exakt lokalisiertes Elektron ist ausgeschlossen.

Typische Fehler

  • Orbitale als Bahnen oder als feste Schalen gezeichnet. Sie sind Wahrscheinlichkeitsverteilungen.
  • Im Potenzialtopf n=0n = 0n=0 zugelassen. Dann verschwände die Wellenfunktion überall — der Zustand existiert nicht.
  • In En=n2h2/(8mL2)E_n = n^2h^2/(8mL^2)En​=n2h2/(8mL2) das Quadrat bei nnn oder bei LLL übersehen.
  • Das Bohr-Modell als „falsch und deshalb wertlos" abgetan. Es beschreibt das Wasserstoffspektrum korrekt und ist ein tragfähiges Übergangsmodell.
  • Das Pauli-Prinzip auf die Hauptquantenzahl allein bezogen. Es fordert Verschiedenheit im gesamten Quadrupel (n,l,ml,ms)(n, l, m_l, m_s)(n,l,ml​,ms​).

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Leiten Sie En=n2h2/(8mL2)E_n = n^2h^2/(8mL^2)En​=n2h2/(8mL2) vollständig aus der Randbedingung L=nλ/2L = n\lambda/2L=nλ/2 her. Schätzen Sie anschließend mit Δx≈L\Delta x \approx LΔx≈L und der Unbestimmtheitsrelation die Mindestenergie ab und vergleichen Sie sie mit E1E_1E1​ — beide Wege müssen dieselbe Größenordnung liefern.

§ 05

Aktive Wiederholung

Ein Elektron sei in einem eindimensionalen Potenzialtopf der Breite L=0,50 nmL = 0{,}50\,\text{nm}L=0,50nm eingesperrt. Berechnen Sie die Energien der Zustände n=1n = 1n=1 und n=2n = 2n=2 in eV und begründen Sie, warum der Zustand n=0n = 0n=0 nicht existiert. Beurteilen Sie anschließend, welche Eigenschaften realer Atome dieses Modell NICHT beschreibt.

Passende Aufgaben üben70 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: LEIFIphysik — Atommodelle und Orbitalmodell (Joachim Herz Stiftung)

§ 06
§ 06

Compton-Effekt und der Impuls des Photons#

~4 Min Lesezeit●●●VertiefungLPKMK 2.6.3LPQuantenobjekte

Der Compton-Effekt — Größen und Deutung

Der Compton-Effekt — Größen und DeutungTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Element · Beziehung · Bedeutung; Compton-Gleichung · Δλ = λ_C·(1 − cos θ) · θ ist der Streuwinkel des Photons; Compton-Wellenlänge · λ_C = h/(m_e·c) ≈ 2,43 pm · Eine Naturkonstante des Elektrons; Photonenimpuls · p = h/λ = E/c · Die Größe, deren Erhaltung die Rechnung trägt; Erhaltungssätze · Energie- UND Impulserhaltung · Behandelt wie ein elastischer Stoß; θ = 0° · Δλ = 0 · Kein Impulsübertrag; θ = 180° · Δλ = 2λ_C ≈ 4,85 pm · Rückstreuung — maximaler Übertrag; 🔴 Warum nur bei Röntgen sichtbar · Δλ ist absolut winzig · Relativ zu λ nur bei kurzen Wellenlängen messbarElementBeziehungBedeutungCompton-GleichungΔλ = λC·(1 − cos θ)θ ist der Streuwinkel desPhotonsCompton-WellenlängeλC = h/(me·c) ≈ 2,43 ±Eine Naturkonstante desElektronsPhotonenimpulsp = h/λ = E/cDie Größe, deren Erhaltungdie Rechnung trägtErhaltungssätzeEnergie- UND ImpulserhaltungBehandelt wie einelastischer Stoßθ = 0°Δλ = 0Kein Impulsübertragθ = 180°Δλ = 2λC ≈ 4,85 ±Rückstreuung — maximalerÜbertrag🔴 Warum nur bei RöntgensichtbarΔλ ist absolut winzigRelativ zu λ nur bei kurzenWellenlängen messbar
Abb. 7Der entscheidende Befund: Die Wellenlängenänderung hängt NUR vom Streuwinkel ab, nicht von der Wellenlänge und nicht vom Material.

Kernpunkte

Der Photoeffekt zeigt, dass Licht Energie in Portionen überträgt. Er lässt aber noch offen, ob das Photon auch IMPULS trägt — und damit, ob es sich in Stößen wie ein echtes Teilchen verhält. Genau das beantwortet Comptons Streuversuch von 1923 an nahezu freien Elektronen in Graphit.
Das Photon trägt zwar keine Masse, aber sehr wohl Impuls: p=h/λ=E/cp = h/\lambda = E/cp=h/λ=E/c. Diese Beziehung ist kein Zusatzpostulat, sondern folgt aus der relativistischen Energie-Impuls-Beziehung für ein masseloses Objekt und passt exakt zur De-Broglie-Formel λ=h/p\lambda = h/pλ=h/p — dieselbe Gleichung, in die andere Richtung gelesen.
Der Befund ist eindeutig: Gestreute Röntgenstrahlung hat eine GRÖSSERE Wellenlänge als die einfallende, und die Verschiebung hängt allein vom Streuwinkel ab — nicht von der einfallenden Wellenlänge und nicht vom Material. Klassisch ist das unmöglich: Eine Welle, die Elektronen zum Mitschwingen anregt, müsste mit UNVERÄNDERTER Frequenz streuen.
Quantenphysikalisch ist es dagegen einfach ein elastischer Stoß zweier Teilchen. Das Photon gibt Energie und Impuls an das Elektron ab; weniger Energie bedeutet nach E=hc/λE = h c/\lambdaE=hc/λ zwingend eine größere Wellenlänge. Aus Energie- und Impulserhaltung folgt die Compton-Formel Δλ=λC (1−cos⁡φ)\Delta\lambda = \lambda_C\,(1 - \cos\varphi)Δλ=λC​(1−cosφ).
Die Compton-Wellenlänge des Elektrons λC=h/(mec)≈2,43 pm\lambda_C = h/(m_e c) \approx 2{,}43\,\text{pm}λC​=h/(me​c)≈2,43pm ist eine reine Naturkonstante. Sie setzt zugleich die Grenzen des Effekts: Bei Rückwärtsstreuung (φ=180°\varphi = 180°φ=180°) ist die Verschiebung mit 2λC≈4,9 pm2\lambda_C \approx 4{,}9\,\text{pm}2λC​≈4,9pm maximal, bei Vorwärtsstreuung null.
Daraus folgt, warum der Effekt Röntgenstrahlung braucht: Eine absolute Verschiebung von wenigen Pikometern ist bei λ≈50 pm\lambda \approx 50\,\text{pm}λ≈50pm (Röntgen) ein Effekt von Prozenten und gut messbar, bei sichtbarem Licht (λ≈500 nm\lambda \approx 500\,\text{nm}λ≈500nm) aber relativ 10−510^{-5}10−5 und praktisch unsichtbar. Photoeffekt und Compton-Effekt zusammen belegen: Das Photon trägt Energie UND Impuls, ist also in jeder Hinsicht ein Teilchen.

Vokabeln

→ Kartei
  • der Compton-EffektWellenlängenzunahme bei Streuung von Röntgenstrahlung an Elektronen
  • der Photonenimpuls$p = h/\lambda = E/c$; Impuls ohne Masse
  • die Compton-WellenlängeNaturkonstante $h/(m_e c) \approx 2{,}43$ pm
  • der StreuwinkelWinkel zwischen einfallender und gestreuter Richtung

Impuls eines Photons

p=hλ=Ecp = \dfrac{h}{\lambda} = \dfrac{E}{c}p=λh​=cE​

ppp in kg m/s, λ\lambdaλ die Wellenlänge in m, EEE die Photonenenergie in J, ccc die Lichtgeschwindigkeit. Gilt für masselose Objekte — die Umkehrung der De-Broglie-Beziehung.

Compton-Verschiebung

Δλ=λC (1−cos⁡φ),λC=hme c≈2,43 pm\Delta\lambda = \lambda_C\,(1 - \cos\varphi),\qquad \lambda_C = \dfrac{h}{m_e\,c} \approx 2{,}43\,\text{pm}Δλ=λC​(1−cosφ),λC​=me​ch​≈2,43pm

Δλ\Delta\lambdaΔλ die Zunahme der Wellenlänge in m, φ\varphiφ der Streuwinkel, λC\lambda_CλC​ die Compton-Wellenlänge des Elektrons. Unabhängig von der einfallenden Wellenlänge und vom Streumaterial.

Wiedergabe lädt Inhalte von YouTube (Google).Auf YouTube öffnen ↗
Wiedergabe lädt Inhalte von YouTube (Google).Auf YouTube öffnen ↗
Musterlösung

Compton-Streuung unter 90 Grad

Röntgenstrahlung mit λ=50,0 pm\lambda = 50{,}0\,\text{pm}λ=50,0pm wird unter φ=90°\varphi = 90°φ=90° gestreut. Berechnen Sie die Verschiebung, die gestreute Wellenlänge und die auf das Elektron übertragene Energie.

  1. 01Verschiebung berechnen

    Mit cos⁡90°=0\cos 90° = 0cos90°=0 vereinfacht sich die Compton-Formel zu Δλ=λC=2,43 pm\Delta\lambda = \lambda_C = 2{,}43\,\text{pm}Δλ=λC​=2,43pm — bei 90°90°90° ist die Verschiebung also gerade eine Compton-Wellenlänge.

    Δλ=λC (1−cos⁡φ)\Delta\lambda = \lambda_C\,(1-\cos\varphi)Δλ=λC​(1−cosφ)
  2. 02Gestreute Wellenlänge

    λ′=50,0+2,43=52,4 pm\lambda' = 50{,}0 + 2{,}43 = 52{,}4\,\text{pm}λ′=50,0+2,43=52,4pm — die Strahlung wird also langwelliger und damit energieärmer.

  3. 03Energieübertrag bestimmen

    Mit E=1240 eV nm/λE = 1240\,\text{eV}\,\text{nm}/\lambdaE=1240eVnm/λ: vorher 1240/0,0500=24,8 keV1240/0{,}0500 = 24{,}8\,\text{keV}1240/0,0500=24,8keV, nachher 1240/0,0524≈23,7 keV1240/0{,}0524 \approx 23{,}7\,\text{keV}1240/0,0524≈23,7keV. Die Differenz von rund 1,1 keV1{,}1\,\text{keV}1,1keV hat das Elektron aufgenommen.

  4. 04Größenordnung beurteilen

    Relativ beträgt die Verschiebung 2,43/50,0≈4,9 %2{,}43/50{,}0 \approx 4{,}9\,\%2,43/50,0≈4,9% — gut messbar. Bei sichtbarem Licht mit λ=500 nm\lambda = 500\,\text{nm}λ=500nm wäre dieselbe absolute Verschiebung nur 5⋅10−65\cdot 10^{-6}5⋅10−6 relativ und im Rauschen verschwunden. Das ist der Grund, warum Compton mit Röntgenstrahlung arbeitete.

Ergebnis: Verschiebung Δλ=2,43 pm\Delta\lambda = 2{,}43\,\text{pm}Δλ=2,43pm, gestreute Wellenlänge λ′≈52,4 pm\lambda' \approx 52{,}4\,\text{pm}λ′≈52,4pm, Energieübertrag ≈1,1 keV\approx 1{,}1\,\text{keV}≈1,1keV (etwa 4,9 %4{,}9\,\%4,9% relativ).

Abiturfokus

  • „Begründen" Sie, warum die klassische Wellentheorie den Effekt nicht erklärt: Sie sagt Streuung ohne Frequenzänderung voraus.
  • Betonen Sie die Unabhängigkeit der Verschiebung von einfallender Wellenlänge UND Material — sie hängt nur vom Streuwinkel ab.
  • „Berechnen" Sie mit Δλ=λC(1−cos⁡φ)\Delta\lambda = \lambda_C(1-\cos\varphi)Δλ=λC​(1−cosφ) und prüfen Sie die Grenzfälle: φ=0\varphi = 0φ=0 ergibt null, φ=180°\varphi = 180°φ=180° ergibt 2λC2\lambda_C2λC​.
  • „Erläutern" Sie, warum Röntgenstrahlung nötig ist — über das VERHÄLTNIS Δλ/λ\Delta\lambda/\lambdaΔλ/λ, nicht über den Absolutwert.
  • „Beurteilen" Sie Photoeffekt und Compton-Effekt gemeinsam: der eine belegt die Energiequantelung, der andere den Impuls.

Typische Fehler

  • Angenommen, die gestreute Strahlung habe eine kleinere Wellenlänge. Das Photon VERLIERT Energie, die Wellenlänge wächst.
  • Dem Photon wegen p=mvp = m vp=mv keinen Impuls zugestanden. Für masselose Objekte gilt p=E/c=h/λp = E/c = h/\lambdap=E/c=h/λ.
  • Die Compton-Verschiebung als abhängig von der einfallenden Wellenlänge behandelt. Δλ\Delta\lambdaΔλ hängt nur vom Winkel ab.
  • Im Term (1−cos⁡φ)(1 - \cos\varphi)(1−cosφ) Sinus statt Kosinus eingesetzt; die Kontrolle bei φ=0\varphi = 0φ=0 (Verschiebung null) deckt das sofort auf.
  • Behauptet, der Effekt trete bei sichtbarem Licht nicht auf. Er tritt auf, ist aber relativ zu klein, um gemessen zu werden.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Leiten Sie die Compton-Formel aus Energie- und Impulserhaltung her, indem Sie die relativistische Energie des Elektrons E=(pc)2+(mec2)2E = \sqrt{(pc)^2 + (m_ec^2)^2}E=(pc)2+(me​c2)2​ verwenden und den Elektronenimpuls eliminieren. Begründen Sie, warum die nichtrelativistische Rechnung hier nicht ausreicht.

§ 06

Aktive Wiederholung

Röntgenstrahlung der Wellenlänge λ=50,0 pm\lambda = 50{,}0\,\text{pm}λ=50,0pm wird unter φ=90°\varphi = 90°φ=90° gestreut. Berechnen Sie die Wellenlängenverschiebung, die Wellenlänge der gestreuten Strahlung und die auf das Elektron übertragene Energie. Begründen Sie, warum derselbe Versuch mit sichtbarem Licht praktisch nicht auswertbar wäre.

Passende Aufgaben üben70 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: LEIFIphysik — Compton-Effekt (Joachim Herz Stiftung)

Stand 05/2026 · Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Der Photoeffekt und die Einstein-Gleichung○
    • 02Welle-Teilchen-Dualismus, De-Broglie-Wellenlänge und Unbestimmtheit◐
    • 03Das Bohrsche Atommodell und die Quantenbedingung◐
    • 04Der Franck-Hertz-Versuch — diskrete Energieniveaus direkt gemessen◐
    • 05Vom Bohr-Modell zum Orbitalmodell●
    • 06Compton-Effekt und der Impuls des Photons●

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

Quanten- und Atomphysik

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

~25
Min
4
Kompetenzen
70
Fragen
Üben
Wiederholung planen

Belege & Quellen

Quellen

Joachim Herz Stiftung

  • LEIFIphysik — Äußerer lichtelektrischer Effekt (Photoeffekt)
  • LEIFIphysik — Quantenobjekt Elektron und Materiewellen
  • LEIFIphysik — Bohrsches Atommodell und Wasserstoffspektrum
  • LEIFIphysik — Franck-Hertz-Versuch
  • LEIFIphysik — Atommodelle und Orbitalmodell

Kultusministerkonferenz

  • Bildungsstandards im Fach Physik für die Allgemeine Hochschulreife (2020), Kap. 2.6.3

Siehe auch

  • Schwingungen und Wellen — Mechanische und elektromagnetische WellenInterferenz und Doppelspalt in ihrer klassischen Form — die Voraussetzung, um das Quantenverhalten überhaupt als Rätsel zu erkennen.
  • Elektrische und magnetische FelderDie Gegenfeldmethode des Photoeffekts ist eine reine Feldrechnung aus jenem Kapitel.
  • Kernphysik, Radioaktivität und Spezielle RelativitätstheorieWohin die Quantenphysik weiterführt: der Kern, seine Zerfälle und die Masse-Energie-Äquivalenz.

Vorheriges Thema

Optik — Strahlenoptik, Wellenoptik und Polarisation

Nächstes Thema

Kernphysik, Radioaktivität und Spezielle Relativitätstheorie

EuraStudy·Notizen T·08·MMXXVI

Weiter mit dem nächsten Thema — der Lernpfad bleibt erhalten.