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Notizen/Physik/Elektrische und magnetische Felder
DE · Abitur

Elektrische und magnetische Felder

Das Feldkonzept beantwortet die Frage, wie Kräfte ohne Berührung übertragen werden — und es trägt in der Abiturprüfung mehr Gewicht als jedes andere Thema: „Elektrische und magnetische Felder" ist einer von nur drei Inhaltsbereichen, aus denen die KMK-Prüfungsaufgabe schöpft. Von der Punktladung über den Kondensator als Energiespeicher bis zur Bahn geladener Teilchen in gekreuzten Feldern wird hier das Werkzeug gebaut, mit dem später Induktion, Schwingkreis und die elektromagnetische Welle beschrieben werden.

6 Abschnitte·~30 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Stand 05/2026

T·0555 / 10
Prüfungsprofil
S 1 · Phänomene unter Nutzung bekannter physikalischer Modelle und Theorien erklärenS 7 · Bekannte mathematische Verfahren auf physikalische Sachverhalte anwendenE 6 · Mithilfe bekannter Modelle die in Daten gefundenen Strukturen und Beziehungen erklärenK 6 · Informationen und Daten in sach- und adressatengerechten Darstellungsformen veranschaulichen
Operatoren:beschreibenberechnenerläuternbegründenskizzierenbeurteilen

grundlegendes Niveau

gA: Feldbegriff, Feldstärke und Feldlinienbilder sicher deuten; Plattenkondensator als homogenes Feld rechnen (E=U/dE = U/dE=U/d, C=Q/UC = Q/UC=Q/U, EC=12CU2E_C = \tfrac12 CU^2EC​=21​CU2); Kräfte auf Ladungen in homogenen Feldern bestimmen und Bahnformen qualitativ begründen.

erhöhtes Niveau

eA: zusätzlich Coulomb-Gesetz quantitativ, Spannung als Potentialdifferenz, Spule und Induktivität sowie die quantitative Betrachtung der Bahnformen in homogenen Feldern (Wurfparabel im E-Feld, Kreisbahn im B-Feld, Geschwindigkeitsfilter).

Tiefe

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Elektrische und magnetische Felder
    • 01Ladung, Coulomb-Gesetz und die elektrische Feldstärke○
    • 02Potential, Spannung und Energie im elektrischen Feld◐
    • 03Der Kondensator als Ladungs- und Energiespeicher◐
    • 04Magnetische Flussdichte und die Lorentz-Kraft◐
    • 05Geladene Teilchen in gekreuzten Feldern — der Geschwindigkeitsfilter●
    • 06Ablenkung im transversalen E-Feld — die Braunsche Röhre●

6 Abschnitte · 30 Merksätze · 15 Formeln · 30 Fehlerwarnungen

§ 01
§ 01

Ladung, Coulomb-Gesetz und die elektrische Feldstärke#

~6 Min Lesezeit●○○BasisLPKMK 2.6.1LPFeldkonzept

Plattenkondensator — homogenes E-Feld

Plattenkondensator — homogenes E-FeldSchematische Darstellung mit 7 Elementen, +, −, E, d+−Ed
Abb. 2Zwischen den Platten herrscht ein nahezu homogenes elektrisches Feld E=U/dE = U/dE=U/d.

Kernpunkte

Zwei geladene Körper üben Kräfte aufeinander aus, ohne sich zu berühren. Die Physik erklärt das nicht durch eine Fernwirkung, sondern durch einen Zwischenschritt: Jede Ladung verändert den Raum um sich herum, und dieser veränderte Raum — das Feld — übt die Kraft auf eine zweite Ladung aus. Das Feld ist damit kein Rechentrick, sondern die Aussage, dass die Wechselwirkung lokal übertragen wird. Die KMK führt „Elektrische und magnetische Felder" als eigenen Inhaltsbereich, weil dieses eine Bild Elektrostatik, Magnetismus und später die elektromagnetische Welle zusammenhält.
Für zwei ruhende Punktladungen q1q_1q1​ und q2q_2q2​ im Abstand rrr beschreibt das Coulomb-Gesetz den Betrag der Kraft. Es gilt streng für Punktladungen und — wegen der Kugelsymmetrie — auch für gleichmäßig geladene Kugeln, wobei dann der Abstand der Mittelpunkte einzusetzen ist. Die elektrische Feldkonstante beträgt ε0=8,854⋅10−12 C2/(N m2)\varepsilon_0 = 8{,}854\cdot 10^{-12}\,\text{C}^2/(\text{N}\,\text{m}^2)ε0​=8,854⋅10−12C2/(Nm2); in Luft rechnet man mit εr≈1\varepsilon_r \approx 1εr​≈1.
Formal ist das Coulomb-Gesetz mit dem Newtonschen Gravitationsgesetz identisch — beide fallen mit 1/r21/r^21/r2. Physikalisch trennt sie zweierlei: Ladungen tragen ein Vorzeichen und können sich abstoßen, Massen niemals; und die elektrische Kraft ist im Atom rund 103910^{39}1039-mal stärker als die Gravitation (siehe Rechenbeispiel). Dass im Sonnensystem trotzdem die Gravitation regiert, liegt an der Neutralität großer Materiemengen: Ladungen kompensieren sich, Massen addieren sich.
Die elektrische Feldstärke ist als Kraft pro Ladung einer Probeladung definiert: E⃗=F⃗/q\vec E = \vec F/qE=F/q. „Probe" ist dabei wörtlich zu nehmen — qqq muss klein genug sein, um die felderzeugende Ladungsverteilung nicht zu verschieben. Die Einheit 1 N/C1\,\text{N/C}1N/C ist identisch mit 1 V/m1\,\text{V/m}1V/m. Vereinbart ist die Richtung der Kraft auf eine POSITIVE Probeladung; auf eine negative Ladung wirkt die Kraft entgegen der Feldrichtung.
Mehrere Ladungen überlagern sich ungestört: Die Gesamtfeldstärke ist die VEKTORIELLE Summe der Einzelfeldstärken, praktisch also komponentenweise Ex=∑Ei,xE_x = \sum E_{i,x}Ex​=∑Ei,x​ und Ey=∑Ei,yE_y = \sum E_{i,y}Ey​=∑Ei,y​. Dieses Superpositionsprinzip ist eines der vier KMK-Basiskonzepte und kehrt bei Wellen, Induktion und Quantenobjekten unverändert wieder.
Feldlinienbilder machen das Feld anschaulich (siehe ). Sie beginnen an positiven und enden an negativen Ladungen, schneiden sich nie — an einem Schnittpunkt wären zwei Kraftrichtungen zugleich definiert — und treten senkrecht aus Leiteroberflächen aus. Die Liniendichte ist ein QUALITATIVES Maß der Feldstärke: Aus einer Skizze werden keine Zahlenwerte abgelesen.

Feldrichtung im elektrischen Dipol

Elektrischer Dipol — FeldrichtungVektorfeld, x' = (x+1)/(hypot(x+1,y)^3 + 0.05) - (x-1)/(hypot(x-1,y)^3 + 0.05), y' = y/(hypot(x+1,y)^3 + 0.05) - y/(hypot(x-1,y)^3 + 0.05)xy
Abb. 1Überlagerung der Felder zweier entgegengesetzt gleicher Punktladungen. Die Pfeile weisen überall von der positiven zur negativen Ladung — das Feld ist die vektorielle Summe beider Einzelfelder.
Abb. 1 ↓
Der Plattenkondensator ist der wichtigste Sonderfall, weil sein Feld im Innenraum homogen ist: gleicher Betrag, gleiche Richtung überall. Dann und nur dann gilt der einfache Zusammenhang U=E dU = E\,dU=Ed, aus dem sich EEE bequem messen lässt. In Randnähe wölben sich die Linien nach außen; diese Streufelder werden in der Schulrechnung vernachlässigt, was den Plattenabstand klein gegenüber der Plattenausdehnung voraussetzt.
Ladung tritt nicht in beliebigen Portionen auf, sondern nur als ganzzahliges Vielfaches der Elementarladung e=1,602 176 634⋅10−19 Ce = 1{,}602\,176\,634\cdot 10^{-19}\,\text{C}e=1,602176634⋅10−19C — seit der SI-Revision von 2019 ist dieser Wert exakt festgelegt und definiert das Coulomb. Millikans Schwebemethode ist der klassische Beleg: Nicht ein einzelner Messwert zeigt die Quantisierung, sondern die Tatsache, dass über viele Tröpfchen hinweg nur Vielfache eines kleinsten Betrags auftreten.

Vokabeln

→ Kartei
  • die FeldstärkeKraft je Probeladung, $\vec E = \vec F/q$; Einheit V/mvektorielle Größe — Richtung immer bezogen auf eine positive Probeladung
  • die Probeladunggedachte kleine Ladung, mit der ein Feld ausgemessen wirdmuss so klein sein, dass sie die Quellladungen nicht verschiebt
  • die Elementarladungkleinste frei auftretende Ladung, $e = 1{,}602\,176\,634\cdot 10^{-19}$ Cseit 2019 exakt definiert
  • das Superpositionsprinzipungestörte vektorielle Überlagerung mehrerer Felder
  • homogenüberall gleicher Betrag und gleiche RichtungGegenbegriff: radial (Punktladung)

Coulomb-Gesetz

FC=14πε0 q1q2r2F_C = \dfrac{1}{4\pi\varepsilon_0}\,\dfrac{q_1 q_2}{r^2}FC​=4πε0​1​r2q1​q2​​

ε0=8,854⋅10−12 C2/(N m2)\varepsilon_0 = 8{,}854\cdot 10^{-12}\,\text{C}^2/(\text{N}\,\text{m}^2)ε0​=8,854⋅10−12C2/(Nm2).

Elektrische Feldstärke

E⃗=F⃗q,U=E d  (homogen)\vec E = \dfrac{\vec F}{q},\quad U = E\,d\;\text{(homogen)}E=qF​,U=Ed(homogen)
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Musterlösung

Coulomb-Kraft gegen Gravitationskraft im Wasserstoffatom

Im Bohrschen Wasserstoffmodell umkreist das Elektron das Proton im Abstand r=5,29⋅10−11 mr = 5{,}29\cdot 10^{-11}\,\text{m}r=5,29⋅10−11m. Berechnen Sie die Coulomb-Kraft und die Gravitationskraft zwischen beiden Teilchen und beurteilen Sie, welche Wechselwirkung die Struktur des Atoms bestimmt.

  1. 01Coulomb-Kraft ansetzen

    Proton und Elektron tragen die Beträge eee; mit k=1/(4πε0)=8,99⋅109 N m2/C2k = 1/(4\pi\varepsilon_0) = 8{,}99\cdot 10^9\,\text{N}\,\text{m}^2/\text{C}^2k=1/(4πε0​)=8,99⋅109Nm2/C2 lautet der Ansatz:

    FC=k e2r2F_C = k\,\dfrac{e^2}{r^2}FC​=kr2e2​
  2. 02Coulomb-Kraft auswerten

    Einsetzen: FC=8,99⋅109⋅(1,602⋅10−19)2/(5,29⋅10−11)2≈8,24⋅10−8 NF_C = 8{,}99\cdot 10^9 \cdot (1{,}602\cdot 10^{-19})^2 / (5{,}29\cdot 10^{-11})^2 \approx 8{,}24\cdot 10^{-8}\,\text{N}FC​=8,99⋅109⋅(1,602⋅10−19)2/(5,29⋅10−11)2≈8,24⋅10−8N.

  3. 03Gravitationskraft auswerten

    Mit mp=1,673⋅10−27 kgm_p = 1{,}673\cdot 10^{-27}\,\text{kg}mp​=1,673⋅10−27kg, me=9,109⋅10−31 kgm_e = 9{,}109\cdot 10^{-31}\,\text{kg}me​=9,109⋅10−31kg und G=6,674⋅10−11 N m2/kg2G = 6{,}674\cdot 10^{-11}\,\text{N}\,\text{m}^2/\text{kg}^2G=6,674⋅10−11Nm2/kg2 ergibt sich FG≈3,63⋅10−47 NF_G \approx 3{,}63\cdot 10^{-47}\,\text{N}FG​≈3,63⋅10−47N.

    FG=G mp mer2F_G = G\,\dfrac{m_p\,m_e}{r^2}FG​=Gr2mp​me​​
  4. 04Verhältnis bilden

    Da beide Kräfte dieselbe 1/r21/r^21/r2-Abhängigkeit tragen, kürzt sich rrr heraus: FC/FG=ke2/(Gmpme)≈2,3⋅1039F_C/F_G = k e^2/(G m_p m_e) \approx 2{,}3\cdot 10^{39}FC​/FG​=ke2/(Gmp​me​)≈2,3⋅1039 — unabhängig vom Abstand.

  5. 05Ergebnis einordnen

    Die Gravitation ist um 39 Zehnerpotenzen schwächer und im Atom vollständig vernachlässigbar. Dass sie im Sonnensystem dennoch dominiert, liegt daran, dass Materie im Großen elektrisch neutral ist: positive und negative Ladungen kompensieren sich, Massen dagegen addieren sich immer.

Ergebnis: FC≈8,2⋅10−8 NF_C \approx 8{,}2\cdot 10^{-8}\,\text{N}FC​≈8,2⋅10−8N, FG≈3,6⋅10−47 NF_G \approx 3{,}6\cdot 10^{-47}\,\text{N}FG​≈3,6⋅10−47N; das Verhältnis FC/FG≈2,3⋅1039F_C/F_G \approx 2{,}3\cdot 10^{39}FC​/FG​≈2,3⋅1039 ist abstandsunabhängig — der Aufbau des Atoms wird allein durch die elektrische Wechselwirkung bestimmt.

Musterlösung

Schwebemethode nach Millikan — Ladung eines Öltröpfchens

Ein Öltröpfchen der Masse m=3,27⋅10−15 kgm = 3{,}27\cdot 10^{-15}\,\text{kg}m=3,27⋅10−15kg schwebt in einem Plattenkondensator mit Plattenabstand d=6,00 mmd = 6{,}00\,\text{mm}d=6,00mm bei der Spannung U=250 VU = 250\,\text{V}U=250V. Bestimmen Sie die Ladung des Tröpfchens und deuten Sie das Ergebnis.

  1. 01Kräftegleichgewicht aufstellen

    Im Schwebezustand ist die resultierende Kraft null: die elektrische Kraft Fel=q EF_{\text{el}} = q\,EFel​=qE trägt die Gewichtskraft FG=m gF_G = m\,gFG​=mg. Das ist das KMK-Basiskonzept „Erhaltung und Gleichgewicht" in seiner einfachsten Form.

    q E=m gq\,E = m\,gqE=mg
  2. 02Feldstärke aus der Geometrie

    Zwischen den Platten ist das Feld homogen, also E=U/d=250 V/6,00⋅10−3 m≈4,17⋅104 V/mE = U/d = 250\,\text{V} / 6{,}00\cdot 10^{-3}\,\text{m} \approx 4{,}17\cdot 10^4\,\text{V/m}E=U/d=250V/6,00⋅10−3m≈4,17⋅104V/m.

  3. 03Ladung berechnen

    Auflösen und einsetzen: q=3,27⋅10−15⋅9,81/(4,17⋅104)≈7,70⋅10−19 Cq = 3{,}27\cdot 10^{-15}\cdot 9{,}81 / (4{,}17\cdot 10^4) \approx 7{,}70\cdot 10^{-19}\,\text{C}q=3,27⋅10−15⋅9,81/(4,17⋅104)≈7,70⋅10−19C.

    q=m gE=m g dUq = \dfrac{m\,g}{E} = \dfrac{m\,g\,d}{U}q=Emg​=Umgd​
  4. 04Ergebnis deuten

    Der Quotient q/e=7,70⋅10−19/1,602⋅10−19≈4,8q/e = 7{,}70\cdot 10^{-19} / 1{,}602\cdot 10^{-19} \approx 4{,}8q/e=7,70⋅10−19/1,602⋅10−19≈4,8 liegt nahe bei 5. Das Tröpfchen trägt also fünf Elementarladungen. Genau darin besteht Millikans Argument: über viele Tröpfchen hinweg treten nur ganzzahlige Vielfache eines kleinsten Betrags auf — Ladung ist quantisiert.

Ergebnis: Ladung q≈7,7⋅10−19 C≈5 eq \approx 7{,}7\cdot 10^{-19}\,\text{C} \approx 5\,eq≈7,7⋅10−19C≈5e. Der Nachweis der Quantisierung liegt nicht im Einzelwert, sondern darin, dass alle gemessenen Ladungen ganzzahlige Vielfache von eee sind.

Abiturfokus

  • Der Operator „berechnen" verlangt laut Operatorenliste ausdrücklich die Darstellung ausgehend von einem Ansatz: erst die Formel, dann das Einsetzen mit Einheiten, dann das Ergebnis. Eine nackte Zahl kostet die Ansatzpunkte, auch wenn sie stimmt.
  • „Skizzieren" Sie Feldlinienbilder mit vier bepunktbaren Merkmalen: Richtungspfeile, Beginn an der positiven Ladung, Ende an der negativen, senkrechter Austritt aus Leiteroberflächen.
  • „Begründen" Sie den vektoriellen Charakter von E⃗\vec EE über die Kraftrichtung auf eine Probeladung — nicht über die Formel; verlangt ist die physikalische Ursache, nicht die Schreibweise.
  • „Vergleichen" heißt: Gemeinsamkeiten UND Unterschiede kriteriengeleitet herausarbeiten. Bei Coulomb gegen Gravitation sind die Kriterien Abstandsgesetz, Vorzeichen und Größenordnung.
  • „Erläutern" Sie den Millikan-Versuch mit der richtigen Kernaussage: Beleg ist die Ganzzahligkeit der Vielfachen über viele Tröpfchen, nicht der Zahlenwert eines einzelnen.

Typische Fehler

  • Im Coulomb-Gesetz mit 1/r1/r1/r statt 1/r21/r^21/r2 gerechnet. Prüfgriff: Verdoppelt man den Abstand, muss die Kraft auf ein Viertel fallen.
  • Beträge der Einzelfeldstärken addiert statt der Vektoren. Richtig ist die komponentenweise Addition Ex=∑Ei,xE_x = \sum E_{i,x}Ex​=∑Ei,x​, Ey=∑Ei,yE_y = \sum E_{i,y}Ey​=∑Ei,y​, danach ∣E⃗∣=Ex2+Ey2|\vec E| = \sqrt{E_x^2 + E_y^2}∣E∣=Ex2​+Ey2​​.
  • U=E dU = E\,dU=Ed auf ein radiales Feld angewandt. Die Beziehung gilt ausschließlich im homogenen Feld; um eine Punktladung nimmt EEE mit 1/r21/r^21/r2 ab, sodass die Spannung nicht linear mit dem Abstand wächst.
  • In E⃗=F⃗/q\vec E = \vec F/qE=F/q die felderzeugende Ladung statt der Probeladung eingesetzt. qqq ist immer die Ladung, auf die die Kraft wirkt.
  • Bei negativen Ladungen das Vorzeichen unterschlagen: Auf ein Elektron zeigt F⃗\vec FF ENTGEGEN E⃗\vec EE, es wird also zur positiven Platte hin beschleunigt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Begründen Sie mit dem Superpositionsprinzip, warum das Feld im Inneren einer gleichmäßig geladenen Kugelschale überall null ist, außerhalb aber exakt dem Feld einer im Mittelpunkt sitzenden Punktladung gleicht. Übertragen Sie das Ergebnis auf die Abschirmwirkung eines Faradayschen Käfigs.

§ 01

Aktive Wiederholung

Zwei gleich große Punktladungen q=+2,0 nCq = +2{,}0\,\text{nC}q=+2,0nC liegen 8,0 cm8{,}0\,\text{cm}8,0cm voneinander entfernt. Bestimmen Sie Betrag und Richtung der elektrischen Feldstärke im Punkt P, der von beiden Ladungen jeweils 5,0 cm5{,}0\,\text{cm}5,0cm entfernt ist, und begründen Sie ohne Rechnung, warum die zur Verbindungslinie parallelen Komponenten sich aufheben.

Passende Aufgaben üben70 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards im Fach Physik für die Allgemeine Hochschulreife (2020), Kap. 2.6.1 (Kultusministerkonferenz) · LEIFIphysik — Elektrisches Feld: Grundlagen, Versuche und Aufgaben (Joachim Herz Stiftung)

§ 02
§ 02

Potential, Spannung und Energie im elektrischen Feld#

~5 Min Lesezeit●●○StandardLPKMK 2.6.1LPKörper in statischen Feldern

Potential und potentielle Energie im elektrischen Feld

Potential und potentielle Energie im elektrischen FeldTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Größe · Definition · Was sie beschreibt; Potential φ · φ = E_pot/q · Eigenschaft des Feldes allein — Einheit Volt; Spannung U · U = φ₁ − φ₂ · Potentialdifferenz zwischen zwei Punkten; Potentielle Energie · E_pot = q·φ · Hängt von der Probeladung ab; Homogenes Feld · E = U/d · Nur im Plattenkondensator; Radialfeld · φ = (1/4πε₀)·Q/r · Bezugspunkt: φ = 0 im Unendlichen; Äquipotentialfläche · Fläche mit φ = konstant · Steht überall senkrecht auf den Feldlinien; 🔴 Merksatz · Auf einer Äquipotentialfläche wird keine Arbeit verrichtet · Weil die Kraft senkrecht zum Weg stehtGrößeDefinitionWas sie beschreibtPotential φφ = Epot/qEigenschaft des Feldesallein — Einheit VoltSpannung UU = φ₁ − φ₂Potentialdifferenz zwischenzwei PunktenPotentielle EnergieEpot = q·φHängt von der Probeladung abHomogenes FeldE = U/dNur im PlattenkondensatorRadialfeldφ = (1/4πε₀)·Q/rBezugspunkt: φ = 0 imUnendlichenÄquipotentialflächeFläche mit φ = konstantSteht überall senkrecht aufden Feldlinien🔴 MerksatzAuf einerÄquipotentialfläche wirdkeine Arbeit verrichtetWeil die Kraft senkrecht zumWeg steht
Abb. 3Potential ist eine Eigenschaft des FELDES, potentielle Energie eine Eigenschaft von Ladung UND Feld. Die Verwechslung ist die häufigste Fehlerquelle des Kapitels.

Kernpunkte

Wer eine Ladung im Feld verschiebt, verrichtet Arbeit — und zwar unabhängig vom gewählten Weg. Genau diese Wegunabhängigkeit erlaubt es, jedem Raumpunkt eine Zahl zuzuordnen: das Potential φ\varphiφ. Das elektrostatische Feld gehört damit zu den konservativen Feldern, ganz wie das Schwerefeld, und die gesamte Energiebuchführung der Mechanik lässt sich übertragen.
Das Potential allein ist nicht messbar, nur seine Differenz — und diese Differenz ist die Spannung: U12=φ1−φ2U_{12} = \varphi_1 - \varphi_2U12​=φ1​−φ2​. Ein Potential anzugeben setzt daher immer einen willkürlich gewählten Nullpunkt voraus (im freien Raum das Unendliche, in Schaltungen die Masse). Die Spannung dagegen ist von dieser Wahl unabhängig. Wer beides gleichsetzt, verliert im Erwartungshorizont regelmäßig Punkte.
Für eine Punktladung fällt das Potential mit 1/r1/r1/r ab — eine Potenz langsamer als die Feldstärke mit 1/r21/r^21/r2. Das ist kein Zufall: Die Feldstärke ist die räumliche Änderungsrate des Potentials, E=−dφ/drE = -\mathrm{d}\varphi/\mathrm{d}rE=−dφ/dr. Im homogenen Feld vereinfacht sich das zur bekannten Form E=U/dE = U/dE=U/d.
Die Energie, die eine Ladung qqq beim Durchlaufen der Spannung UUU aufnimmt, ist W=q UW = q\,UW=qU. Für ein aus der Ruhe beschleunigtes Elektron heißt das 12mev2=e U\tfrac{1}{2}m_e v^2 = e\,U21​me​v2=eU — die Beschleunigungsspannung übersetzt sich unmittelbar in kinetische Energie. Man rechnet stets mit dem BETRAG der Ladung und entscheidet die Richtung durch physikalische Überlegung, nicht durch das Vorzeichen in der Formel.
Weil in der Atom- und Teilchenphysik ständig Ladungen durch Spannungen beschleunigt werden, hat sich eine eigene Energieeinheit eingebürgert: 1 eV=1,602⋅10−19 J1\,\text{eV} = 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\text{J}1eV=1,602⋅10−19J ist die Energie, die eine Elementarladung beim Durchlaufen von einem Volt gewinnt. Ein Elektron aus einer 400-V-Röhre trägt also schlicht 400 eV400\,\text{eV}400eV — die Einheit erspart die Umrechnung, verlangt aber, dass in jeder mit SI-Größen gemischten Rechnung zurückgerechnet wird.
Flächen gleichen Potentials — Äquipotentialflächen — stehen überall senkrecht auf den Feldlinien. Der Grund ist energetisch: Eine Bewegung längs einer solchen Fläche kostet keine Arbeit, also darf die Kraft keine Komponente in dieser Richtung haben. Im Plattenkondensator sind es Ebenen parallel zu den Platten, um eine Punktladung konzentrische Kugelschalen. Jede Leiteroberfläche im statischen Fall ist eine Äquipotentialfläche.

Vokabeln

→ Kartei
  • das Potentialpotentielle Energie je Ladung an einem Ort; Einheit Vnur relativ zu einem gewählten Bezugspunkt angebbar
  • die SpannungPotentialdifferenz zwischen zwei Punkten
  • die ÄquipotentialflächeFläche gleichen Potentials, steht senkrecht auf den Feldlinien
  • das ElektronenvoltEnergie einer Elementarladung nach Durchlaufen von 1 V; $1\,$eV $= 1{,}602\cdot 10^{-19}\,$J
  • konservativFeld, in dem die Verschiebearbeit wegunabhängig ist

Potential einer Punktladung

φ(r)=14πε0 qr\varphi(r) = \dfrac{1}{4\pi\varepsilon_0}\,\dfrac{q}{r}φ(r)=4πε0​1​rq​

φ\varphiφ in V, qqq die felderzeugende Ladung in C, rrr der Abstand vom Ladungsort in m; Bezugspunkt ist φ(∞)=0\varphi(\infty) = 0φ(∞)=0.

Energie einer Ladung im Feld und Beschleunigungsspannung

W=q U,12mev2=e UW = q\,U,\qquad \tfrac{1}{2}m_e v^2 = e\,UW=qU,21​me​v2=eU

WWW in J, qqq die bewegte Ladung in C, UUU die durchlaufene Spannung in V; rechts ist mem_eme​ die Elektronenmasse in kg und vvv die Endgeschwindigkeit in m/s.

Feldstärke als Gefälle des Potentials

E=−dφdrE = -\dfrac{\mathrm{d}\varphi}{\mathrm{d}r}E=−drdφ​

Das Minuszeichen sagt: Die Feldstärke zeigt in Richtung des STÄRKSTEN Potentialgefälles, also von hohem zu niedrigem Potential.

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Musterlösung

Elektron in der Beschleunigungsröhre

Ein zunächst ruhendes Elektron durchläuft die Beschleunigungsspannung U=400 VU = 400\,\text{V}U=400V. Berechnen Sie die Endgeschwindigkeit und prüfen Sie die Notwendigkeit einer relativistischen Rechnung.

  1. 01Energieansatz aufstellen

    Die gesamte vom Feld verrichtete Arbeit erscheint als kinetische Energie, da das Elektron aus der Ruhe startet und im Vakuum keine Reibung auftritt.

    e U=12 me v2e\,U = \tfrac{1}{2}\,m_e\,v^2eU=21​me​v2
  2. 02Nach der Geschwindigkeit auflösen

    Umstellen liefert v=2eU/mev = \sqrt{2eU/m_e}v=2eU/me​​; einsetzen: v=2⋅1,602⋅10−19⋅400/9,109⋅10−31v = \sqrt{2\cdot 1{,}602\cdot 10^{-19}\cdot 400 / 9{,}109\cdot 10^{-31}}v=2⋅1,602⋅10−19⋅400/9,109⋅10−31​.

  3. 03Zahlenwert auswerten

    Der Radikand beträgt 1,407⋅1014 m2/s21{,}407\cdot 10^{14}\,\text{m}^2/\text{s}^21,407⋅1014m2/s2, also v≈1,19⋅107 m/sv \approx 1{,}19\cdot 10^7\,\text{m/s}v≈1,19⋅107m/s.

  4. 04Relativistische Korrektur prüfen

    v/c=1,19⋅107/3,00⋅108≈0,040v/c = 1{,}19\cdot 10^7 / 3{,}00\cdot 10^8 \approx 0{,}040v/c=1,19⋅107/3,00⋅108≈0,040. Der Lorentz-Faktor weicht damit um weniger als 0,1 %0{,}1\,\%0,1% von eins ab — die klassische Rechnung ist gerechtfertigt. Erst ab etwa U≈25 kVU \approx 25\,\text{kV}U≈25kV wird die Korrektur in der zweiten Stelle sichtbar.

Ergebnis: Endgeschwindigkeit v≈1,19⋅107 m/sv \approx 1{,}19\cdot 10^7\,\text{m/s}v≈1,19⋅107m/s bei einer Energie von 400 eV400\,\text{eV}400eV; mit v/c≈0,04v/c \approx 0{,}04v/c≈0,04 genügt die klassische Beschreibung.

Abiturfokus

  • „Erläutern" Sie den Unterschied zwischen Potential und Spannung immer über die Bezugspunktwahl: Das Potential braucht einen willkürlichen Nullpunkt, die Spannung als Differenz nicht.
  • Bei „berechnen" der Endgeschwindigkeit im Beschleunigungsfeld führt der Energieansatz eU=12mv2eU = \tfrac12 m v^2eU=21​mv2 schneller und sicherer zum Ziel als der Umweg über Kraft und Beschleunigung.
  • Prüfen Sie bei jedem Ergebnis oberhalb von etwa 10%10\%10% der Lichtgeschwindigkeit, ob relativistisch gerechnet werden muss — dieser Plausibilitätsschritt wird im Anforderungsbereich III erwartet.
  • „Skizzieren" Sie Äquipotentialflächen stets als Kurvenschar SENKRECHT zu den Feldlinien; die Begründung dafür ist die verschwindende Arbeit längs der Fläche.
  • „Beurteilen" Sie Energieangaben in eV, indem Sie die Größenordnung einordnen: chemische Bindungen einige eV, Röntgenquanten einige 104 10^4\,104eV, Kernprozesse MeV.

Typische Fehler

  • Potential und Spannung gleichgesetzt. Eine Aufgabe, die „das Potential im Punkt P" verlangt, erwartet die Angabe des Bezugspunkts.
  • In Ekin=e UE_{\text{kin}} = e\,UEkin​=eU das negative Vorzeichen der Elektronenladung mitgeführt und eine negative kinetische Energie erhalten. Es wird stets mit ∣e∣|e|∣e∣ gerechnet.
  • Bei einer Punktladung das Bezugsniveau im Endlichen gewählt; die Formel φ(r)=q/(4πε0r)\varphi(r) = q/(4\pi\varepsilon_0 r)φ(r)=q/(4πε0​r) setzt φ(∞)=0\varphi(\infty) = 0φ(∞)=0 voraus.
  • eV und Joule in derselben Rechnung vermischt. Vor dem Einsetzen in 12mv2\tfrac12 m v^221​mv2 muss in Joule umgerechnet werden.
  • Äquipotentialflächen parallel zu den Feldlinien gezeichnet statt senkrecht dazu.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Leiten Sie aus W=∫F⃗⋅ds⃗W = \int \vec F\cdot \mathrm{d}\vec sW=∫F⋅ds und dem Coulomb-Gesetz das Potential φ(r)=q/(4πε0r)\varphi(r) = q/(4\pi\varepsilon_0 r)φ(r)=q/(4πε0​r) her und begründen Sie, warum das Integral wegunabhängig ist. Diskutieren Sie anschließend das Potential einer Hohlkugel: innen konstant, außen Coulomb-Form.

§ 02

Aktive Wiederholung

Ein Elektron wird aus der Ruhe durch die Spannung U=400 VU = 400\,\text{V}U=400V beschleunigt. Berechnen Sie seine Endgeschwindigkeit und beurteilen Sie, ob eine relativistische Rechnung nötig ist. Geben Sie seine Energie zusätzlich in Elektronenvolt an.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: LEIFIphysik — Potential und Spannung im elektrischen Feld (Joachim Herz Stiftung) · OpenStax University Physics Volume 2 — Electric Potential (OpenStax (Rice University))

§ 03
§ 03

Der Kondensator als Ladungs- und Energiespeicher#

~6 Min Lesezeit●●○StandardLPKMK 2.6.1LPFeldkonzept

RC-Glied: Aufladen und Entladen eines Kondensators

RC-GliedSchaltplan mit 5 Bauteilen, battery U_0, switch S, resistor R, capacitor C, wireU0Si(t)RC
Abb. 4Über den Widerstand R lädt die Quelle den Kondensator C auf; in Schalterstellung „entladen" fließt der Strom über denselben Widerstand zurück. Die Zeitkonstante ist in beiden Fällen τ = R·C.

Kernpunkte

Ein Kondensator speichert Ladung, indem er sie trennt: Auf der einen Platte sammelt sich ein Überschuss, auf der anderen ein gleich großer Mangel. Die aufgenommene Ladung wächst dabei streng proportional zur angelegten Spannung, und der Proportionalitätsfaktor C=Q/UC = Q/UC=Q/U heißt Kapazität. Sie ist eine reine Bauteileigenschaft — sie hängt von Geometrie und Füllmaterial ab, nicht davon, wie viel Ladung gerade gespeichert ist.
Für den Plattenkondensator folgt die Kapazität aus der Geometrie: C=ε0εrA/dC = \varepsilon_0\varepsilon_r A/dC=ε0​εr​A/d. Große Fläche und kleiner Abstand erhöhen sie. Die Einheit Farad ist im Alltag riesig — 1 F=1 C/V1\,\text{F} = 1\,\text{C/V}1F=1C/V —, weshalb reale Bauteile in pF, nF oder µF angegeben werden; die Rechenbeispiele der Schule landen typischerweise bei einigen hundert Pikofarad.
Ein Dielektrikum zwischen den Platten erhöht die Kapazität um den Faktor εr\varepsilon_rεr​. Der Mechanismus ist die Polarisation: Im elektrischen Feld richten sich Moleküldipole aus beziehungsweise werden induziert, ihre Oberflächenladungen erzeugen ein Gegenfeld, und das Gesamtfeld im Inneren sinkt. Bei fester Ladung sinkt damit die Spannung, bei fester Spannung strömt zusätzliche Ladung nach — in beiden Fällen steigt Q/UQ/UQ/U.
Die gespeicherte Energie ist EC=12CU2=12QU=Q2/(2C)E_C = \tfrac{1}{2}CU^2 = \tfrac{1}{2}QU = Q^2/(2C)EC​=21​CU2=21​QU=Q2/(2C). Der Faktor 12\tfrac1221​ überrascht viele: Er entsteht, weil die Spannung während des Ladens von null auf UUU ANSTEIGT, die Ladungsportionen also im Mittel nur die halbe Endspannung durchlaufen. Wer welche der drei Formen wählt, richtet sich danach, welche zwei Größen gegeben sind.
Die Energie sitzt physikalisch im FELD, nicht auf den Platten. Das zeigt die Energiedichte w=12ε0εrE2w = \tfrac{1}{2}\varepsilon_0\varepsilon_r E^2w=21​ε0​εr​E2: Sie ist eine lokale Größe, die überall dort von null verschieden ist, wo ein Feld herrscht. Diese Einsicht trägt später die elektromagnetische Welle, die Energie durch den leeren Raum transportiert, ganz ohne Ladungsträger.
In Schaltungen addieren sich Kapazitäten bei Parallelschaltung (Cges=∑CiC_{\text{ges}} = \sum C_iCges​=∑Ci​ — die wirksame Fläche wächst), während bei Reihenschaltung die Kehrwerte addiert werden (1/Cges=∑1/Ci1/C_{\text{ges}} = \sum 1/C_i1/Cges​=∑1/Ci​ — der wirksame Abstand wächst). Das ist genau umgekehrt zu Widerständen; die Merkhilfe ist die Geometrie, nicht das Auswendiglernen.
Über einen Widerstand geladen oder entladen, folgt die Kondensatorspannung einem Exponentialgesetz (siehe und 3): uC(t)=U0 e−t/τu_C(t) = U_0\,e^{-t/\tau}uC​(t)=U0​e−t/τ beim Entladen, uC(t)=U0(1−e−t/τ)u_C(t) = U_0(1 - e^{-t/\tau})uC​(t)=U0​(1−e−t/τ) beim Laden, mit der Zeitkonstante τ=R C\tau = R\,Cτ=RC. Nach t=τt = \taut=τ sind erst rund 37 %37\,\%37% der Anfangsspannung übrig beziehungsweise 63 %63\,\%63% des Endwerts erreicht — τ\tauτ ist ausdrücklich NICHT die Dauer des Vorgangs, der theoretisch nie endet.

Vokabeln

→ Kartei
  • die KapazitätLadung je Spannung, $C = Q/U$; Einheit Farad
  • das Dielektrikumnichtleitendes Füllmaterial zwischen den Plattenerhöht die Kapazität um den Faktor $\varepsilon_r$
  • die PolarisationAusrichtung bzw. Induktion von Moleküldipolen im Feld
  • die ZeitkonstanteProdukt $\tau = R\,C$; nach $\tau$ sind 37 % der Anfangsspannung übrig
  • die Energiedichteim Feld je Volumen gespeicherte Energie in J/m³

Kapazität eines Kondensators

C=QU,CPlatte=ε0εrAdC = \dfrac{Q}{U},\quad C_{\text{Platte}} = \varepsilon_0\varepsilon_r\dfrac{A}{d}C=UQ​,CPlatte​=ε0​εr​dA​

Im Kondensator gespeicherte Energie

EC=12 C U2=12 Q U=Q22 CE_C = \tfrac{1}{2}\,C\,U^2 = \tfrac{1}{2}\,Q\,U = \dfrac{Q^2}{2\,C}EC​=21​CU2=21​QU=2CQ2​

ECE_CEC​ in J, CCC die Kapazität in F, UUU die Spannung in V, QQQ die gespeicherte Ladung in C. Alle drei Formen sind gleichwertig — gewählt wird die mit den gegebenen Größen.

Energiedichte des elektrischen Feldes

w=12 ε0 εr E2w = \tfrac{1}{2}\,\varepsilon_0\,\varepsilon_r\,E^2w=21​ε0​εr​E2

www in J/m³ ist die je Volumeneinheit im Feld gespeicherte Energie; EEE die Feldstärke in V/m, εr\varepsilon_rεr​ die dimensionslose Permittivitätszahl des Materials.

Entladen und Laden am RC-Glied

uC(t)=U0 e−t/τbzw.uC(t)=U0(1−e−t/τ),τ=R Cu_C(t) = U_0\,e^{-t/\tau}\quad\text{bzw.}\quad u_C(t) = U_0\left(1 - e^{-t/\tau}\right),\qquad \tau = R\,CuC​(t)=U0​e−t/τbzw.uC​(t)=U0​(1−e−t/τ),τ=RC

uCu_CuC​ die Kondensatorspannung in V, U0U_0U0​ der Anfangs- bzw. Endwert in V, ttt die Zeit in s, τ\tauτ die Zeitkonstante in s (RRR in Ω, CCC in F).

RC-Entladung — exponentieller Verlauf

RC-Entladung — exponentieller VerlaufSchaubild von U(t) = U_0·e^(−t/RC), y-Achsenabschnitt bei y = 1, fallend, im Bereich x von 0 bis 5123450.20.40.60.81τ = RCU00,368·U0τ = RCU(t) = U0·e(−t/RC)Ut
Abb. 5Spannung am Kondensator fällt nach U(t)=U0e−t/(RC)U(t) = U_0 e^{-t/(RC)}U(t)=U0​e−t/(RC); nach τ=RC\tau = RCτ=RC ist UUU auf 36,8%36{,}8\%36,8% abgefallen.

Spannungsverlauf U(t) = U₀ e⁻t/(RC) am Kondensator

Abb. 6Nach einer Zeitkonstanten \tau = RC ist U(t) auf 1/e ≈36,8\% gefallen.

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Musterlösung

Plattenkondensator — Kapazität, Energie und die Wirkung des Dielektrikums

Ein Plattenkondensator hat die Plattenfläche A=200 cm2A = 200\,\text{cm}^2A=200cm2 und den Plattenabstand d=1,00 mmd = 1{,}00\,\text{mm}d=1,00mm und liegt an U=200 VU = 200\,\text{V}U=200V. Berechnen Sie Kapazität und gespeicherte Energie. Beurteilen Sie anschließend, wie sich die Energie ändert, wenn bei angeschlossener Quelle ein Dielektrikum mit εr=4,0\varepsilon_r = 4{,}0εr​=4,0 eingeschoben wird.

  1. 01Kapazität aus der Geometrie

    Mit A=200 cm2=2,00⋅10−2 m2A = 200\,\text{cm}^2 = 2{,}00\cdot 10^{-2}\,\text{m}^2A=200cm2=2,00⋅10−2m2 folgt C=8,854⋅10−12⋅2,00⋅10−2/1,00⋅10−3≈1,77⋅10−10 F=177 pFC = 8{,}854\cdot 10^{-12}\cdot 2{,}00\cdot 10^{-2}/1{,}00\cdot 10^{-3} \approx 1{,}77\cdot 10^{-10}\,\text{F} = 177\,\text{pF}C=8,854⋅10−12⋅2,00⋅10−2/1,00⋅10−3≈1,77⋅10−10F=177pF.

    C=ε0 εr AdC = \varepsilon_0\,\varepsilon_r\,\dfrac{A}{d}C=ε0​εr​dA​
  2. 02Gespeicherte Energie

    EC=12⋅1,77⋅10−10⋅(200)2≈3,54⋅10−6 J=3,54 μJE_C = \tfrac{1}{2}\cdot 1{,}77\cdot 10^{-10}\cdot (200)^2 \approx 3{,}54\cdot 10^{-6}\,\text{J} = 3{,}54\,\mu\text{J}EC​=21​⋅1,77⋅10−10⋅(200)2≈3,54⋅10−6J=3,54μJ — winzig gegenüber einer Batterie, aber in Nanosekunden abrufbar.

    EC=12 C U2E_C = \tfrac{1}{2}\,C\,U^2EC​=21​CU2
  3. 03Dielektrikum bei konstanter Spannung

    Die Quelle bleibt angeschlossen, also bleibt U=200 VU = 200\,\text{V}U=200V fest. Die Kapazität vervierfacht sich auf C′=4,0 C≈708 pFC' = 4{,}0\,C \approx 708\,\text{pF}C′=4,0C≈708pF, und weil EC∝CE_C \propto CEC​∝C bei festem UUU gilt, vervierfacht sich auch die Energie auf ≈14,2 μJ\approx 14{,}2\,\mu\text{J}≈14,2μJ.

  4. 04Energiebilanz prüfen

    Die zusätzliche Energie kann nicht aus dem Nichts stammen: Sie wird der Quelle entnommen, die die Ladung ΔQ=ΔC⋅U\Delta Q = \Delta C\cdot UΔQ=ΔC⋅U nachliefert. Die Quelle gibt dabei ΔQ⋅U\Delta Q\cdot UΔQ⋅U ab, wovon die Hälfte im Feld landet und die Hälfte beim Hineinziehen des Dielektrikums als Arbeit und Wärme umgesetzt wird.

Ergebnis: C≈177 pFC \approx 177\,\text{pF}C≈177pF, EC≈3,54 μJE_C \approx 3{,}54\,\mu\text{J}EC​≈3,54μJ; mit εr=4,0\varepsilon_r = 4{,}0εr​=4,0 bei konstanter Spannung C′≈708 pFC' \approx 708\,\text{pF}C′≈708pF und EC′≈14,2 μJE_C' \approx 14{,}2\,\mu\text{J}EC′​≈14,2μJ — die Energie vervierfacht sich, weil die Quelle Ladung nachschiebt.

Abiturfokus

  • „Berechnen" Sie die Energie mit der Form, die zu den gegebenen Größen passt: 12CU2\tfrac12 CU^221​CU2 bei gegebener Spannung, Q2/(2C)Q^2/(2C)Q2/(2C) bei gegebener Ladung — das erspart einen Zwischenschritt und damit eine Fehlerquelle.
  • Bei Dielektrikums-Aufgaben ist die erste Frage immer: bleibt die QUELLE angeschlossen (dann ist UUU konstant) oder ist der Kondensator abgetrennt (dann ist QQQ konstant)? Von dieser Unterscheidung hängt das gesamte Ergebnis ab.
  • „Erläutern" Sie die Wirkung des Dielektrikums über die Polarisation und das entstehende Gegenfeld — die bloße Angabe „CCC wird größer" beschreibt nur, erklärt aber nicht.
  • Lesen Sie die Zeitkonstante aus einem gemessenen Entladediagramm ab, indem Sie die Zeit bis zum Abfall auf 37 %37\,\%37% bestimmen; alternativ linearisiert ln⁡(uC)\ln(u_C)ln(uC​) gegen ttt die Kurve, und die Steigung ist −1/τ-1/\tau−1/τ.
  • „Beurteilen" Sie technische Größenordnungen: Ein Blitzlichtkondensator gibt seine Energie in Millisekunden ab, ein Netzteil-Elko glättet mit τ\tauτ im Bereich zehntel Sekunden.

Typische Fehler

  • EC=QUE_C = QUEC​=QU statt 12QU\tfrac12 QU21​QU verwendet. Der Faktor 12\tfrac1221​ folgt daraus, dass die Spannung beim Laden erst aufgebaut wird.
  • Die Formeln für Reihen- und Parallelschaltung mit denen für Widerstände vertauscht. Bei Kondensatoren addieren sich die Kapazitäten PARALLEL.
  • Das Dielektrikum in C=ε0εrA/dC = \varepsilon_0\varepsilon_r A/dC=ε0​εr​A/d vergessen, obwohl εr\varepsilon_rεr​ in der Aufgabe angegeben war.
  • Die Zeitkonstante τ\tauτ als „Aufladezeit" gedeutet. Nach einer Zeitkonstante sind erst 63 %63\,\%63% des Endwerts erreicht; als praktisch abgeschlossen gilt der Vorgang nach etwa 5 τ5\,\tau5τ (>99 %> 99\,\%>99%).
  • Bei angeschlossener Quelle angenommen, die Ladung bleibe konstant. Die Quelle hält die SPANNUNG; die Ladung passt sich an.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Leiten Sie EC=12CU2E_C = \tfrac12 CU^2EC​=21​CU2 durch Integration von dW=u dq\mathrm{d}W = u\,\mathrm{d}qdW=udq mit u=q/Cu = q/Cu=q/C her. Diskutieren Sie anschließend den Energieumsatz beim Einschieben eines Dielektrikums für beide Randbedingungen und erklären Sie, warum das Dielektrikum in BEIDEN Fällen in den Kondensator hineingezogen wird.

§ 03

Aktive Wiederholung

Ein Plattenkondensator (A=200 cm2A = 200\,\text{cm}^2A=200cm2, d=1,0 mmd = 1{,}0\,\text{mm}d=1,0mm) liegt an U=200 VU = 200\,\text{V}U=200V. Berechnen Sie Kapazität und gespeicherte Energie. Beurteilen Sie anschließend, wie sich Ladung und Energie ändern, wenn ein Dielektrikum mit εr=4,0\varepsilon_r = 4{,}0εr​=4,0 eingeschoben wird — einmal bei angeschlossener Quelle und einmal nach dem Abtrennen.

Passende Aufgaben üben70 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: LEIFIphysik — Kondensator: Kapazität, Energie und Lade-/Entladevorgang (Joachim Herz Stiftung) · OpenStax University Physics Volume 2 — Capacitance (OpenStax (Rice University))

§ 04
§ 04

Magnetische Flussdichte und die Lorentz-Kraft#

~5 Min Lesezeit●●○StandardLPKMK 2.6.1LPKörper in statischen Feldern

Magnetfeld einer stromdurchflossenen Spule

B I Rechte-Faust-Regel: Daumen = B
Abb. 7Im Inneren homogen, außen wie ein Stabmagnet; Rechte-Faust-Regel zur Orientierung.

Kernpunkte

Magnetfelder entstehen durch bewegte Ladung — im Leiter durch den Strom, im Permanentmagneten durch die Kreisströme und Spins der Elektronen. Es gibt keine magnetischen Einzelladungen: Magnetfeldlinien haben weder Anfang noch Ende, sondern sind stets geschlossen. Das ist der auffälligste Strukturunterschied zum elektrischen Feld und ein beliebter Prüfungsgegenstand.
Als Feldgröße dient die magnetische Flussdichte BBB mit der Einheit Tesla, 1 T=1 N/(A m)1\,\text{T} = 1\,\text{N}/(\text{A}\,\text{m})1T=1N/(Am). Sie wird über die Kraft auf einen stromdurchflossenen Leiter definiert: F=B I ℓF = B\,I\,\ellF=BIℓ für einen Leiter senkrecht zum Feld. Zur Einordnung: Das Erdmagnetfeld liegt bei etwa 50 μT50\,\mu\text{T}50μT, ein Hufeisenmagnet bei einigen 10 mT10\,\text{mT}10mT, ein Kernspintomograph bei 1−3 T1{-}3\,\text{T}1−3T.
Auf eine einzelne bewegte Ladung wirkt die Lorentz-Kraft FL=q v B sin⁡αF_L = q\,v\,B\,\sin\alphaFL​=qvBsinα, wobei α\alphaα der Winkel zwischen v⃗\vec vv und B⃗\vec BB ist. Zwei Grenzfälle sind entscheidend: Bewegt sich die Ladung PARALLEL zum Feld, ist die Kraft null; steht sie SENKRECHT dazu, ist sie maximal. Die Richtung liefert die Drei-Finger-Regel — für den technischen Stromrichtungssinn die rechte Hand, für die Bewegungsrichtung negativer Elektronen die linke.
Die Lorentz-Kraft steht immer senkrecht auf der Geschwindigkeit. Daraus folgt unmittelbar: Sie verrichtet KEINE Arbeit und kann den Betrag der Geschwindigkeit niemals ändern — nur die Richtung. Ein Magnetfeld allein beschleunigt ein Teilchen also nie im Sinne einer Energiezufuhr; wer in einer Aufgabe einen Energiegewinn im reinen B-Feld ausrechnet, hat sich verrechnet.
Tritt eine Ladung senkrecht in ein homogenes Magnetfeld ein, wirkt die Lorentz-Kraft als Zentripetalkraft und die Bahn wird ein Kreis mit r=m v/(q B)r = m\,v/(q\,B)r=mv/(qB). Der Radius wächst mit Impuls und fällt mit Ladung und Feldstärke — das ist das Messprinzip jedes Massenspektrometers und jeder Blasenkammer. Bei schrägem Eintritt überlagert sich die unbeeinflusste Parallelkomponente und es entsteht eine Schraubenlinie.
Bemerkenswert ist, dass die Umlauffrequenz fc=q B/(2πm)f_c = q\,B/(2\pi m)fc​=qB/(2πm) von der Geschwindigkeit UNABHÄNGIG ist: Ein schnelleres Teilchen läuft auf einem größeren Kreis, braucht aber dieselbe Zeit. Genau darauf beruht das Zyklotron, dessen Beschleunigungsspannung mit fester Frequenz umgepolt werden kann — bis relativistische Massenzunahme die Synchronität zerstört.

Vokabeln

→ Kartei
  • die magnetische FlussdichteFeldgröße $B$ des Magnetfelds; Einheit Tesla
  • die Lorentz-KraftKraft auf eine bewegte Ladung im Magnetfeldsteht stets senkrecht auf $\vec v$ und verrichtet keine Arbeit
  • die ZyklotronfrequenzUmlauffrequenz im homogenen B-Feld, unabhängig von $v$
  • der magnetische Monopoleinzelner magnetischer Polnicht beobachtet — daher sind Magnetfeldlinien geschlossen
  • die SchraubenlinieBahnform bei schrägem Eintritt ins Magnetfeld

Lorentz-Kraft

F⃗L=q (E⃗+v⃗×B⃗)\vec F_L = q\,(\vec E + \vec v\times\vec B)FL​=q(E+v×B)

Betrag der Lorentz-Kraft auf eine bewegte Ladung

FL=q v B sin⁡αF_L = q\,v\,B\,\sin\alphaFL​=qvBsinα

FLF_LFL​ in N, qqq der Ladungsbetrag in C, vvv die Geschwindigkeit in m/s, BBB die magnetische Flussdichte in T, α\alphaα der Winkel zwischen v⃗\vec vv und B⃗\vec BB.

Bahnradius und Zyklotronfrequenz bei senkrechtem Eintritt

r=m vq B,fc=q B2π mr = \dfrac{m\,v}{q\,B},\qquad f_c = \dfrac{q\,B}{2\pi\,m}r=qBmv​,fc​=2πmqB​

rrr in m, mmm die Teilchenmasse in kg, vvv die Bahngeschwindigkeit in m/s; fcf_cfc​ in Hz ist die Umlauffrequenz und hängt NICHT von vvv ab.

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Musterlösung

Kreisbahn eines Elektrons im homogenen Magnetfeld

Ein Elektron tritt mit v=2,0⋅107 m/sv = 2{,}0\cdot 10^7\,\text{m/s}v=2,0⋅107m/s senkrecht in ein homogenes Magnetfeld der Flussdichte B=5,0 mTB = 5{,}0\,\text{mT}B=5,0mT ein. Berechnen Sie den Bahnradius und die Umlauffrequenz.

  1. 01Kraftansatz aufstellen

    Die Lorentz-Kraft steht stets senkrecht auf v⃗\vec vv, ändert also nur die Richtung, nie den Betrag der Geschwindigkeit. Sie wirkt damit als Zentripetalkraft: e v B=me v2/re\,v\,B = m_e\,v^2/revB=me​v2/r.

    r=me ve Br = \dfrac{m_e\,v}{e\,B}r=eBme​v​
  2. 02Radius auswerten

    r=9,11⋅10−31⋅2,0⋅107/(1,602⋅10−19⋅5,0⋅10−3)≈2,27⋅10−2 mr = 9{,}11\cdot 10^{-31}\cdot 2{,}0\cdot 10^7 / (1{,}602\cdot 10^{-19}\cdot 5{,}0\cdot 10^{-3}) \approx 2{,}27\cdot 10^{-2}\,\text{m}r=9,11⋅10−31⋅2,0⋅107/(1,602⋅10−19⋅5,0⋅10−3)≈2,27⋅10−2m.

  3. 03Umlauffrequenz bestimmen

    Aus v=2πr/Tv = 2\pi r/Tv=2πr/T und dem Radius oben kürzt sich vvv vollständig heraus — die Zyklotronfrequenz hängt nicht von der Geschwindigkeit ab. Zahlenwert: fc≈1,40⋅108 Hzf_c \approx 1{,}40\cdot 10^8\,\text{Hz}fc​≈1,40⋅108Hz.

    fc=e B2π mef_c = \dfrac{e\,B}{2\pi\,m_e}fc​=2πme​eB​
  4. 04Ergebnis einordnen

    Ein Radius von rund 2,3 cm2{,}3\,\text{cm}2,3cm passt in einen Tischaufbau — das ist der Grund, warum das Fadenstrahlrohr ein Schulversuch sein kann. Dass fcf_cfc​ geschwindigkeitsunabhängig ist, ist das Konstruktionsprinzip des Zyklotrons: die Beschleunigungsspannung kann mit fester Frequenz umgepolt werden.

Ergebnis: Bahnradius r≈2,3 cmr \approx 2{,}3\,\text{cm}r≈2,3cm, Zyklotronfrequenz fc≈1,4⋅108 Hz=140 MHzf_c \approx 1{,}4\cdot 10^8\,\text{Hz} = 140\,\text{MHz}fc​≈1,4⋅108Hz=140MHz — unabhängig von der Eintrittsgeschwindigkeit.

Abiturfokus

  • „Begründen" Sie, warum die Lorentz-Kraft keine Arbeit verrichtet: Sie steht senkrecht auf v⃗\vec vv, also ist F⃗⋅ds⃗=0\vec F\cdot\mathrm{d}\vec s = 0F⋅ds=0. Diese Argumentation wird häufiger geprüft als jede Zahlenrechnung dieses Abschnitts.
  • Geben Sie bei jeder Richtungsbestimmung ausdrücklich an, WELCHE Hand Sie benutzen und für welche Stromrichtung — technische Stromrichtung (rechte Hand) oder Elektronenbewegung (linke Hand).
  • Bei „berechnen" des Bahnradius zuerst den Kraftansatz qvB=mv2/rq v B = m v^2/rqvB=mv2/r notieren; das Kürzen von vvv ist der eigentlich bepunktete Schritt.
  • „Erläutern" Sie den Unterschied der Feldlinienbilder: elektrische Feldlinien beginnen und enden an Ladungen, magnetische sind stets geschlossen — es gibt keine magnetischen Monopole.
  • „Beurteilen" Sie Zahlenwerte über Vergleichsgrößen: Erdfeld 50 μ50\,\mu50μT, Schulmagnet einige zehn mT, MRT 1−3 1{-}3\,1−3T.

Typische Fehler

  • Den Winkel in FL=q v Bsin⁡αF_L = q\,v\,B\sin\alphaFL​=qvBsinα ignoriert und stets F=qvBF = qvBF=qvB gerechnet, obwohl die Bewegung schräg zum Feld verläuft.
  • Bei Elektronen die rechte statt der linken Hand verwendet und die Kraftrichtung damit um 180°180°180° gedreht.
  • Angenommen, das Magnetfeld beschleunige das Teilchen im Sinne einer Energiezufuhr. Die Bahngeschwindigkeit bleibt dem Betrag nach konstant.
  • Im Radius r=mv/(qB)r = mv/(qB)r=mv/(qB) Masse und Ladung vertauscht. Kontrolle über die Einheiten: kg⋅m s−1/(C⋅T)\text{kg}\cdot\text{m}\,\text{s}^{-1}/(\text{C}\cdot\text{T})kg⋅ms−1/(C⋅T) ergibt Meter.
  • Behauptet, magnetische Feldlinien liefen vom Nord- zum Südpol. Außerhalb des Magneten stimmt das, im Inneren laufen sie zurück — die Linien sind geschlossen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Zerlegen Sie beim schrägen Eintritt die Geschwindigkeit in Komponenten parallel und senkrecht zu B⃗\vec BB und zeigen Sie, dass die Bahn eine Schraubenlinie mit der Ganghöhe h=v∥ Th = v_\parallel\,Th=v∥​T ist. Erklären Sie damit, wie geladene Teilchen des Sonnenwinds längs der Erdfeldlinien zu den Polen geführt werden.

§ 04

Aktive Wiederholung

Ein Elektron tritt mit v=2,0⋅107 m/sv = 2{,}0\cdot 10^7\,\text{m/s}v=2,0⋅107m/s senkrecht in ein Magnetfeld mit B=5,0 mTB = 5{,}0\,\text{mT}B=5,0mT ein. Berechnen Sie Bahnradius und Umlauffrequenz und begründen Sie, warum sich die Frequenz nicht ändert, wenn das Elektron mit doppelter Geschwindigkeit einträte.

Passende Aufgaben üben70 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: LEIFIphysik — Magnetisches Feld und Lorentzkraft (Joachim Herz Stiftung)

§ 05
§ 05

Geladene Teilchen in gekreuzten Feldern — der Geschwindigkeitsfilter#

~4 Min Lesezeit●●●VertiefungLPKMK 2.6.1LPKörper in statischen Feldern

Gekreuzte Felder — Wien-Filter und Massenspektrometer

Gekreuzte Felder — Wien-Filter und MassenspektrometerTabelle mit 3 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Element · Bedingung bzw. Formel · Bedeutung; Elektrische Kraft · F_el = q·E · Unabhängig von der Geschwindigkeit; Lorentzkraft · F_L = q·v·B · Proportional zur Geschwindigkeit; Geschwindigkeitsfilter · q·E = q·v·B ⇒ v = E/B · Nur diese Geschwindigkeit passiert unabgelenkt — unabhängig von q und m; Kreisbahn im B-Feld · r = m·v/(q·B) · Der zweite Schritt des Massenspektrometers; Spezifische Ladung · q/m = v/(r·B) · Aus Radius und bekannter Geschwindigkeit; Millikan-Versuch · Schwebebedingung q·E = m·g · Liefert die Elementarladung — ein anderes KräftepaarElementBedingung bzw. FormelBedeutungElektrische KraftFel = q·EUnabhängig von derGeschwindigkeitLorentzkraftFL = q·v·BProportional zurGeschwindigkeitGeschwindigkeitsfilterq·E = q·v·B ⇒ v = E/BNur diese Geschwindigkeitpassiert unabgelenkt —unabhängig von q und mKreisbahn im B-Feldr = m·v/(q·B)Der zweite Schritt desMassenspektrometersSpezifische Ladungq/m = v/(r·B)Aus Radius und bekannterGeschwindigkeitMillikan-VersuchSchwebebedingung q·E = m·gLiefert die Elementarladung— ein anderes Kräftepaar
Abb. 8Im gekreuzten Feld gibt es genau EINE Geschwindigkeit, bei der sich elektrische und magnetische Kraft aufheben. Darauf beruhen beide Geräte.

Kernpunkte

Stehen ein elektrisches und ein magnetisches Feld senkrecht aufeinander und durchquert eine Ladung beide senkrecht, so wirken zwei Kräfte gegeneinander: die elektrische Kraft qEqEqE, die nicht von der Geschwindigkeit abhängt, und die Lorentz-Kraft qvBqvBqvB, die proportional zu vvv wächst. Genau ein Geschwindigkeitswert bringt beide ins Gleichgewicht.
Aus q E=q v Bq\,E = q\,v\,BqE=qvB folgt sofort v=E/Bv = E/Bv=E/B — die Ladung kürzt sich vollständig heraus. Der Filter selektiert also allein nach GESCHWINDIGKEIT, unabhängig von Ladung, Vorzeichen und Masse des Teilchens. Diese Unabhängigkeit ist die eigentliche Pointe und wird regelmäßig als Begründung verlangt.
Teilchen, die zu schnell sind, überwiegen mit der Lorentz-Kraft und werden zur einen Seite abgelenkt; zu langsame folgen der elektrischen Kraft zur anderen. Nur der schmale Strahl mit v=E/Bv = E/Bv=E/B passiert die Blende geradlinig. Die Anordnung heißt nach ihrem Erfinder auch Wien-Filter.
In der Praxis wird das elektrische Feld über einen Plattenkondensator erzeugt, sodass E=U/dE = U/dE=U/d gilt und die Auswahlgeschwindigkeit über die leicht einstellbare Spannung geregelt wird: v=U/(d B)v = U/(d\,B)v=U/(dB). Damit lässt sich ein Massenspektrometer zweistufig aufbauen — der Filter macht die Geschwindigkeit einheitlich, ein nachgeschaltetes reines Magnetfeld trennt dann über r=mv/(qB)r = mv/(qB)r=mv/(qB) nach der spezifischen Ladung q/mq/mq/m.
Der Aufbau ist ein Musterbeispiel des KMK-Basiskonzepts „Superposition und Komponenten": Zwei unabhängig wirkende Kräfte werden vektoriell überlagert, und die Bedingung für die geradlinige Bahn ist schlicht, dass ihre Summe verschwindet — dieselbe Denkfigur wie beim Kräftegleichgewicht der Mechanik.

Vokabeln

→ Kartei
  • der GeschwindigkeitsfilterAnordnung gekreuzter Felder, die nach $v = E/B$ selektiertauch Wien-Filter
  • gekreuzte Feldersenkrecht zueinander stehendes E- und B-Feld
  • die spezifische LadungVerhältnis $q/m$ eines Teilchens

Auswahlbedingung des Geschwindigkeitsfilters

q E=q v B  ⟹  v=EB=Ud Bq\,E = q\,v\,B \;\Longrightarrow\; v = \dfrac{E}{B} = \dfrac{U}{d\,B}qE=qvB⟹v=BE​=dBU​

vvv in m/s ist die einzige Geschwindigkeit, die den Filter geradlinig passiert; EEE in V/m, BBB in T, UUU die Kondensatorspannung in V und ddd der Plattenabstand in m. Die Ladung qqq kürzt sich heraus.

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Musterlösung

Auswahlgeschwindigkeit eines Wien-Filters

Ein Geschwindigkeitsfilter besteht aus einem Plattenkondensator mit U=300 VU = 300\,\text{V}U=300V und Plattenabstand d=5,0 mmd = 5{,}0\,\text{mm}d=5,0mm sowie einem dazu senkrechten Magnetfeld der Flussdichte B=12 mTB = 12\,\text{mT}B=12mT. Berechnen Sie die Geschwindigkeit der geradlinig durchtretenden Teilchen.

  1. 01Gleichgewichtsbedingung aufstellen

    Damit die Bahn geradlinig bleibt, muss die resultierende Kraft verschwinden: Die elektrische Kraft und die Lorentz-Kraft sind entgegengesetzt gleich groß.

    q E=q v Bq\,E = q\,v\,BqE=qvB
  2. 02Feldstärke aus der Spannung

    Zwischen den Platten ist das Feld homogen: E=U/d=300 V/5,0⋅10−3 m=6,0⋅104 V/mE = U/d = 300\,\text{V}/5{,}0\cdot 10^{-3}\,\text{m} = 6{,}0\cdot 10^4\,\text{V/m}E=U/d=300V/5,0⋅10−3m=6,0⋅104V/m.

  3. 03Geschwindigkeit auswerten

    v=6,0⋅104/12⋅10−3=5,0⋅106 m/sv = 6{,}0\cdot 10^4 / 12\cdot 10^{-3} = 5{,}0\cdot 10^6\,\text{m/s}v=6,0⋅104/12⋅10−3=5,0⋅106m/s.

    v=EBv = \dfrac{E}{B}v=BE​
  4. 04Unabhängigkeit prüfen

    In keiner Zeile der Rechnung tauchen Masse oder Ladung auf — qqq kürzt sich bereits im ersten Schritt. Zweifach geladene Ionen würden bei derselben Geschwindigkeit ebenso geradlinig passieren. Mit v/c≈0,017v/c \approx 0{,}017v/c≈0,017 ist zudem die klassische Rechnung zulässig.

Ergebnis: Auswahlgeschwindigkeit v=5,0⋅106 m/sv = 5{,}0\cdot 10^6\,\text{m/s}v=5,0⋅106m/s — für ALLE Teilchen gleich, unabhängig von Ladung und Masse.

Abiturfokus

  • „Herleiten" Sie v=E/Bv = E/Bv=E/B aus dem Kräftegleichgewicht und weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass sich qqq herauskürzt — dieser Satz ist der bepunktete Kern der Aufgabe.
  • „Begründen" Sie, warum der Filter unabhängig von der Masse arbeitet: In der Gleichgewichtsbedingung kommt die Masse überhaupt nicht vor.
  • Zeichnen Sie in die Skizze beide Kraftpfeile getrennt ein und benennen Sie sie; die Richtungsangabe muss zur gewählten Hand-Regel passen.
  • „Erläutern" Sie den zweistufigen Aufbau eines Massenspektrometers: erst Geschwindigkeit vereinheitlichen, dann nach q/mq/mq/m trennen.
  • Achten Sie bei „berechnen" auf konsistente Einheiten: EEE in V/m, BBB in T, dann kommt vvv unmittelbar in m/s heraus.

Typische Fehler

  • Angenommen, der Filter selektiere nach Masse oder Ladung. Er selektiert ausschließlich nach Geschwindigkeit.
  • Die Felder parallel statt gekreuzt gezeichnet; bei parallelen Feldern gibt es kein Gleichgewicht dieser Art.
  • EEE in Volt statt in V/m eingesetzt — der Plattenabstand wurde vergessen. Zwischen Platten gilt E=U/dE = U/dE=U/d.
  • Angenommen, im Filter ändere sich die Geschwindigkeit. Im Gleichgewichtsfall ist die resultierende Kraft null, die Bewegung also gleichförmig geradlinig.
  • Die Rechnung nur mit Beträgen geführt und dann behauptet, auch die Richtung sei gezeigt. Für die geradlinige Bahn müssen die beiden Kräfte ENTGEGENGESETZT gerichtet sein.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Schließen Sie an den Filter ein reines Magnetfeld B2B_2B2​ an und zeigen Sie, dass sich aus dem Bahnradius die spezifische Ladung als q/m=v/(r B2)q/m = v/(r\,B_2)q/m=v/(rB2​) ergibt. Diskutieren Sie, welche Messunsicherheiten (Blendenbreite, Feldinhomogenität) die Trennschärfe eines solchen Spektrometers begrenzen.

§ 05

Aktive Wiederholung

Ein Geschwindigkeitsfilter arbeitet mit einem Plattenkondensator (U=300 VU = 300\,\text{V}U=300V, d=5,0 mmd = 5{,}0\,\text{mm}d=5,0mm) und einem dazu senkrechten Magnetfeld B=12 mTB = 12\,\text{mT}B=12mT. Berechnen Sie die Auswahlgeschwindigkeit und begründen Sie, ob sich das Ergebnis ändert, wenn statt Elektronen zweifach geladene Ionen eingeschossen werden.

Passende Aufgaben üben70 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: LEIFIphysik — Wien-Filter und Massenspektrometer (Joachim Herz Stiftung)

§ 06
§ 06

Ablenkung im transversalen E-Feld — die Braunsche Röhre#

~4 Min Lesezeit●●●VertiefungLPKMK 2.6.1LPKörper in statischen Feldern

Plattenkondensator — homogenes E-Feld

Plattenkondensator — homogenes E-FeldSchematische Darstellung mit 7 Elementen, +, −, E, d+−Ed
Abb. 9Zwischen den Platten herrscht ein nahezu homogenes elektrisches Feld E=U/dE = U/dE=U/d.

Kernpunkte

Ein Elektron, das mit der Geschwindigkeit vxv_xvx​ waagerecht in einen Plattenkondensator eintritt, erfährt eine konstante Kraft senkrecht zu seiner Bewegung. Das ist rechnerisch exakt die Situation des waagerechten Wurfs: gleichförmige Bewegung längs xxx, gleichmäßig beschleunigte Bewegung längs yyy — nur ist die Ursache hier das elektrische statt das Schwerefeld.
Die beiden Bewegungen laufen unabhängig voneinander ab; das ist erneut das Superpositionsprinzip. Mit x=vxtx = v_x tx=vx​t und y=12at2y = \tfrac12 a t^2y=21​at2 ergibt das Eliminieren der Zeit eine PARABEL: y(x)=12 a x2/vx2y(x) = \tfrac12\,a\,x^2/v_x^2y(x)=21​ax2/vx2​. Die Bahn im Plattenbereich ist also parabelförmig, danach — feldfrei — geradlinig.
Die Querbeschleunigung folgt aus der elektrischen Kraft: a=e E/me=e Uy/(me d)a = e\,E/m_e = e\,U_y/(m_e\,d)a=eE/me​=eUy​/(me​d), wobei UyU_yUy​ die Ablenkspannung und ddd der Plattenabstand ist. Die Eintrittsgeschwindigkeit stammt aus der vorgeschalteten Beschleunigungsstrecke, 12mevx2=e UB\tfrac12 m_e v_x^2 = e\,U_B21​me​vx2​=eUB​.
Setzt man beides zusammen, kürzen sich Ladung und Masse vollständig heraus und es bleibt die bemerkenswert einfache Ablenkformel y=Uy ℓ2/(4 d UB)y = U_y\,\ell^2/(4\,d\,U_B)y=Uy​ℓ2/(4dUB​) am Ende der Platten. Die Ablenkung hängt also nur von zwei Spannungen und der Geometrie ab — nicht davon, welches geladene Teilchen fliegt.
Weil yyy PROPORTIONAL zur Ablenkspannung ist, wird die Anordnung zum Messinstrument: Genau darauf beruhte die Braunsche Röhre des Analogoszilloskops, bei der ein zweites Plattenpaar senkrecht dazu die Zeitablenkung übernimmt. Eine Verdopplung von UyU_yUy​ verdoppelt den Ausschlag exakt.
Die Rechnung ist nur gültig, solange das Elektron die Platten nicht berührt: Die Ablenkung am Plattenende muss kleiner als der halbe Plattenabstand bleiben. Diese Kontrolle gehört ausdrücklich zur Lösung und wird als eigener Bewertungspunkt geführt.

Vokabeln

→ Kartei
  • die AblenkspannungSpannung am Querplattenpaar, erzeugt die Ablenkung
  • die BeschleunigungsspannungSpannung der vorgeschalteten Strecke, legt $v_x$ fest
  • die Braunsche RöhreElektronenstrahlröhre mit zwei Ablenkplattenpaaren

Bahnkurve im transversalen Feld

y(x)=12 avx2 x2,a=e Uyme dy(x) = \dfrac{1}{2}\,\dfrac{a}{v_x^2}\,x^2,\qquad a = \dfrac{e\,U_y}{m_e\,d}y(x)=21​vx2​a​x2,a=me​deUy​​

yyy die Querablenkung in m, xxx der zurückgelegte Weg längs der Platten in m, aaa die Querbeschleunigung in m/s², vxv_xvx​ die konstante Eintrittsgeschwindigkeit in m/s, UyU_yUy​ die Ablenkspannung in V, ddd der Plattenabstand in m.

Ablenkung am Plattenende

y=Uy ℓ24 d UBy = \dfrac{U_y\,\ell^2}{4\,d\,U_B}y=4dUB​Uy​ℓ2​

ℓ\ellℓ die Plattenlänge in m, UBU_BUB​ die vorgeschaltete Beschleunigungsspannung in V. Ladung und Masse kürzen sich heraus — die Ablenkung ist teilchenunabhängig.

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Musterlösung

Ablenkung eines Elektrons im Plattenkondensator

UB=2,0 kVU_B = 2{,}0\,\text{kV}UB​=2,0kV, Plattenlänge ℓ=6,0 cm\ell = 6{,}0\,\text{cm}ℓ=6,0cm, Plattenabstand d=2,0 cmd = 2{,}0\,\text{cm}d=2,0cm, Ablenkspannung Uy=300 VU_y = 300\,\text{V}Uy​=300V. Berechnen Sie die Ablenkung am Plattenende und den Austrittswinkel.

  1. 01Bewegung zerlegen

    Längs der Platten bleibt die Bewegung gleichförmig mit vxv_xvx​ aus 12mevx2=e UB\tfrac12 m_e v_x^2 = e\,U_B21​me​vx2​=eUB​; quer dazu wirkt die konstante Beschleunigung a=e Uy/(me d)a = e\,U_y/(m_e\,d)a=eUy​/(me​d). Zeit im Feld: t=ℓ/vxt = \ell/v_xt=ℓ/vx​.

  2. 02Zur kompakten Form zusammenfassen

    Setzt man ttt und aaa in y=12at2y = \tfrac12 a t^2y=21​at2 ein, kürzen sich eee und mem_eme​ vollständig heraus und es bleibt die reine Spannungs-Geometrie-Formel.

    y=Uy ℓ24 d UBy = \dfrac{U_y\,\ell^2}{4\,d\,U_B}y=4dUB​Uy​ℓ2​
  3. 03Zahlenwerte einsetzen

    y=300⋅(0,060)2/(4⋅0,020⋅2000)=1,08/160≈6,75⋅10−3 my = 300\cdot (0{,}060)^2 / (4\cdot 0{,}020\cdot 2000) = 1{,}08 / 160 \approx 6{,}75\cdot 10^{-3}\,\text{m}y=300⋅(0,060)2/(4⋅0,020⋅2000)=1,08/160≈6,75⋅10−3m.

  4. 04Durchtritt kontrollieren

    Der halbe Plattenabstand beträgt d/2=10 mmd/2 = 10\,\text{mm}d/2=10mm. Wegen 6,75 mm<10 mm6{,}75\,\text{mm} < 10\,\text{mm}6,75mm<10mm verlässt das Elektron das Plattenpaar, ohne aufzutreffen.

  5. 05Austrittswinkel bestimmen

    Für die Parabel gilt tan⁡α=vy/vx=2y/ℓ=2⋅6,75⋅10−3/0,060=0,225\tan\alpha = v_y/v_x = 2y/\ell = 2\cdot 6{,}75\cdot 10^{-3}/0{,}060 = 0{,}225tanα=vy​/vx​=2y/ℓ=2⋅6,75⋅10−3/0,060=0,225, also α≈12,7°\alpha \approx 12{,}7°α≈12,7°.

Ergebnis: Ablenkung am Plattenende y≈6,8 mmy \approx 6{,}8\,\text{mm}y≈6,8mm — kleiner als d/2=10 mmd/2 = 10\,\text{mm}d/2=10mm, das Elektron passiert die Platten; Austrittswinkel α≈13°\alpha \approx 13°α≈13°.

Abiturfokus

  • Zerlegen Sie die Bewegung explizit in xxx- und yyy-Richtung und benennen Sie beide Teilbewegungen — „gleichförmig" und „gleichmäßig beschleunigt". Diese Zerlegung ist der Ansatz, den der Operator „berechnen" fordert.
  • Prüfen Sie am Ende IMMER, ob y<d/2y < d/2y<d/2 gilt, und schreiben Sie das Ergebnis dieser Prüfung hin; ohne sie ist die Lösung unvollständig.
  • „Begründen" Sie die Parabelform durch Elimination der Zeit aus den beiden Weg-Zeit-Gesetzen — nicht durch den Verweis auf den waagerechten Wurf allein.
  • „Erläutern" Sie, warum die Ablenkung nicht von der Teilchenart abhängt: In y=Uyℓ2/(4dUB)y = U_y\ell^2/(4dU_B)y=Uy​ℓ2/(4dUB​) kommen weder eee noch mmm vor.
  • „Beurteilen" Sie die Linearität y∝Uyy \propto U_yy∝Uy​ als Grundlage der Oszilloskop-Messung.

Typische Fehler

  • Die Ablenkung mit der Länge der Gesamtröhre statt mit der Plattenlänge ℓ\ellℓ gerechnet. Beschleunigt wird nur im Feldbereich; danach fliegt das Elektron geradeaus.
  • Angenommen, im Plattenbereich wachse auch vxv_xvx​. Die Kraft steht senkrecht auf vxv_xvx​, die Längskomponente bleibt konstant.
  • Die Bahn als Kreis statt als Parabel beschrieben — der Kreis gehört zum homogenen MAGNETfeld, die Parabel zum homogenen elektrischen Feld.
  • Die Kontrolle y<d/2y < d/2y<d/2 unterlassen und ein physikalisch unmögliches Ergebnis stehen gelassen.
  • Ablenkspannung UyU_yUy​ und Beschleunigungsspannung UBU_BUB​ vertauscht. Ein Blick auf die Formel hilft: UBU_BUB​ steht im NENNER — eine schnellere Eintrittsgeschwindigkeit lenkt weniger ab.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Zeigen Sie, dass die rückwärtige Verlängerung der Austrittsgeraden die Mittellinie genau in der MITTE der Platten schneidet, und leiten Sie daraus die Ablenkung auf einem Schirm im Abstand LLL hinter den Platten als Y=y (1+2L/ℓ)Y = y\,(1 + 2L/\ell)Y=y(1+2L/ℓ) her.

§ 06

Aktive Wiederholung

Ein Elektron wird durch UB=2,0 kVU_B = 2{,}0\,\text{kV}UB​=2,0kV beschleunigt und tritt anschließend mittig in ein Plattenpaar der Länge ℓ=6,0 cm\ell = 6{,}0\,\text{cm}ℓ=6,0cm mit Abstand d=2,0 cmd = 2{,}0\,\text{cm}d=2,0cm ein, an dem Uy=300 VU_y = 300\,\text{V}Uy​=300V anliegen. Berechnen Sie die Ablenkung am Plattenende, prüfen Sie, ob das Elektron die Platten passiert, und bestimmen Sie den Austrittswinkel.

Passende Aufgaben üben70 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: LEIFIphysik — Bewegung geladener Teilchen im elektrischen Feld (Joachim Herz Stiftung)

Stand 05/2026 · Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Ladung, Coulomb-Gesetz und die elektrische Feldstärke○
    • 02Potential, Spannung und Energie im elektrischen Feld◐
    • 03Der Kondensator als Ladungs- und Energiespeicher◐
    • 04Magnetische Flussdichte und die Lorentz-Kraft◐
    • 05Geladene Teilchen in gekreuzten Feldern — der Geschwindigkeitsfilter●
    • 06Ablenkung im transversalen E-Feld — die Braunsche Röhre●

0/6 Gelesen

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Elektrische und magnetische Felder

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Belege & Quellen

Quellen

Kultusministerkonferenz

  • Bildungsstandards im Fach Physik für die Allgemeine Hochschulreife (2020), Kap. 2.6.1

Joachim Herz Stiftung

  • LEIFIphysik — Elektrisches Feld: Grundlagen, Versuche und Aufgaben
  • LEIFIphysik — Kondensator: Kapazität, Energie und Lade-/Entladevorgang
  • LEIFIphysik — Magnetisches Feld und Lorentzkraft
  • LEIFIphysik — Wien-Filter und Massenspektrometer

OpenStax (Rice University)

  • OpenStax University Physics Volume 2 — Electric Potential
  • OpenStax University Physics Volume 2 — Capacitance

Siehe auch

  • Elektromagnetische Induktion und WechselstromDer direkte Anschluss: was geschieht, wenn die hier statischen Felder zeitlich veränderlich werden.
  • Mechanik 1 — Kinematik und Newtonsche DynamikDie Bahn im Plattenkondensator ist rechnerisch derselbe waagerechte Wurf — dort steht die Herleitung.
  • Quanten- und AtomphysikGegenfeldmethode und Massenspektrometer benutzen genau die Feldrechnungen dieses Kapitels.

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